Landgericht

Prozess um Angriff im Tannenhof: Zeuge gilt selbst als gemeingefährlich

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Fortsetzungen des Prozesses eines 63-Jährigen wegen eines Angriffs mit kochendem Wasser.

Von Dirk Lotze

Remscheid. Opfer eines Angriffs mit heißem Wasser in der psychiatrischen Klinik Tannenhof in Remscheid-Lennep wurde ein 55 Jahre alter Patient, der nach Übergriffen auf Pflegerinnen selbst als gemeingefährlich gilt. Der Mann hatte bei dem Geschehen vom Oktober 2019 auf einer geschlossenen Station Verbrühungen im Gesicht und am Hals erlitten. Er sagte am Montag unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen im Landgericht Wuppertal gegen den Beschuldigten aus: einen inzwischen 63 Jahre alten, früheren Mitpatienten.

Gegen den 63-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft ebenfalls die dauerhafte Unterbringung in einer besonders gesicherten Klinik beantragt. Die Richterinnen und Richter müssen die Vorwürfe unabhängig prüfen. Außer um den Angriff mit Wasser aus einer Teetasse geht es für ihn um eine Reihe von Übergriffen an seinem früheren Wohnort in Wuppertal: Eine Prügelei in der sogenannten Trinkerszene eines Parks, Würfe von schweren Haushaltsgegenständen aus dem Dachfenster eines Wohnhauses.

„Ich hatte Angst vor ihm. Der hat alle und jeden angefasst.“

Angeklagter über den Zeugen

Zum Auftritt im Zeugenstand wurde der Geschädigte von einer Angehörigen begleitet, außerdem von zwei Pflegern. Einer stützte ihn; dabei war der Mann trotzdem zur Sicherheit an den Händen gefesselt. Er bestätigte, früher Steuerfachangestellter gewesen zu sein. Den Ablauf mit der Wasserattacke auf dem Klinik-Flur erinnere er nicht mehr.

Das Gericht hatte zu dem kurzen Auftritt des Mannes angemerkt, es wolle sich von seinem Auftreten und Äußeren einen Eindruck machen.

Das Geschehen hatte ein Fachpfleger durch die Glasscheibe eines Mitarbeiterzimmers teilweise beobachten können: Der 55-Jährige und spätere Geschädigte sei mit starrem Blick auf den 63-Jährigen zugegangen. Der habe einige Sekunden gezögert und habe dann mit einem Schwall Wasser aus seinem Teebecher „gekontert“. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien sofort eingeschritten.

Der Verletzte wurde in einer weiteren Klinik ambulant versorgt. Er soll Blasen und Schmerzen erlitten haben. Der Pfleger berichtete über den Beschuldigten: „Wenn er was getan hat, dann war das schon klar gesteuert und bewusst.“ Er habe den 63-Jährigen mehrfach bei Versuchen entdeckt, Verbote zu übertreten. Der habe dann jeweils abgebrochen – teils den Regelbruch auch einfach verschoben. Der Mann gehe Streit nicht unbedingt aus dem Weg, auch wenn er sich leicht zurückziehen könne.

Der 63-Jährige war laut Gericht mehr als 30 Mal wegen Gefahr für sich oder andere im Tannenhof. Im Prozess hat er erklärt, er habe sich gegen den jüngeren Patienten nur „gewehrt“. Seine Schilderung: „Ich hatte Angst vor ihm. Der hat alles und jeden angefasst.“

Das Gericht will am Donnerstag weiter verhandeln.

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