Glaube

Pfarrer Michael Diezun ist neuer Seelsorger der JVA Remscheid

Superintendentin Antje Menn freut sich, mit Pfarrer Diezun einen erfahrenen Kirchenmann in der JVA Remscheid zu wissen.
+
Superintendentin Antje Menn freut sich, mit Pfarrer Diezun einen erfahrenen Kirchenmann in der JVA Remscheid zu wissen.

In ganz Deutschland gibt es rund 300 Seelsorger, die in Justizvollzugsanstalten tätig sind. Auch im Remscheider Gefängnis in Lüttringhausen geht ein evangelischer Seelsorger seiner Arbeit nach.

Von Peter Klohs

Remscheid. Nachdem Pfarrer Rainer Feistauer am 1. August dieses Jahres in den verdienten Ruhestand verabschiedet wurde, war die Stelle des Seelsorgers nur vier Wochen vakant. Am 1. September nahm Pfarrer Michael Diezun seinen Dienst auf.

Die Superintendentin des Lenneper Kirchenkreises, Antje Menn, freut sich, mit Pfarrer Diezun einen erfahrenen Kirchenmann in der JVA Remscheid zu wissen. Diezun war in diversen Gemeinden und auch im Ausland tätig. Nach seinen Jahren in Südafrika, so sagt er, freute er sich, wieder zurück nach Deutschland zu kommen. „Und irgendwie war es logisch, dann im Gefängnis tätig zu werden.“

Er brauche die Herausforderung, die jeden Tag anderen Aufgaben mit sich bringen. „Aber man stellt schnell fest, dass die Insassen in der JVA auch nicht unnormaler sind als alle anderen. Natürlich denkt man beim ersten Gespräch mit einem Mann, der seine Frau getötet hat, erst mal ‚Hui!‘. Aber dann stelle ich mir die Frage: Wie nah sind wir selbst dran an so etwas? Und dann werden die Insassen ganz normal.“ Als erschütternd schildert Diezun seine Erkenntnis, dass niemand von den Insassen psychisch völlig zerrüttet ist. „Im Prinzip sind das völlig normale Menschen.“

„Berichte schreibe ich nicht, deshalb erzählen mir die Insassen alles.“

Pfarrer Michael Diezun

Das Gespräch ist für die Inhaftierten eine elementar wichtige Sache. „Die Insassen reden gerne“, berichtet der Seelsorger. „Wir haben in der JVA einen eigenen Gesprächsraum. Die Gespräche sind erst einmal recht harmlos und werden erst in der Schlussphase, wenn das Ende der Stunde droht, ernst. Dann kommen die Sachen zur Sprache, die die Insassen wirklich interessieren oder auf der Seele brennen.“ Sehr aufmerksam hat der 61-jährige Diezun registriert, dass sich viele Gespräche mit den Inhaftierten um das Verhältnis zu ihren Vätern drehen. „Man sollte ja denken, dass die jeweiligen Mütter für die Insassen wichtig wären. Aber nein, es sind die Väter.“

Studie zur Zukunft der JVA Remscheid

Michael Diezun wollte ursprünglich kein Pfarrer werden und studierte Jura, unter anderem in Heidelberg, Berlin und Bochum. „Aber dann hat es mich erwischt“, sagt er und schildert, wie ihn ein Zitat des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt („Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen.“) beschäftigte, die er für sich selbst mit „Doch!“ beantwortete.

Seine Hinwendung zur Theologie war für die Eltern schwierig zu bearbeiten, für den Vater beinahe unerträglich. Später stellte Diezun fest, dass er grundsätzlich Menschen spannend findet. Besonders die Art und Weise, wie Menschen durch ihr Leben kommen, fasziniert ihn. Insofern war die Arbeit in einer Justizvollzugsanstalt für ihn logisch. „Das passt auch zu 70 Prozent mit meinen Vorstellungen überein. Hier im Gefängnis macht man Seelsorge im wahren Sinn des Wortes. Es ist gewiss ungewöhnlich, wenn man von einem Pfarrer hört: Gefängnis ist eher die schöne Art der Seelsorge. Die Atmosphäre in der Remscheider JVA ist aber tatsächlich sehr familiär.“

61-Jähriger ist für Insassen und Bedienstete gleichermaßen da

Diezun berichtet von den vielen Hilfestellungen, die den Inhaftierten in Remscheid zuteilwerden. „Dazu kommt der Glaube, der für viele Insassen eine Kraft ist, die sie durch den Alltag trägt.“ Als Seelsorger ist Michael Diezun an das Schweigegelübde gebunden. „Und das gilt ohne Wenn und ohne Aber“, schildert er. „Wenn ich wirklich im Rahmen eines Gespräches von einer bisher nicht aufgeklärten Straftat erfahre, dann muss ich damit klarkommen. Aber darüber mit anderen Menschen zu sprechen, käme mir nie in den Sinn. Und Berichte schreibe ich sowieso nicht. Deshalb erzählen mir die Insassen auch alles.“

Die Arbeit der Bediensteten in der JVA Remscheid beschreibt der Seelsorger als „absoluten Stress.“ Insofern sei er für die Insassen und die Bediensteten tätig.

Zur Person

Michael Diezun wurde vor 61 Jahren in Hamburg geboren und lebt in Hückeswagen. Seit dem 1. September ist er als Seelsorger in der JVA Remscheid tätig, einer Arbeitsstelle, die vom Kirchenkreis Lennep eingerichtet wurde. Oft denkt Pfarrer Diezun über den Gebetsteil „Und vergib uns unsere Schuld“ nach.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Die Gans ist wieder da - Ermittler haben heiße Spur
Die Gans ist wieder da - Ermittler haben heiße Spur
Die Gans ist wieder da - Ermittler haben heiße Spur
Unternehmen werben im Allee-Center um Nachwuchs
Unternehmen werben im Allee-Center um Nachwuchs
Unternehmen werben im Allee-Center um Nachwuchs
EWR schicken 17.000 neue Bescheide
EWR schicken 17.000 neue Bescheide
EWR schicken 17.000 neue Bescheide

Kommentare