Hochwasser-Schäden

Brücke Prangerkotten: Sanierung noch dieses Jahr - Schwierige Arbeit bei steigendem Pegel

Freiwillige des Remscheider THW sichern die Brücke Prangerkotten im Morsbachtal, die nun saniert werden soll. Foto: Doro Siewert
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Freiwillige des Remscheider THW sichern die Brücke Prangerkotten im Morsbachtal, die nun saniert werden soll.

Die Brücke verläuft genau über der Stadtgrenze zwischen Remscheid und Wuppertal im Morsbachtal. Am Wochenende hat das Technische Hilfswerk THW die Brücke Pangerkotten vorerst gesichert.

Von Sabine Naber

Remscheid. Das Technische Hilfswerk (THW) sorgte am Samstagvormittag dafür, dass die Brücke Prangerkotten im Morsbachtal zunächst einmal gesichert ist. Die eigentliche Sanierung des Bauwerks, das durch das Hochwasser im Juli stark beschädigt wurde, soll der nächste Schritt sein.

Neun Mitglieder der Remscheider THW-Ortsgruppe waren im Einsatz. Sie kümmerten sich darum, dass die Brücke durch ein spezielles Gerüstsystem abgestützt wird.

„Die Flut hatte ein Lager weggespült und sie instabil gemacht. Mitte der Woche waren wir schon mit einem Schreitbagger hier, um die Betonsteine unter die Brücke zu bringen“, berichtet THW-Sprecher Florian Berger: „Nun haben wir das Bachbett mit einem weichen Untergrund ein bisschen begradigt, die Fundamente gesetzt. Der Brückenbogen wird dann mit Holz verfüllt.“

Technisches Hilfswerk sichert die Arbeiten an der Brücke Prangerkotten

Für das THW seien das Standardaufgaben, auch wenn sie an dieser Stelle logistisch ein wenig schwierig seien. Ein Messgerät nimmt millimeterkleine Bewegungen auf, registriert, ob sich die Brücke bewegt oder anhebt. Denn durch die Gerüstkonstruktion könnten sich die Ziegel im Beton verschieben.

Weil die Grenze zwischen Remscheid und Wuppertal exakt durchs Bachbett verläuft, und beide Städte für die Brücken zuständig sind, betreut Tino Socher von der Stadt Wuppertal die Sicherungs- und Sanierungsarbeiten. „Wir haben alle fünf Brücken im Morsbachtal überprüft, sie direkt nach dem Hochwasser erst einmal auf drei Tonnen Last begrenzt und sie dann von einem Gutachter genau prüfen lassen.“ Während die Brücken Gockelshammer und Breitenbruch in Ordnung waren, hatte es die am Morsbacher Berg vollständig weggerissen. Die Brücke Beckeraue konnte inzwischen saniert werden. Dazu auch der Standpunkt „Hochwasser-Amnesie“ von Sven Schlickowey.

Der Prangerkotten war nach dem Hochwasser eigentlich ein wirtschaftlicher Totalschaden.

Tino Socher, Stadt Wuppertal

„Der Prangerkotten war nach dem Hochwasser eigentlich ein wirtschaftlicher Totalschaden. Es ist grenzwertig, diese Brücke wieder hinzukriegen. Aber sie wird gebraucht“, sagt Socher. Deshalb setze man alles daran, sie schnellstmöglich wieder instand zu setzen. „Das bringt allerdings einen erheblichen Aufwand mit sich.“

Behelfsbrücke seit Mittwoch: Schulkinder kommen wieder zur Bushaltestelle

Bereits am Mittwoch war eine Behelfsbrücke über den Prangerkotten installiert worden, so dass zumindest die Fußgänger, vor allem die Schulkinder, die mit dem Bus zur Schule fahren, wieder sicher die Seiten wechseln können.

Die alte Brücke sei vorher gesperrt gewesen, aber die Menschen hätten die Schilder mehr als einmal beiseitegeschoben und seien trotzdem darüber gegangen. „Deshalb sind wir froh, so eine Mietbrücke noch bekommen zu haben. Die sind zurzeit ja in den Überschwemmungsgebieten überall gefragt“, sagt Socher – und betont, wie dankbar er dafür ist, dass das Remscheider THW mithilft, ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen.

Brücke soll auch künftig wieder für 18 Tonnen zugelassen sein

Denn im Herbst steige das Wasser ja wieder an. Erst vergangene Woche sei der Morsbach nach Regenfällen schon einen halben Meter angestiegen. Und für die Sicherungsarbeiten müsse ja im Wasser gearbeitet werden. Unter ziemlich beengten Platzverhältnissen. „Aber das ist die einzige Chance, den Anwohnern wieder einen normalen Zugang zu ihren Häusern zu schaffen.“ Vorher sei die Brücke für 18 Tonnen zugelassen gewesen. „Das soll auch wieder kommen, denn hier gibt es Gewerbebetriebe, die auch auf diesen Zugang angewiesen sind.“

Wenn die Sicherung abgeschossen ist, müssten die Sanierungsschritte abgesprochen werden. Leider sei es nicht gelungen, eine Firma zu finden, die die gesamte Sanierung übernimmt. „Es wird jetzt aufwendig in der Abstimmung. Aber wir hoffen trotzdem, die Arbeiten noch vor dem Winter abzuschließen. Dafür wollen wir alles tun“, verspricht der Fachmann.

Hintergrund: Deshalb wird die Brücke Prangerkotten saniert

Dass die Brücke Prangerkotten trotz eines wirtschaftlichen Totalschadens saniert wird, habe auch damit zu tun, dass sie in einem Naturschutzgebiet liege, erklärt Tino Socher von der Stadt Wuppertal. Würde man an der Bauweise grundlegende Änderungen vornehmen, würde das unter anderem eine wasserrechtliche Genehmigung voraussetzen. Entsprechend lange würde das Planungs- und Genehmigungsverfahren dauern. Zu lange für die Anwohner.

Dazu auch: Morsbachtal nach dem Hochwasser: Die Vergessenen wollen lieber in Remscheid leben

Meinung: Hochwasser-Amnesie

sven.schlickowey@rga.de

Der Standpunkt von Sven Schlickowey

Nach dem Hochwasser Mitte Juli kehrt in das von den Fluten besonders betroffene Morsbachtal langsam aber sicher der Alltag zurück. Das ist erfreulich für die Menschen, die zum Teil erhebliche Schäden an ihrem Hab und Gut erlitten haben und danach mit Einschränkungen durch Straßen- und Brückensperrungen leben mussten. Und zum Teil heute noch leben. Doch diese zunehmende Normalisierung birgt auch eine Gefahr.

Nämlich die des Vergessens. Mitarbeiter von Starkregen-Beratungsstellen sprechen gerne von einer Hochwasser-Amnesie: Anfangs, wenn die Folgen der Flut noch erkennbar sind, ist das Entsetzen stets groß. Doch bald darauf nimmt es merklich ab – und damit auch die Bereitschaft zum Handeln. So dass das nächste Hochwasser viele genauso unvorbereitet trifft wie das vorherige.

Das sollte, angesichts der zu erwartenden Häufungen solcher extremer Wetter-Phänomene, diesmal nicht passieren. Politik, Verwaltung, aber auch jeder einzelne Bürger, sind aufgerufen, das Thema nicht aus den Augen zu verlieren.

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