Professor Imbusch spricht über die Wut auf das Finanzsystem

Die Straßenschlachten in der US-Stadt Baltimore machen den Vortrag von Professor Peter Imbusch besonders aktuell: Jugendliche protestieren dort, weil ein junger Farbiger auf der Polizeiwache misshandelt wurde.
Quelle: Knut Reiffert
Von Knut Reiffert
Und wieso lassen afro-amerikanische Teenager in den USA ihrer geballten Wut freien Lauf, wie etwa in der zum Sinnbild gewordenen Kleinstadt Ferguson oder aktuell in Baltimore?
„Eigentlich liegen die Antworten auf der Hand“, sagt Professor Dr. Peter Imbusch von der Bergischen Universität. „Weil sie sich ungerecht behandelt fühlen.“ Doch allein diese Wahrnehmung reicht nach seinen Erkenntnissen noch lange nicht dafür aus, dass es tatsächlich eine Protestbewegung gibt, die massiv in der Öffentlichkeit auftritt. „Da gehört noch mehr dazu.“ Welche Faktoren das sind, stellt der Soziologe am Donnerstag, 7. Mai, um 19 Uhr beim Uni-Vortrag des RGA in der Lenneper Klosterkiche vor.
RGA-VORTRAGSREIHE
In einem Schema führt Imbusch auf, was die Grundlagen für Proteste von Jugendlichen sind. Dazu gehören natürlich die strukturellen Bedingungen. Etwa Armut, persönliche Einschränkungen oder mangelnde politische Teilhabe – wie bei den Umstürzen in Nordafrika.
„Zu den Handlungsbedingungen gehört die Frage: ,Was kann ich erreichen?’“, erläutert der 55-Jährige. Zu den sogenannten konditionierenden Faktoren, also denen, die das Ausmaß eines Protests bestimmen, zählt er etwa die Stärke des Gegners oder auch regionale Voraussetzungen. Beispiel: „In Frankreich ist es normal, dass bei einer Demonstration von Jugendlichen Autos angezündet werden, in Deutschland beschwört man in diesem Fall gleich bürgerkriegsähnliche Zustände herauf.“
Nicht zuletzt kommt es auf die konkreten Auslöser an. „Bei der Occupy-Bewegung, die gegen ein Finanzsystem aufbegehrt, das kaputte Banken stützt, aber die Bewohner südeuropäische Länder in die Armut treibt, kann das schon das Treffen der Chefmanager bei der Europäischen Zentralbank sein“, erklärt Imbusch am jüngsten Beispiel in Frankfurt.
In den USA haben Übergriffe von Polizisten auf Farbige System
Klarer auf der Hand liegt die Sache in den USA, wo immer wieder junge Farbige wegen Nichtigkeiten von Polizisten misshandelt oder gar getötet werden. „Wer nicht glaubt, dass das System hat, sollte sich im Internet den offiziellen Report über das Ferguson Police Department durchlesen“, empfiehlt Peter Imbusch.
ZUR PERSON
VITA Peter Imbusch ist 55 Jahre alt und verheiratet. Er wohnt in Elberfeld. Geboren und aufgewachsen ist er im Oldenburger Münsterland. Studiert und geforscht hat er u.a. in Marburg, Berlin, Mainz und Bielefeld. Seit 2010 ist er Professor für Politische Soziologie in Wuppertal.
„In Deutschland machen wir die Frage, ob ein Protest berechtigt ist, schnell daran fest, ob Gewalt im Spiel ist“, hat Imbusch festgestellt. „Das sagt aber natürlich nichts darüber aus, ob ein Aufbegehren legitim ist oder nicht.“ Er selbst sieht sich „auf der gewaltfreien Schiene“. Dementsprechend wäre es ihm auch lieber gewesen, wenn die Protestierenden bei der Demonstration gegen die EZB keine Gewalt angewendet hätten. Trotzdem ärgert ihn eins: „Am Ende ist nicht mehr über das Anliegen der Leute gesprochen worden, sondern nur noch über die Ausschreitungen. Das finde ich falsch.“
RGA-Uni-Vortrag, Do., 7. Mai, 19 Uhr, Klosterkirche Lennep.
RGA