Teo Otto Theater

Politiker lehnen einheitliches Jugendticket im Theater ab

Jugendtickets im Teo Otto Theater wurden und werden zum Thema in der Remscheider Politik. Archivfoto: Michael Schütz
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Jugendtickets im Teo Otto Theater wurden und werden zum Thema in der Remscheider Politik.

Kulturausschuss diskutierte über CDU-Vorschlag: Christdemokraten wollten Tickets für maximal 8 Euro. Grüne: Preis allein ist kein Allheilmittel - es geht ums Programm.

Von Frank Michalczak

Remscheid. Die Frage, wie mehr junge Menschen ins Teo Otto Theater gelockt werden können, wird in den kommenden Monaten zu Debatten in der Ortspolitik führen. Stadtdirektor Sven Wiertz (SPD) kündigte im RGA-Gespräch an, dass der künstlerische Leiter Sven Graf im Kulturausschuss Bühnenangebote für den Nachwuchs und auch die unterschiedliche Rabattierung bei den Eintrittskarten vorstellen werde.

Eines wird es aber vorerst nicht geben: ein einheitliches Jugendticket für alle bis 30 Jahre, das nicht teurer als acht Euro sein dürfe. Dieser Vorschlag der CDU fand im Ausschuss keine Mehrheit, obwohl deren Vorsitzender Mathias Heidtmann intensiv dafür geworben hatte. „Wir haben nur dann ein zukunftsfähiges Theater, wenn wir junge Menschen dafür begeistern können.“ An die Stelle eines komplizierten Tarifdschungels müsse deshalb ein einheitliches und vor allem einfaches Ticketpreissystem treten, wie es auch die Junge Union gefordert habe. Deshalb müsse dies dringend geprüft werden.

Die finanziellen Auswirkungen zu berechnen, sei für ihn ein unlösbares Problem, wie Kämmerer Sven Wiertz ausführte. Er könne die Mindereinnahmen nicht beziffern, die sich daraus ergäben. „Es fehlt mir die Grundlage, dies zu berechnen, weil wir die Altersstruktur der Besucher nicht ermitteln.“

Zudem seien die Nachwirkungen der Corona-Krise nach wie vor spürbar. Publikumszahlen vor der Pandemie seien mit den neuen Daten kaum vergleichbar.

Für Beatrice Schlieper (Grüne) ist die Preisgestaltung ohnehin kein Allheilmittel. „Wir müssen uns nach Corona doch die Frage stellen, wie und womit wir die Menschen wieder ins Theater holen können.“ Dabei komme es vor allem auf die Programminhalte an. Ausschussvorsitzender Karl Heinz Humpert (CDU) schlug vor, die Erfahrungen anderer Städte mit der Einführung der Jugendtickets zu erfragen – und erntete Widerspruch vom Stadtdirektor. Dies würde einen riesigen Aufwand mit sich bringen. „Und es ist doch sehr zweifelhaft, ob wir angesichts der Arbeitsbelastungen in den Stadtverwaltungen überhaupt eine Antwort bekämen.“

Von der Linkspartei gab es hingegen Zustimmung für die CDU. Deren Sprecher Fritz Beinersdorf stellte fest, dass ein einheitliches Ticket den Nachwuchs sehr wohl ins Theater führen könnte.
Neu: Tanzensemble residiert zwei Jahre in Remscheid - Erste Vorstellung soll im Februar 2022 stattfinden:

Standpunkt: Atempause nutzen

Die Meinung von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Die Frage, wie sich der Nachwuchs ins Theater locken lässt, stellt sich nicht erst seit der Corona-Pandemie. Sie stellt sich schon seit vielen Jahren. Nun aber steht eine ganz andere Herausforderung im Raum: Wodurch lassen sich überhaupt noch Interessierte hinter dem Ofen hervorlocken – sowohl Ältere als auch Jüngere?

Denn die Kulturbetriebe beklagen allgemein nach den Lockdowns eine große Zögerlichkeit, wenn es darum geht, Tickets zu erwerben. Allen Abstandsregeln und Hygienekonzepten zum Trotz herrscht offenbar noch immer eine große Verunsicherung, was die Ansteckungsgefahren anbelangt. Diese Krise lässt sich weder mit der prachtvollsten Operetten-Inszenierung von „Gräfin Mariza“ oder dem anspruchsvollsten Tanztheater überwinden.

Die Atempause muss genutzt werden, um zu ergründen, wie das Bühnenprogramm der Zukunft aussehen soll. Ein Vorbild könnten Erfolgsformate wie „On fire“ sein, bei denen die Bergischen Symphoniker überraschende Facetten präsentieren. Und: Gezielte Theater-Werbung in den Schulen und überall sonst, wo Menschen aufeinandertreffen, muss her.

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