Arbeit und Wohnen

So viele Menschen pendeln von und nach Remscheid

Pendler von und nach Remscheid.
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Pendler von und nach Remscheid.
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22.300 Menschen arbeiten außerhalb Remscheids. Doch es pendeln noch mehr Menschen für die Arbeit nach Remscheid. Dafür gibt es einige Gründe.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Mehr als 22.300 Remscheiderinnen und Remscheider verlassen ihre Heimstadt, um in einer anderen Kommune zu arbeiten. Im Gegenzug kommen mehr als 25.600 aus anderen Städten nach Remscheid zur Arbeit. Das zeigt der aktuelle Pendleratlas des Statistischen Landesamtes, der auf Zahlen aus 2021 basiert.

Damit hat die Werkzeugstadt ein positives Pendlersaldo, es pendeln also mehr Arbeitnehmer ein als aus. Ein Umstand, der inzwischen seit Jahren festzustellen ist. Und der für eine Großstadt grundsätzlich auch nicht ungewöhnlich ist, weil sie Arbeitsplätze für die Bewohner der umliegenden Kleinstädte bietet. Im Fall von Remscheid ist es aber zumindest bemerkenswert, weil es auch zwei Nachbarstädte gibt, die deutlich größer sind.

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Pendler: So sieht es im Vergleich zu Köln, Solingen und Wuppertal aus

Wuppertal etwa, rund dreimal so groß, hat ein negatives Pendlersaldo, fast 2000 weniger Menschen pendeln dort ein als aus. Das Minus ist mit über 10.500 in Solingen sogar noch viel größer. Hier liegt allerdings durch die Nähe zur Rheinschiene ein Sondereffekt vor. Allein nach Düsseldorf, Köln, Hilden, Langenfeld und Haan pendeln mehr als 15.600 Solingerinnen und Solinger aus.

Den größten Austausch in Remscheid gibt es naturgemäß mit den Nachbarstädten. Die meisten Einpendler kommen aus Wuppertal (6727), Wermelskirchen (3103), Solingen (1932), Radevormwald (1829) und Hückeswagen (1156). Auch bei den Auspendlern stehen Nachbarstädte auf den ersten drei Plätzen: Wuppertal (6183), Wermelskirchen (2330) und Solingen (2247). Hier zeigt sich allerdings auch die Anziehungskraft der Rhein-Metropolen. 1458 Remscheider fahren zur Arbeit nach Düsseldorf, 1150 nach Köln. Dazwischen liegt noch Radevormwald (1172).

Zusätzlich fällt auf, dass Remscheid nicht nur mit kleineren Städten ein positives Pendlersaldo aufweist, sondern zum Teil auch mit den größeren. So kommen 544 Wuppertaler mehr nach Remscheid als Remscheider nach Wuppertal fahren. Im Vergleich zu Essen (fast 580 000 Einwohner) gibt es ein Plus von 104, mit Leverkusen (über 160 000 Einwohner) immerhin noch 85.

Und selbst mit Köln, immerhin einwohnermäßig die viertgrößte Stadt Deutschlands, ist das Gefälle nicht so stark, wie man vielleicht vermuten könnte: 1150 Remscheider fahren zur Arbeit in die Domstadt, immerhin noch 942 Kölner kommen im Gegenzug nach Remscheid. Dabei ist die Metropole der stärkste Einpendlerknoten in ganz NRW, mehr als 346.000 Arbeitnehmer pendeln dorthin ein, das Kölner Pendlersaldo liegt 180.000 im Plus.

Viele Pendler nach Remscheid: Das könnte der Grund sein

Sicherlich ein Indiz für die besondere Wirtschaftsstruktur in Remscheid mit ihren vielen Industriearbeitsplätzen. Dafür spricht auch, dass es mit den Ruhrgebietsstädten, in denen die Industrie ebenfalls eine nach wie vor starke Rolle spielt, einen viel geringeren Pendleraustausch gibt. Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund sind etwa genauso weit entfernt von Remscheid wie Köln, aber nur Essen taucht in den Ein- und Auspendler-Top-Ten auf. Jeweils auf dem neunten Platz.

Die Bewertung des Pendlersaldos ist aber eher schwierig. Der Überschuss wird in Remscheid gerne als Argument herangezogen, dass man mehr attraktiven Wohnraum benötigt, damit die Menschen nicht im Umland wohnen müssen. In Solingen wird das deutliche Minus gerne als Hinweis gedeutet, dass die Stadt wirtschaftlich so schwach ist, dass die Bewohner ins Umland zur Arbeit fahren müssen.

Tatsächlich ist beides aber wohl eher das Ergebnis einer jahrzehntelangen Entwicklung. Und vor allem der besonderen Situation im dicht besiedelten NRW, wo im Einzugsgebiet der einen Großstadt meist auch mehrere andere liegen. So fällt die Rollenverteilung zwischen Zentrum und Umland weniger eindeutig aus als in anderen Regionen.

Hintergrund

Die Daten des Statistischen Landesamtes basieren auf Auswertungen der Merkmale „Wohnort“ und „Arbeitsort“. Die im Pendleratlas genannten Pendlerströme seien also nur „die potenzielle Mobilität der pendelnden Personen“, betonen die Statistiker: „Der Weg zum Arbeitsort muss nicht zwangsläufig täglich zurückgelegt werden.“ Insbesondere der durch die Pandemie verstärkte Trend zum Homeoffice wird in der Statistik daher nicht abgebildet.

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