Ferienende

Polizisten bitten: Lassen Sie Ihr Kind zur Schule laufen!

Bernd Schäfer (Mitte) hat die Kinder gebaut. In der ersten Woche nach den Ferien sollen sie die Autofahrer vor der Grundschule Siepen vorsichtiger fahren lassen. Die beiden Polizisten Michael Wenner (l.) und Stephan Keller helfen beim Aufbau.
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Bernd Schäfer (Mitte) hat die Kinder gebaut. In der ersten Woche nach den Ferien sollen sie die Autofahrer vor der Grundschule Siepen vorsichtiger fahren lassen. Die beiden Polizisten Michael Wenner (l.) und Stephan Keller helfen beim Aufbau.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Am Mittwoch ist Schulbeginn: Beamte berichten von abenteuerlichen Fahrmanövern der Eltern.

Remscheid. 19 Kinder verunglückten im vergangenen Jahr auf Remscheids Straßen. Das sind 8 weniger als 2020. Doch mag sich der Rückgang leicht mit den Schulschließungen in der Pandemie erklären lassen. Die Polizisten Frank Herzhoff, Stephan Keller und Michael Wenner sehen jedenfalls keinen Anlass, ihre Arbeit vor und in den Grundschulen einzustellen. Denn Greta und den Klimaschutz finden viele Eltern und Kinder gut, dennoch kommen sie mit dem Auto zur Schule. Und das führt an jedem Morgen zu gefährlichen Fahrmanövern.

Vor der Grundschule Siepen in Hasten stehen deshalb seit gestern bunte Kinder aus Holz. Bernd Schäfer, Geschäftsführer der Verkehrswacht Remscheid, hat sie mit der Hilfe engagierter Eltern gebaut. Ihren ersten Einsatz hatten sie vor Jahren an der Grundschule Reinshagen. „Das funktionierte gut“, sagt Bernd Schäfer: „Die Autofahrer bremsen und fahren langsamer.“ Allerdings auch nur ein paar Tage. Dann tritt der Gewöhnungseffekt ein.

„Das Kind wäre auf der Stelle tot gewesen.“

Stephan Keller, Polizeihauptkommissar

Deshalb sind die insgesamt 12 Holzkinder ständig auf Wanderschaft. Auch vor der Grundschule Siepen an der Wolfstraße werden sie nur fünf Tage bleiben. Dann ziehen sie weiter, um vor einer anderen Schule oder einem Kindergarten für vorsichtigere Autofahrer zu sorgen.

An der Grundschule Siepen ist das so nötig wie an allen Remscheider Grundschulen. Am Mittwoch beginnt dort der Unterricht wieder, am Donnerstag haben die i-Dötzchen ihren ersten Schultag. Dass Mama oder Papa die ersten Male mitgehen, der Nachwuchs sich dann aber irgendwann alleine auf den Schulweg begibt, ist heute nicht mehr selbstverständlich.

„Das hat auch etwas mit der Abschaffung der Schulbezirke zu tun“, sagt Frank Herzhoff, Bezirksbeamter in Hasten. Als die Kinder noch die Grundschule besuchten, die für sie am nächsten war, gingen mehr Kinder zu Fuß und lernten dabei, sich als Fußgänger sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Heute herrscht freie Schulwahl. „Das heißt, es gibt heute Eltern, die fahren durch die halbe Stadt, um ihre Kinder abzuliefern“, sagt Herzhoff. An den Schulen treffen sich die Elterntaxis dann zum Rangieren. Die Stoßzeit währt zum Schulbeginn zwar nur wenige Minuten, doch die sind gefährlich.

Die drei Polizisten berichten von Eltern, die es eilig haben und wenig umsichtig reagieren. Und von solchen, die den Verstand ausschalten. „Eine Autofahrerin, die ihr Schulkind ablieferte, hatte ihr Neugeborenes ungesichert auf dem Schoß sitzen“, berichtet Michael Wenner: „Wenn nach einem Zusammenstoß der Airbag aufgegangen wäre, wäre das Kind auf der Stelle tot gewesen.“

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