Wegen Infektionen und Quarantänen

Pandemie: Jede zehnte Lehrkraft in Remscheid fällt aus

Lehrer Matthias von Dreusche am Leibniz-Gymnasium: Immer mehr Kollegen fallen coronabedingt aus. Foto: Roland Keusch
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Lehrer Matthias von Dreusche am Leibniz-Gymnasium: Immer mehr Kollegen fallen coronabedingt aus.

Vor allen an den Grundschulen ist das Personal eng, aber auch an den weiterführenden Schulen wird der Lehrermangel zur Herausforderung.

Von Timo Lemmer

Remscheid. In Remscheid fallen aktuell Hunderte Lehrer aus Pandemie-Gründen aus, darunter zuletzt etwa zwei Drittel aufgrund einer bestätigten Corona-Infektion und ein Drittel aufgrund einer Quarantäne. Die pandemiebedingte Ausfallquote lag letzte Woche bei 9,7 Prozent – etwa jede zehnte Lehrkraft war also betroffen. In der Vorwoche lag die Quote gar bei 12,5 Prozent.

Der Datenhintergrund dazu ist gut abgesichert. So führt das NRW-Schulministerium wöchentlich eine sogenannte Schulabfrage durch. In der Kalenderwoche vom 31. Januar bis 6. Februar nahmen 30 der 33 Remscheider Schulen teil, die Ausfallquote stützt sich also auf Rückmeldungen von 91 Prozent der Schulen. Diese 31 Schulen meldeten 112 coronabedingte Lehrkraft-Ausfälle, in der Vorwoche 145. Der Datenreihe ist zu entnehmen, dass die pandemiebedingte Ausfallquote bei Lehrkräften lange unter fünf Prozent lag – bis im neuen Jahr ein deutlicher Sprung kam.

Die Situation ist von Schule zu Schule total unterschiedlich.

Karsten Neldner, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft

Diana Ikemeyer, Personalrätin für die Grundschulen bei der Gewerkschaft GEW, berichtet, dass „der Krankenstand durch normale Krankheiten, Quarantänen, eigene Infektionen und Betreuung der eigenen Kinder an einzelnen Schulen eklatant ist“. An manchen Grundschulen würde mehr als 50 Prozent des Stammpersonals fehlen.

Die Personallage in den Schulen in Remscheid ist eng

Heike Adolf hat als Schulaufsichtbeamte die 17 Grundschulen im Blick. An vier davon mussten seit Beginn des Monats immer wieder einzelne oder gleich mehrere Klassen ins Distanzlernen geschickt werden. Das habe inzwischen meistens mit Ausfällen der Lehrkräfte zu tun, bestätigt sie. Zu den normalen Krankheiten („Im November und Februar hat es immer schon Engpässe gegeben“) sei nun eben noch Corona hinzugetreten. Die Personallage sei eng, der Schulbetrieb momentan „ein tägliches Krisenmanagement“. In der Regel gebe es aber stets eine Notbetreuung.

Aus den weiterführenden Schulen sind unterschiedliche Lagebilder zu vernehmen. Einige Schulen rotieren heftig und müssen immer wieder klassenweise improvisieren, während beispielsweise Lehrer Mathias Heidtmann für die Nelson-Mandela-Sekundarschule sagt, dass man mit Lehrerausfällen derzeit kein Problem habe. Klar sei aber: „Natürlich kann sich das nahezu täglich ändern.“
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Karsten Neldner bestätigt das, nachdem er eine Einschätzung von diversen Schulpflegschaften eingeholt hat: „Die Situation ist von Schule zu Schule total unterschiedlich. Teilweise auch innerhalb einer Schule.“ Klar sei, dass es immer wieder vereinzelt ins Distanzlernen gehe und „vorne und hinten Stunden abgekniffen werden“, so der Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft. „Die Schulen versuchen alles, um den Distanzunterricht zu vermeiden. Für uns ist die Präsenz auch klar das A und O.“

Ikemeyer berichtet von einem Teufelskreis, da mittlerweile auch viele Kindergärten betroffen seien und teilweise schließen müssten. Das führe nicht nur zu Lücken in der frühkindlichen und vorschulischen Bildung: „Eltern, darunter auch Lehrerinnen und Lehrer, müssen sehen, wie sie die Betreuung der eigenen Kinder mit der Arbeit unter einen Hut bekommen – oder sie fallen aus und sorgen für noch größere Personallücken.“

Diese Klasse muss sich in Quarantäne begeben

Per ordnungsbehördlicher Allgemeinverfügung hat die Stadt Quarantäne für die Klasse Eichhörnchen der Schule HTT der Diakonie angeordnet. Diese Maßnahme gilt für Schülerinnen und Schüler, die die Einrichtung zwischen dem 7. und 8. Februar besucht haben.

Alle Entwicklungen rund um das Coronavirus inklusive der Quarantänen der Klassen und Kitagruppen finden Sie in unserem Blog.

Standpunkt: Auf Kante genäht

Kommentar von Timo Lemmer

timo.lemmer@ rga.de

Dass derzeit viele Lehrkräfte pandemiebedingt ausfallen, ist nur eines der Probleme, die der Schulalltag momentan bereitet. Für einige Schulleiter ist es gar keins, da sie bislang Glück hatten bei der Ausfallquote – dass die sich zu dieser Jahreszeit erhöhe, sei ohnehin vollkommen normal. In der sensiblen Pandemie-Situation, während der bereits viel Unterricht ausgefallen ist, sorgt der zusätzliche Unsicherheitsfaktor an anderen Stellen dennoch für Alarmbereitschaft, zumal insbesondere an den Grundschulen das aktuell Test-Regime als riesige Belastung für alle Akteure wahrgenommen wird. Was den Unterrichtsausfall, die Verknappung von Stunden, oder die teilweise Umstellung auf Distanzlernen angeht, räche sich nun der Personalmangel, der seit Jahren zu verzeichnen sei, unterstreichen Elternvertreter. Nun wird dieses Problem erstmals für alle klar sichtbar. Der Anspruch der Elternvertreter, dass Präsenzunterricht immer durchgeführt werden muss, ist nachvollziehbar: Sonst sind die Schäden nach der Pandemie womöglich noch größer als die während selbiger. Und das betrifft Bildung und Sozialisierung der Schülerinnen und Schüler gleichermaßen.

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