Pianistin erfreut mit poetischen Klängen

Sofja Gülbadamova lud zum Träumen ein. Foto: Roland Keusch
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Sofja Gülbadamova lud zum Träumen ein.

Weltklassik am Klavier mit Sofja Gülbadamova

Von Daniel Diekhans

In sich gehen und gern auch ein bisschen träumen – dazu lud Sofja Gülbadamova am 4. Advent das Weltklassik-Publikum ein. Beim letzten Konzert des Jahres spielte sie „poetische Musik“ – stimmungsvolle Stücke, die nicht allein auf Gedichten beruhen, sondern selber auch beim Hörer starke Bilder hervorrufen können.

Als Inspirationsquelle für Chopins Ballade Nr. 3 gilt das Märchen vom Wassergeist Undine. Wellen und Wasserstrudel evozierte die Pianistin mit unruhigen, tief hinabsteigenden Akkorde. Umso klangschöner gestaltete sie die weiten Arpeggien und Oktavsprünge, die sich nach und nach in hellen Dur-Tönen auflösen.

Auch wenn Alexander von Zemlinsky (1871-1942) heute vor allem für seine Opern bekannt ist – Gülbadamova liegen andere Werke des Wieners am Herzen. Seine „Fantasien“, erklärte sie, seien eine Verbeugung vor den Gedichten von Richard Dehmel – und zugleich eine Liebeserklärung an Alma Schindler, die spätere Frau von Gustav Mahler. Gülbadamovas Interpretation der „Fantasien“ ließ große Leidenschaften mitschwingen – so prägnant war ihr Anschlag, so üppig die oft dunkel getönten Harmonien. Edvard Griegs Schaffen ist untrennbar mit Ehefrau Nina verbunden, der laut Komponist „einzig wahren Interpretin“ seiner Lieder. Die sanglichen Qualitäten von Griegs „Liedertranskriptionen“ arbeitete die Pianistin klar heraus.

Aufhorchen ließen auch die Ostinato-Rhythmen, die zum Ohrwurmcharakter der Melodien beitragen. Am stärksten reagierten die 90 Gäste im Saal auf Mendelssohns „Lieder ohne Worte“. Mit diesen Charakterstücken in Liedform schuf der vielseitig Begabte ein typisch romantisches Genre. Dessen Reize kostete Gülbadamova in einem von ihr zusammengestellten Zyklus aus. Das „Presto“ kam wie ein Jägerlied daher - mit einem Thema, das nach Hörnerschall klang, und vorwärtspreschender Begleitung.

Die Wucht des „Trauermarschs“ hörte man bereits dem Auftaktakkord an – eine Spannung, die bis zum Schluss anhielt. Eine bewegende Schlussnummer war das „Duetto“, bei dem die Stimmen subtil ineinander verwoben wurden. Am 23. Januar stellt sich Jan Cmejla mit Musik von Beethoven, Chopin und Schumann vor.

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