Mein Blick auf die Woche in Remscheid 

Preußische Tugenden tun uns auch in der Krise gut

axel.richter@rga.de
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Die steigenden Energiepreise lassen Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz vor „sozialen Dissonanzen“ warnen. Der soziale Friede sei gefährdet. Können wir nach Corona noch einmal Krise? Ja, sagt RGA-Lokalchef Axel Richter. Aber nur, wenn wir uns wieder auf preußische Tugenden besinnen.

Wer keine Zuwendungen von Vater Staat erhält, sondern so gerade über die Runden kommt, der dürfte mit der nächsten Nebenkostenabrechnung sein blaues Wunder erleben. Experten gehen als Folge des Krieges längst von einer Verdoppelung des Gaspreises aus. Auf der Mitgliederversammlung des Arbeitgeber-Verbandes für Remscheid und Umgebung warnte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz deshalb bereits vor „sozialen Dissonanzen“ innerhalb unserer Stadtgesellschaft.

Wie gehen wir damit um, wenn es dazu kommt? Können wir nach Corona gleich noch einmal Krise?

Wir, eine gespaltene Gesellschaft voller verpeilter Wutbürger, die zeternd durch dunkle Straßen spazieren, lediglich, weil sie sich impfen lassen sollen?

Wir, eine Gesellschaft voller dumpfer Pfennigfuchser, die nicht in der Lage sind, ihren Müll so zu entsorgen, dass er nicht die Straßen verdreckt und den Gebührenzahler viel Geld kostet?

Wir, eine Gesellschaft voller ahnungsloser Hundehalter, die sich selbst für Tierfreunde halten, aber billigend in Kauf nehmen, dass ihr unangeleinter Freund mit Namen „Der-will-nur-spielen“ seine Zähne ins nächste Rehkitz schlägt?

Wir können Krise?

Ja, können wir. Allerdings verlangt Krisenbewältigung in der Solidargemeinschaft dreierlei: Anstand, Verantwortungsgefühl und Disziplin. Stattdessen erschallte in dieser Woche der Ruf nach dem starken Staat, nachdem einer seine ausrangierte Wohnzimmersitzgruppe am Container für Altpapier abgeladen hatte. Wie bitte? Das glauben Sie nicht, zweifelnde Leserin, kritischer Leser? Ist tatsächlich so passiert. Also das mit der Sitzgruppe.

Den gleichen Reflex gab es in dieser Woche auf das Leid von Kitz „Desireh“, das von Hunden beinahe zerfleischt worden wäre. Alsbald hieß die Losung, das Ordnungsamt möge die Leinenpflicht kontrollieren. Und nicht - Sie ahnen, was kommt - immer nur die Autofahrer abzocken.

Statt solcher Plattheiten täte uns eine Rückbesinnung auf die ein oder andere preußische Tugend gut. Ein bisschen mehr Anstand, und es gäbe keine Wutbürgerdemos. Ein bisschen mehr Verantwortungsgefühl, und der Hund bliebe im Wald angeleint. Ein bisschen mehr Disziplin, und der Abfall würde am richtigen Ort landen.

Mit ein bisschen mehr von allem werden wir auch die Folgen des Krieges überwinden. Wir können heute damit anfangen. Und sei es, dass wir den Nachbarn, der es nicht so dicke hat, darauf hinweisen, dass es bei Stadtwerken und Caritas Hilfen für ihn gibt. Damit er nicht sein blaues Wunder erlebt.

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