Interview

Partei-Gerangel kennt das „Dorp“ nicht

Jürgen Heuser im RGA-Interview: Für den Verkehrsknotenpunkt Eisernstein wünscht er sich eine Bürgerbeteiligung. Foto: Roland Keusch
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Jürgen Heuser im RGA-Interview: Für den Verkehrsknotenpunkt Eisernstein wünscht er sich eine Bürgerbeteiligung.

Der Lüttringhauser Bezirksbürgermeister Jürgen Heuser (SPD) im Interview.

Von Sven Schlickowey 

Lüttringhausen Herr Heuser, vor einem Jahr sprach ich mit Ihrem Vorgänger Andreas Stuhlmüller, der damals den Verkehrsknotenpunkt Eisernstein, den Umzug der Stadtteilbibliothek und die Umgestaltung des Rathausumfeldes als die wichtigsten Lüttringhauser Themen ausmachte. Viel geändert hat sich seither nicht.

Jürgen Heuser: Ein Stückchen sind wir schon weitergekommen. Die Stadtteilbücherei hat einen neuen Standort. Der Umzug wird in den nächsten Jahren so stattfinden. Mit dem Eisernstein bin ich mir nicht ganz so sicher, weil ich mir da noch nie so sicher war die letzten 15 oder 20 Jahre. Wir suchen eine intelligente Lösung, die Fußgänger und Radfahrer berücksichtigt, das muss nicht unbedingt ein Kreisverkehr sein. Vielleicht sollte man doch einmal mit der Bevölkerung eine Diskussion anstoßen, ob es da konstruktive Vorschläge gibt.

Der Kreisverkehr ist also für Sie nicht gesetzt?

Heuser: Nein.

Aber würde eine neue Planung das Ganze nicht noch einmal verzögern?

Heuser: Ich weiß ja gar nicht, wie weit die Planungen fortgeschritten sind. Die alten Planungen waren alle für die Tonne, die musste man neu machen. Und wir wünschen uns eine Beteiligung an der neuen Planung, damit man da nicht wieder für den Papierkorb arbeitet.

„Wir wünschen uns eine andere Verkehrsführung durchs Zentrum.“

Gibt es darüber hinaus noch Themen, die Lüttringhausen derzeit bewegen?

Heuser: Das Radverkehrskonzept, das beschäftigt ja alle Stadtteile. Wir möchten da gerne angebunden werden und fühlen uns ein wenig abgehängt. Zwischen Lennep und Lüttringhausen passiert noch nichts. Da ist man sich noch nicht ganz einig, wo der Weg hergehen soll. Aber man sollte schon sehen, dass man mit dem Rad von Lüttringhausen nach Lennep kommt.

Dann bliebe noch die Anbindung nach Alt-Remscheid über die Remscheider Straße.

Heuser: Dazu gibt es eine Anfrage in der nächsten BV, wie die Stadt sich das vorstellen könnte. Das Problem ist aber, dass das eine Straße des Landes ist.

Aber mit dem neuen Parkplatz der Stiftung Tannenhof wäre eine Voraussetzung ja schon mal gegeben, nämlich dass die ganzen Autos, die an der Remscheider Straße parken, einen anderen Platz haben.

Heuser: Zufällig wohne ich ja da und sehe jeden Tag, dass der neue Parkplatz gar nicht viel bringt.

Ein Thema, das Lüttringhausen wie die ganze Welt auch 2021 beschäftigen wird, ist sicherlich Corona. Wie erleben Sie den Stadtteil in der Pandemie?

Heuser: In Lüttringhausen gibt es an Einzelhandel ja vor allem die Lebensmittelmärkte und den Drogeriemarkt, die laufen weiter wie bisher. Sehr bitter ist die Situation für die Gastronomie. Eigentlich wollten wir das Zentrum durch Gastronomie beleben. Das wird natürlich jetzt viel schwerer. Man weiß ja nicht, ob die Gastwirte alle überleben. Oder ob der neue, der sich in der Gertenbachstraße ansiedeln will, das Projekt weiterführt. Dazu kommen die vielen leerstehenden Ladenlokale, die für den klassischen Einzelhandel gar nicht mehr vermietet werden können.

Die Stadt nimmt an einem Förderprogramm teil, bei dem Ladenlokale durch die Kommune angemietet werden und billiger weitervermietet werden können, bisher gilt das aber wohl nur für die Alleestraße und die Lenneper Altstadt.

Heuser: Da müssen wir zusehen, dass wir da noch mit reinkommen.

Wenn Sie sich eine Sache für Lüttringhausen aussuchen dürften, die sofort umgesetzt wird, welche wäre das?

Heuser: Wir wünschen uns eine andere Verkehrsführung durchs Zentrum. Das wird häufig als Abkürzung für den Durchgangsverkehr genutzt. Wir wollen die Innenstadt nicht autofrei, auf keinen Fall, aber den Durchgangsverkehr hätten wir gerne weg.

Was wäre Ihnen sonst noch wichtig?

Heuser: Spielplätze sind ein großes Thema für uns, weil die Stadt ja nicht so viel dafür ausgegeben kann und deswegen auf zentrale Spielplätze setzt. Wir hätten gerne dezentrale Spielplätze, also kleine, aber dafür mehr. Man kann nicht mit zwei- oder dreijährigen Kindern bis in den Grüngürtel laufen.

Werfen wir einen Blick zurück auf die Kommunalwahl. Viele waren vom guten Abschneiden Ihrer Partei überrascht. Geht es Ihnen da ähnlich?

Heuser: Wir waren ehrlich gesagt auch überrascht. In Lüttringhausen vielleicht sogar noch etwas weniger, da war das absehbar, aber das allgemeine Abschneiden hat uns doch sehr überrascht.

Hat es Sie auch überrascht, dass Ihr CDU-Gegenkandidaten Andreas Stuhlmüller nicht als stellvertretender Bezirksbürgermeister zur Verfügung stand?

Heuser: Privat nicht so, von der politischen Seite schon.

Das hat dazu geführt, dass Ihnen nun mit Sebastian Hahn ein recht unerfahrener Stellvertreter zur Seite steht. Wie erleben Sie ihn bisher?

Heuser: Durch die Corona-Einschränkungen bisher noch so gut wie gar nicht. Aber vom ersten Eindruck her wirkt er sympathisch und wie jemand, mit dem man reden kann.

Das passt ja zum Bild, das viele von der Lüttringhauser BV haben, in der es ja meistens harmonisch und sachbezogen zugeht.

Heuser: Ich denke, das bleibt auch so. Wir haben immer die Lüttringhauser Probleme und Ziele im Kopf und nicht interne Partei-Gerangel. Das kennen wir gar nicht.

Warum ist das ausgerechnet in Lüttringhausen so?

Heuser: (überlegt) Vielleicht ist die Gemeinschaft bei uns noch intakter.

Zur Person

Jürgen Heuser, 1949 geboren, seit 1978 SPD-Mitglied, gehört der BV Lüttringhausen seit über 20 Jahren an, 2009 bis 2014 war er Bezirksbürgermeister, Andreas Stuhlmüller (CDU) damals sein Stellvertreter. Nach der Wahl 2014 tauschten sie die Rollen. Bis zu seinem Ruhestand hat er im Personalmanagement des Sana Klinikums gearbeitet.

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