Produktionsschule

Das Kochen aktiviert die Jugendlichen

Am Mittwoch gab es Gulaschsuppe bei Jan de Buhr von der Produktionsschule „Catering & Eingemachtes“. Er bietet jeden Mittwoch einen Mittagstisch auf dem Wochenmarkt am Rathaus an. Foto: Roland Keusch
+
Am Mittwoch gab es Gulaschsuppe bei Jan de Buhr von der Produktionsschule „Catering & Eingemachtes“. Er bietet jeden Mittwoch einen Mittagstisch auf dem Wochenmarkt am Rathaus an.
  • VonValeria Schulte-Niermann
    schließen

„Catering & Eingemachtes“ bietet Mittagstisch auf dem Wochenmarkt am Rathaus an

Remscheid. Zuwachs für den Remscheider Wochenmarkt: Seit sechs Wochen steht jeden Mittwochvormittag der Wagen der Produktionsschule „Catering & Eingemachtes” auf dem Rathausplatz. Verkauft werden Öle, Kräuter und süße Aufstriche sowie wechselnde Mittagsgerichte. Alles selbst gemacht. An diesem Mittwoch steht Gulaschsuppe auf der Karte.

Die Produktionsschule ist eine Einrichtung der Arbeit Remscheid und kann bis zu zwölf jungen Menschen von 17 bis 25 Jahren beim Übergang von Schule in den Beruf unterstützen. Momentan sind fünf Schüler angemeldet. Beim Markt am Mittwoch sind jedoch vier von ihnen ausgefallen.

„Wir wollen die Teilnehmer mit Hilfe von praktischer Arbeit motivieren.“

Jan de Buhr, Koch der Produktionsschule

Doch alleine musste Koch Jan de Buhr nicht im Wagen stehen, denn er hat Pascal an seiner Seite. Der 24-Jährige ist zum dritten Mal in der Produktionsschule aktiv und hat schon viel gekocht. „Ich finde es gut bisher, es hilft, in den Arbeitsalltag reinzukommen“, sagt er. Sein Wunsch, Elektriker zu werden, habe leider nicht geklappt. Nun schaut er erst einmal, was ihm so liegt. Die erste Hürde hatte er schon genommen: Er ist zum vereinbarten Termin erschienen.

„Das ist das, worum es geht“, sagt Jan de Buhr, „Wenn wir es schaffen, dass die jungen Leute eigenverantwortlicher werden, haben wir unser Ziel erreicht.“ Viele der Teilnehmer werden vom Jobcenter an ihn vermittelt. Sie sind oft schwer erreichbar, ziehen sich schnell zurück und sind schulmüde. „Es ist ein Projekt für arbeitsmarktferne Jugendliche“, erklärt Dirk Faust, Geschäftsführer des Jobcenters.

In der Produktionsschule sollen die Basics vermittelt werden: Motivation, Pünktlichkeit und generelle Verhaltensregeln. „Wir wollen die Teilnehmer aktivieren und mit Hilfe von praktischer Arbeit motivieren“, erklärt Jan de Buhr. Kochen sei da besonders hilfreich. Es könne den jungen Menschen helfen, besser in der ersten eigenen Wohnung zurechtzukommen.

Das Cateringangebot kommt gut bei den Kunden an

Zudem seien Erfolgserlebnisse wichtig, sagt de Buhr. Einige der Teilnehmer seien bei ihren bisherigen Vorhaben gescheitert und entsprechend demotiviert. Das soll sich in der Produktionsschule ändern. Auf dem Markt und bei Cateringaufträgen erfahren die von ihnen produzierten Speisen Wertschätzung. Das Angebot komme gut an, betont de Buhr. Oft habe die Produktionsschule mehr Anfragen, als sie annehmen kann.

Während der Lockdown-Zeit mussten die Schüler online beschult werden. „Der wichtige praktische Teil ist weggefallen“, klagt Jan de Buhr. Er habe den Teilnehmern Lebensmittel-Pakete zugeschickt und über Video zusammen gekocht. An manchen Tagen erscheine auch schon mal gar kein Schüler. Dann suchen die Pädagogen das Gespräch, um zu erfahren, woran es liegt. Und einige Teilnehmer seien gar nicht bereit mitzuarbeiten, sagt Jan de Buhr: „Dann können wir auch nicht weiterhelfen.“

Dass diese Arbeit die jungen Menschen direkt zum Beispiel in ein Ausbildungsverhältnis führe, sei selten, sagt Dirk Faust vom Jobcenter: „Wir versuchen sie für ihre eigene berufliche Zukunft zu interessieren.“ Der Rest ergebe sich im besten Fall später. Bis zu einem Jahr dürfen die Jugendlichen maximal in der Produktionsschule bleiben. „Wenn wir das Gefühl haben, sie weiter vermitteln zu können, machen wir das“, sagt Jan de Buhr.

22 Jugendliche nahmen im vergangenen Jahr teil. Vergleichsweise wenige, weil der Bedarf an einem solchen niederschwelligen Angebot in Remscheid nicht so groß sei, erklärt Dirk Faust. Einige Teilnehmer haben danach ein Freiwilliges Soziales Jahr begonnen, manche eine Einstiegsqualifizierung und ein paar wenige eine Ausbildung. Weitere Infos unter:

Telefon: 02191/9514-60

www.arbeit-remscheid.de

Hintergrund

Aktuell sind in Remscheid 4455 Menschen arbeitslos gemeldet. Davon 385 unter 25 Jahren. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Jugendarbeitslosigkeit um 54 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote insgesamt beträgt 7,5 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 8,2 Prozent.

Freiwilligenarbeit hilft bei Studienwahl.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Offiziell: Stadt kauft Sinn-Leffers-Ruine
Offiziell: Stadt kauft Sinn-Leffers-Ruine
Offiziell: Stadt kauft Sinn-Leffers-Ruine
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Auf dem Schützenplatz drehen sich wieder die Kirmes-Karussells
Werkzeugstadt oder EMA: So macht Politik sich überflüssig
Werkzeugstadt oder EMA: So macht Politik sich überflüssig
Werkzeugstadt oder EMA: So macht Politik sich überflüssig
DOC kommt im Januar 2022 vor Gericht
DOC kommt im Januar 2022 vor Gericht
DOC kommt im Januar 2022 vor Gericht

Kommentare