Ehrung

Orden für Birgit Köppe-Gaisendrees: „Preis ist Wertschätzung für die Kinder“

Birgit Köppe-Gaisendrees nahm den Landesverdienstorden gestern von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in Neuss entgegen. Foto: Land NRW / Ralph Sondermann
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Birgit Köppe-Gaisendrees nahm den Landesverdienstorden gestern von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in Neuss entgegen.

Leiterin der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land wurde ausgezeichnet.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Was 1989 auf einer bunten Couch in einem kleinen Räumchen im Personalwohnheim am Lenneper Krankenhaus begann, ist heute eine Fachstelle mit einem multiprofessionellen Team geworden, die gerne noch weiter wachsen würde, weil der Bedarf riesig ist: die Ärztliche Kinderschutzambulanz Bergisch Land (KSA). Von den 33 Jahren, in denen die Hilfseinrichtung für misshandelte, missbrauchte und vernachlässigte Kinder und Jugendliche nun besteht, hat Birgit Köppe-Gaisendrees (62) bereits 30 miterlebt. So viele Fälle, so viele Kinder, so viele Familien, die Hilfe brauchten, so viele Abende, in denen sie selbstverständlich länger blieb, so viele Jahre, in denen sie auch öffentlich für den Kinderschutz einstand. Für diesen unermüdlichen Einsatz für Kinder und Jugendliche wurde die gebürtige Remscheiderin gestern Nachmittag mit dem Landesverdienstorden ausgezeichnet.

Damit ehrt die Landesregierung gesellschaftlich besonders engagierte Bürgerinnen und Bürger für ihre herausragenden Verdienste am Gemeinwohl und am Land Nordrhein-Westfalen. Aus den Händen von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) nahm Birgit Köppe-Gaisendrees im Zeughaus in Neuss die Auszeichnung entgegen. Begleitet wurde sie von ihrem Mann, ihrem Sohn, ihrem Stellvertreter Martin Roggenkamp, der Öffentlichkeitsbeauftragten Dorothea Schauf sowie dem Vereinsvorsitzenden Dr. Thomas Schliermann. Letzteren kennt die Remscheiderin übrigens schon so lange, wie es die Ärztliche Kinderschutzambulanz gibt. Damals hieß diese noch Ärztliche Beratungsstelle, gegründet von Kinderärzten der Kinderklinik.
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Neben Birgit Köppe-Gaisendrees wurden vier weitere Personen aus NRW ausgezeichnet. „Die bundesweit bekannte und gefragte Leiterin der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land kümmert sich mit ihrem Team seit über 30 Jahren um Kinder und Jugendliche, die Opfer von körperlicher und seelischer Misshandlung, Vernachlässigung und sexueller Gewalt geworden sind. Prävention und Aufklärung liegen ihr ebenso am Herzen. Ihr breitgefächertes Netzwerk und die ganzheitliche therapeutische Versorgung gelten bundesweit als einzigartig“, erklärte die Landesregierung zur Verleihung an Köppe-Gaisendrees. Die 62-Jährige betont: „Der Preis ist eine Wertschätzung für die Kinder, für die ich arbeite.“ Das Thema Kinderschutz erhalte so eine Bedeutung, eine Würdigung. „Es freut mich, wenn ich einen Beitrag dazu leisten kann, dass der Kinderschutz Beachtung findet.“

Der Landesverdienstorden gebühre aber gar nicht ihr selbst, sagt sie. „Allen Menschen, die in den letzten 33 Jahren zum Erfolg der Ärztlichen Kinderschutzambulanz Bergisch Land beigetragen haben, gebührt diese Ehre.“ Allen Sponsoren, allen Unterstützern, allen Mitkämpfern. Daher möchte sie auch gar nicht viele Worte über sich selbst verlieren – denn die KSA sei ein Gemeinschaftsprojekt. „Was uns auszeichnet, ist, dass wir bei Kindeswohlgefährdung hochprofessionell, aber immer mit ganz viel Herz unsere Arbeit tun.“

Niemand im Team lasse ein Kind im Regen stehen – denn Kinderschutz hat keine Öffnungszeiten. Wenn das Jugendamt abends um 18 Uhr notfallmäßig noch zwei Kinder bringe, was nicht selten vorkomme, sagten viele Teammitglieder sofort: „Ich kann bleiben, geht ihr ruhig.“ Auch, wenn dies bedeute, dass derjenige um 21 Uhr abends noch mit den Kindern im benachbarten Sana-Klinikum sitze. „Mein Team ist mein größtes Geschenk“, sagt Birgit Köppe-Gaisendrees daher. Denn sie alle tragen den Kinderschutzgedanken mit. Daher wurde nach der Verleihung selbstverständlich auch mit allen gefeiert.

Die weiteren Geehrten

Claudia Seidensticker-Fountis, Düsseldorf: Die ehemalige Malerin gründete 2009 Krass e.V. zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus benachteiligten Familien sowie eine Stiftung.

Hans Manfred Boden, Köln: Vor mehr als 25 Jahren gründete er die Kinderoper, die bis heute einzige ihrer Art in Europa.

Tugba Tekkal, Köln: Die frühere Bundesliga-Fußballerin gründete 2015 eine Menschrechtsorganisation und initiierte ein integratives Fußballprojekt für Mädchen.

Michael Staade, Düsseldorf: Der Präsident der Düsseldorfer EG engagiert sich seit jungen Jahren in zahlreichen Ehrenämtern.

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