Lennep

Pandemie bremst Vollblut-Ehrenamtler aus

Er ist ein ehrenamtlicher Tausendsassa: der Wahl-Lenneper Werner Brück. Archivfoto: Michael Sieber
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Er ist ein ehrenamtlicher Tausendsassa: der Wahl-Lenneper Werner Brück.
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Werner Brück erzählt, was jetzt noch möglich ist.

Von Melissa Wienzek

Remscheid. Er muss etwas tun. Das ist sein innerer Antrieb. Aber nicht einfach irgendetwas – Werner Brück möchte der Welt, den Menschen, etwas zurückgeben. Daher engagiert sich der ehemalige Klinikleiter des Blauen Kreuzes Radevormwald, der heute in Lennep lebt, bei zahlreichen sozialen Projekten. Denn Brück lebt für das Ehrenamt. Doch seit März, seit Corona auch in Remscheid Einzug gehalten hat, muss der Tausendsassa gezwungenermaßen auf Sparflamme laufen. „Das ist eine ganz ungewohnte Situation für mich“, sagt Brück, der sich bereits im Jugendalter ehrenamtlich engagiert hat. Unter anderem machte er den Jugendgruppenleiterschein. „Für jemanden, der wie ich vor Corona in fünf karitativen Einrichtungen unterwegs war, fühlt es sich an wie ein Absturz. Wie jemand, der voll arbeiten war und entlassen wurde.“

Ein wenig sei auch während der Pandemiezeit möglich, aber nicht alles. Sein Seniorenkabarett, die „Remscheider Schirmspitzen“, dürfen derzeit nicht auftreten. So ist es Brück derzeit auch nicht gestattet, in der Freiwilligenzentrale „Die Brücke“ andere Ehrenamtler zu beraten, die auf der Suche nach einer passenden Wirkungsstätte sind. Wegen Corona fällt auch die Arbeit in der JVA Lüttringhausen aus. Dort beteiligt sich der Rentner an einer Gesprächsrunde mit Inhaftierten. Denn das Seelsorgerische liegt ihm im Blut. Vorträge im Experten-Netzwerk Rhein-Sieg-Kreis gibt es derzeit auch nicht.

Seine Arbeit als Prädikant in der evangelischen Adolf-Clarenbach-Gemeinde darf der Unruheständler allerdings weiterführen. So gestaltete er zum Beispiel den „Auszeit“-Gottesdienst mit, bei dem ein Mix aus Predigt, Musik und Theater präsentiert wird.

„Die Teilnehmer waren so engagiert. Sie schienen richtig ausgehungert im Lockdown.“
Werner Brück über die Menschen in seinem Vorlese-Seminar

Der war dieses Mal so beliebt, dass es zwei Termine gab – und weil wegen der Abstandsregeln nur eine gewisse Zahl von Personen rein durfte. Auch die Predigt in der Waldkirche letzten Sonntag war für ihn ein schöner Termin. „Es macht mir Freude, Leuten Anstöße zu geben im Advent. Gedanken, die sie mitnehmen können, auch in unserer schweren Zeit.“ Diese hat er zuletzt auch im Radio weitergegeben. Bereits vor einem Jahr hatte sich Werner Brück dafür beworben, nun ging er tatsächlich auf Sendung. Unter anderem zum Thema „Hat Gott Humor?“

Worüber sich der gebürtige Hannoveraner besonders freut: Nach einem Aufruf im RGA ist sein Vorleseseminar in Zusammenarbeit mit der VHS förmlich überrannt worden. Er ist selbst ein Vorlesepate. Drei Seminare mit insgesamt 30 angehenden Vorlesern kamen zustande – auch wenn sie vielleicht erst mal nur für die Enkelkinder lesen. „Die Teilnehmer waren so engagiert. Sie schienen richtig ausgehungert im Lockdown.“ Um 18.30 Uhr hieß es dann: „Müssen wir denn schon aufhören?“ Das sei ein tolles Feedback für ihn gewesen. „Dann macht es auch dem Dozenten noch mehr Spaß.“ 2021 wird das Vorlese-Seminar wiederholt.

Gerade hat er beim Lüttringhauser Adventskalender mitgemacht. „Ich suche händeringend nach Möglichkeiten, etwas zu tun, was anderen zugutekommt“, erklärt Werner Brück. Was tut er denn für sich selbst? Medizinisches Fitnesstraining, gibt der Ehrenamtler zu und berichtet davon, dass er gerade Anrufe von Menschen erhalten hat, die seelsorgerische Hilfe brauchten. Denn eines kann er ausgesprochen gut: die richtigen Worte finden.

Auszeit

Wer sehen möchte, wie so ein „Auszeit“-Gottesdienst aussieht, kann den letzten Termin vom 15. November auf der Internetseite der evangelischen Adolf-Clarenbach-Gemeinde nachschauen. Der Gottesdienst wurde aufgezeichnet:

www.clarenbach-kgm.de/aktuell_frames_b.html

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