Energie

Photovoltaik auf Denkmälern: So ist die Situation in Remscheid

Die Dächer der Lenneper Altstadt werden wohl vorerst nicht mit PV-Anlagen zugepflastert.
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Die Dächer der Lenneper Altstadt werden wohl vorerst nicht mit PV-Anlagen zugepflastert.
  • VonSven Schlickowey
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Seit dem 1. Juni ist ein Gesetz in Kraft, dass es Eigentümern denkmalgeschützter Gebäude ermöglicht, Solaranlagen auf ihren Dächern zu installieren.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Zum 1. Juni trat das neue Denkmalschutzgesetz NRW in Kraft. Geändert hatte es die damals noch schwarz-gelbe Landesregierung auch mit dem Ziel, Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden zu ermöglichen. Allein in Remscheid kamen damit theoretisch einige hundert Dächer an Potenzial hinzu. Doch genutzt wird das bisher offensichtlich kaum.

Weder beim Umweltamt noch bei der Denkmalbehörde der Stadt Remscheid gebe es seit der Gesetzesänderung einen deutlichen Anstieg an Anfragen und Anträgen, berichtet Stadtsprecherin Viola Juric: „Uns sind nur Einzelfälle bekannt, aus denen keine allgemeinen Schlussfolgerungen gezogen werden können“, sagt sie. Ähnlich geht es Florian Bublies, Energieberater bei der Verbraucherzentrale im Städtedreieck: „Bei uns kommen momentan sehr selten derartige Fälle an“, erklärt er.

In anderen Städten sieht das teilweise ganz anders aus, berichtet Reiner Priggen, Vorsitzender des Landesverbands Erneuerbare Energien NRW (LEE): „Wir beobachten ein hohes Interesse der Besitzer von denkmalgeschützten Gebäuden.“ Sein Verband war eine der treibenden Kräfte hinter der Novelle – und sprach vor der Änderung von „etliche Projekte“ im Bereich Photovoltaik, die „durch den Denkmalschutz blockiert werden“.

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Viele würden nun realisiert, sagt Priggen. Und nennt sich selbst als Beispiel: Lange habe er sich um eine Genehmigung für eine Solaranlage auf seinem denkmalgeschützten Haus in Aachen bemüht. Drei Wochen nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes habe die vorgelegen. „Das sollte überall geschehen.“

Tut es aber nicht. Wegen fehlender Nachfrage wie in Remscheid. Aber auch, weil das neue Gesetz nicht überall umgesetzt wird, wie der LEE beobachtet hat. Die Reaktionen der lokalen Behörden seien unterschiedlich, sagt Priggen: „Uns erreichen viele Fälle aus Städten in NRW, wo der Denkmalschutz bei seiner bisherigen Haltung bleibt und Photovoltaik unverändert ablehnt.“

Land will Leben im Denkmal attraktiver machen

Dabei ist die Gesetzeslage eindeutig: „Bei der Entscheidung sind insbesondere auch die Belange des Wohnungsbaus, des Klimas, des Einsatzes erneuerbarer Energien sowie der Barrierefreiheit angemessen zu berücksichtigen“, heißt es seit Juni im Denkmalschutzgesetz NRW. Der beste Schutz für ein Denkmal sei, dass es bewohnt werde, erklärte die Landesregierung bei der Verabschiedung. Das Gesetz solle dazu beitragen, Leben im Denkmal attraktiver zu machen.

Dass sich in Remscheid bisher wenig in diese Richtung bewegt, muss übrigens nicht unbedingt an Desinteresse liegen, gibt die Stadt zu bedenken. Interessenten müssten vor dem Antrag ja erst einmal eine Fachfirma und Material auftreiben, sagt Viola Juric. Und daran mangele es derzeit: „So sind beispielsweise Wechselrichter zurzeit schlecht verfügbar.“

Ein Nadelöhr seien zum Beispiel die Energieberater, räumt Florian Bublies ein. Er und seine Kollegen seien größtenteils über Wochen und Monate ausgebucht. Trotzdem rät er, nicht auf eine unabhängige Beratung zu verzichten. Erst recht bei Denkmälern, bei denen es zusätzliche Dinge zu beachten und bedenken gibt. „Aufgrund der optischen Ansprüche kommen sehr häufig Indachanlage, Solardachziegel oder speziell eingefärbte Solarmodule zum Einsatz“, erklärt er. „Diese Varianten sind oftmals deutlich teurer als konventionelle Photovoltaik-Anlagen.“

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