Erinnerung

Pferdestall-Verein gedenkt der deportierten Sinti und Roma

Alfred Rosenbach (Oberhaupt der hiesigen Sinti) und Hans Heinz Schumacher (r.) gedachten der Deportation im Pferdestall. Foto: Roland Keusch
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Alfred Rosenbach (Oberhaupt der hiesigen Sinti) und Hans Heinz Schumacher (r.) gedachten der Deportation im Pferdestall.
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Mindestens 84 Personen wurden 1943 nach Auschwitz gebracht

Remscheid. Die Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid, erinnert heute an die Deportation der Remscheider Sinti- und Roma-Familien vor 78 Jahren. „Nach heutigen Erkenntnissen wurden mindestens 84 Personen am 3. März 1943, darunter 49 Kinder unter 16 Jahren, von Remscheid nach Auschwitz deportiert“, fasst Hans Heinz Schumacher, Vorsitzender des Vereins Gedenk- und Bildungsstätte Remscheid zusammen. Da die ursprünglich angedachte Veranstaltung coronabedingt ausfällt, hielten die Vereinsvertreter in Stille am Blaffertsberg, im Morsbachtal am Gründerhammer, der Freiheitstraße, sowie der Stachelhauserstraße und am alten Pferdestall der Polizei inne.

Die Männer wurden zum Teil am 2. März 1943 an ihren Arbeitsstätten verhaftet. Die Familienangehörigen nahm man aus den Lagern Gründerhammer und Blaffertsberg in Gewahrsam. Vom Hof der Polizei am Quimperplatz führte man die Menschen über die Freiheitstraße zum Bahnhof. Aus dem Kinderheim der Palmstiftung wurden die sieben und acht Jahre alten Brüder Heinrich und Adolf Steinbach abgeholt. Dies bedeutete für sie und für mindestens 71 Menschen aus Remscheid den Tod.

Von dem Fußmarsch und dem Abtransport in Güterwagen der Deutschen Reichsbahn hat das Historische Zentrum vier Fotos. Diese sind einzigartig, weil es in Deutschland sonst keine Aufnahmen von der Deportation von Sinti und Roma 1943 gibt. Gezeigt werden sie in der momentan nicht zugänglichen Ausstellung „45 Jahre Bürgerrechtsarbeit der deutschen Sinti und Roma“ in der Bildungsstätte am Quimperplatz.

Der Transport der Remscheider Sinti in das etwa 1000 Kilometer entfernte Auschwitz dauerte sechs Tage. Unterwegs waren vermutlich weitere Waggons mit Sinti-Familien angekoppelt worden, bis der „Zigeuner“-Transport 300 Menschen umfasste, schrieb Lokalhistoriker Armin Breidenbach in einem RGA-Artikel. Nachdem der Transport am 9. März 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau angekommen war, wurden diese registriert. Ihnen wurde die Häftlingsnummer, die sich aus einem „Z“ für „Zigeuner“ und der laufenden Nummer der Registrierung zusammensetzte, auf den Arm beziehungsweise bei Säuglingen auf dem Oberschenkel tätowiert.

Die Überlebenden kehrten traumatisiert in ihre Heimat zurück und kämpften meist vergeblich um Anerkennung, als Opfer des Nationalsozialismus und Wiedergutmachung.

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