Publikum erlebt berührende deutsch-türkische Geschichte und ist begeistert

Schauspielerin und Sängerin Christiane Hagedorn bot in ihrer Rolle als Selma eine beeindruckende Leistung. Foto: Roland Keusch
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Schauspielerin und Sängerin Christiane Hagedorn bot in ihrer Rolle als Selma eine beeindruckende Leistung.

„Der Kleine Spatz vom Bosporus“ im Teo Otto Theater – Großartige Musiker und eine außergewöhnliche Schauspielerin und Sängerin

Von Sabine Naber

Alt-Remscheid Ein beeindruckendes, berührendes Kabinettstück über eine besondere Ost-West-Berlin- und Istanbul-Geschichte mit authentischem Hintergrund präsentierten die Schauspielerin und Sängerin Christiane Hagedorn, der Regisseur Tugsal Mogul und die türkisch-deutsche Band Anahtar-Bahnhof am Donnerstag im Teo Otto Theater.

Unter der Überschrift „Der kleine Spatz vom Bosporus“ erlebt das Publikum eine junge Frau, die ihre Wurzeln sucht. Selma (Christiane Hagedorn) hat beim Auflösen der mütterlichen Wohnung einen Pappkarton voller Briefe und das Tagebuch ihrer Mutter gefunden. Auf der Bühne sitzt sie auf einer Bank, liest und erzählt die Geschichte ihrer Eltern Gudrun, die in Ostberlin lebte, und Mehmet, der 1963 aus der Türkei ausgewandert war und in Kreuzberg lebte. Sie schlüpft im schönsten Berliner Dialekt temperamentvoll in die Rolle ihrer Mutter, erzählt von ihrem Baba, den immer ein Duft von Ayran, Köfte und türkischem Mokka umschwebte, wenn er sie zweimal im Monat besuchte, und ihrer Liebe zur Musik, die sie mit ihrem Vater teilt. „Warum singe ich, werde ich oft gefragt. Ich singe für euch – singe, um zu überleben“, erklärt sie.

Was soll man auch anderes machen, wenn ein Unglück geschieht, oder Baba verschwindet. Und ein Lied ohne Schmerz, das erzähle nur die halbe Wahrheit. Und dann singt sie auf Türkisch Lieder der Poplegende Sezen Aksu, die „kleiner Spatz“ genannt wird und seit mehr als 40 Jahren auf der Bühne steht. Die Gefühle aller Beteiligten – Verliebtheit, Glück, Wut, Trauer, Verzweiflung – werden spürbar, wenn Selma im „kleinen Schwarzen“ singt. Begleitet von den großartigen Musikern Martin Scholz (Piano, Kornett), Ahmed Bektas (Oud), Ömer Bektas (Percussion) und Jens Pollheide (Bass, Ney), die am Ende der zweistündigen Aufführung auch als Solisten ihr Können einmal mehr unter Beweis stellen. Herrlich humorvoll schildert Selma die erste Begegnung ihrer Eltern: „Als sie aus dem Postamt in Friedrichshain kommt, knallt sie mit einem Mann zusammen. Ich Mehmet, du sehr schön. Du geben mir Zeit, ich dir mein ganzes Herz“, hat mein Baba gesagt.“

Im Kino habe ihre Mutter Mehmet einfach auf den Mund geküsst. „Und dann ham wa dat janze Ostgeld verballert“, berlinert sie und singt – halb auf Deutsch, halb auf Türkisch – „Ich bin in deinen Schoß gefallen“. Dann sei ihre Mutter schwanger geworden.

Zwar sei ihr Baba in Kreuzberg verheiratet gewesen, habe zwei Söhne gehabt, aber ihre Kindheit sei glücklich gewesen. „Ich habe Sängerin gespielt, mein Baba hat mich kleiner Spatz vom Bosporus genannt.“ Bis er 10 500 Mark als Förderung zur Rückkehr von Gastarbeitern bekam und zurück in die Türkei ging. „Ich war in der Pubertät, im FDJ, ich hatte Jugendweihe, meinen ersten Freund. Und nichts davon hat mein Baba davon mitgekriegt.“ Dann fiel die Mauer. Selma hat ihren Baba erst in Kreuzberg, dann in Istanbul gesucht. Auf Facebook habe ihr Halbbruder Yussef sie kürzlich gefunden. Und geschrieben, dass die Familie längst von ihr weiß. Sekundenlange Stille, bis begeisterter Applaus zu hören war.

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