Große Erleichterung nach THW-Einsatz

Ortslage Beckeraue hat wieder eine zweite Verbindung nach Remscheid

Eine Brücke als Lebensader zwischen zwei Städten: Am Morsbach werden Remscheid und Wuppertal vom THW verbunden. Foto: Silke Maczewski
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Eine Brücke als Lebensader zwischen zwei Städten: Am Morsbach werden Remscheid und Wuppertal vom THW verbunden.

Vor fünf Monaten riss die Flut im Morsbach die Anwohner der Beckeraue aus ihrer heilen Welt. Häuser standen unter Wasser, Mobiliar soff ab, Wohnungen wurden unbewohnbar.

Von Andreas Weber

Remscheid. Bis heute sind nicht alle der 30 Bewohner wieder eingezogen. Besonders schmerzte, dass diejenigen, die auf der Wuppertaler Seite leben, von der Außenwelt nur eingeschränkt erreichbar waren. Die Brücke Beckeraue an der Landstraße 216 ist mittlerweile hergerichtet und kann von schweren Fahrzeuge wie der Müllabfuhr wieder überquert werden. Ein Stück Normalität ist in der Ortslage, die oben am Morsbacher Berg mit einem alleinstehenden Haus endet, eingekehrt.

Denn die zweite Querung, die von der Cronenberger Seite rüber in die Hofschaft Morsbach auf Remscheider Gebiet verlief und von der Wucht des Hochwassers am 14. Juli komplett weggespült wurde, ist seit fünf Tagen wieder offen. Das Technische Hilfswerk (THW) Remscheid hat eine Behelfsbrücke errichtet, die es Fußgängern und Radfahrern erlaubt, trockenen Fußes von einer Stadt in die andere zu kommen. „Für die Anwohner war das ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk“, stellt Norbert Schmitz fest.

„Für die Anwohner war das ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.“

Norbert Schmitz, CDU-Politiker

Der CDU-Kommunalpolitiker, auch Vorsitzender des Vereins Die Morsbacher, setzt sich seit der Katastrophe für die Belange der Abgeschnittenen und Vergessenen ein. Schon vor der Jahrhundertflut war Beckeraue ein Spezialfall. Wuppertal zugeordnet, obwohl dahin sehr schlecht angebunden, in fast allen Bereichen des täglichen Lebens näher an Remscheid. Dies soll sich ändern. „Mit der Behelfsbrücke haben wir ein Etappenziel erreicht“, freut sich Silke Maczewski. Sie lebt vis-à-vis auf der Remscheider Seite in Morsbach und unterstützt die große Mehrheit in Beckeraue, die eine Umgemeindung nach Remscheid anstrebt.

Eine Unterschriftensammlung mit dem ausdrücklichen Wunsch ist an die Stadtverwaltung gegangen. Bei einem Bürgergespräch der SPD in Morsbach Anfang November versicherte Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz den Anwesenden, dass die Stadt nach dem Wiederaufbau der Hofschaft das Thema 2022 ernsthaft angehen werde.

„Wir bleiben dran“, verspricht Silke Maczewski im Namen der Wechselwilligen. Gleichwohl sind Ängste in den Köpfen derjenigen, die ihr Hab und Gut nah am Wasser haben. „Was ist mit dem Hochwasserschutz? Wie können wir beim nächsten Mal vorab rechtzeitig gewarnt werden?“, fragt die Morsbacherin. Sie hält es für sinnvoll, eine Sirene für den Katastrophenfall zu installieren. Problematisch bleibt auch die Verkehrssituation. „Müllabfuhr und größere Lieferfahrzeuge kommen nicht richtig durch“, meint Maczewski.

Früher konnten sie an der anderen Seite 400 Meter weiter rausfahren, jetzt endet die Beckeraue als Sackgasse. Wenden ist kaum möglich, Rückwärtssetzen auf dem engen Weg eine Kunst. Die Städte Wuppertal und Remscheid sind sich einig, dass es in Ulrichskotten eine neue Brücke für den motorisierten Verkehr geben muss.

Wuppertal wird die Federführung haben, beide Seiten wollen sich die Kosten teilen. Erste Schätzungen lagen bei 500.000 Euro. Wann die Brücke kommt, ist offen. „Ein bis zwei Jahre kann das dauern“, schätzt Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke. Dass sich eine Anwohnerin und ihr Sohn, die unmittelbar an der Brücke ihr Grundstück haben, querstellen und verhindern wollen, dass am Ulrichskotten ein Übergang entsteht, den es vor der Flut schon viele Jahrzehnte gab, erzürnt viele andere Nachbarn. Schon die Installation der Behelfsbrücke zögerte sich ein paar Monate raus, weil die Stadt Remscheid erst Rechtssicherheit haben wollte. Die bekam sie vom Verwaltungsgericht Düsseldorf.

Als die Technischen Betriebe Remscheid (TBR) einen Tag vor dem THW-Einsatz die Fundamente für die Behelfsbrücke legten, beobachteten Anwohner, dass die Beschwerdeführer nicht willens waren, die Arbeiten zuzulassen. Ordnungsamts-Mitarbeiter und drei Polizistinnen rückten an und sorgten dafür, dass die TBR weitermachen konnten.

Doppelt positiv

Positiv ist für die Anwohner, dass sie durch die Behelfsbrücke eine kurze Anbindung erhalten haben und nicht mehr entlang der L 216 laufen müssen, die so gut wie keinen Bürgersteig besitzt, bei Dunkelheit schlecht ausgeleuchtet ist und eine Gefahr für Kinder auf dem Weg zur Bushaltestelle darstellt. Positiv findet Silke Maczewski auch, dass die Herausforderungen nach der Flut viele Anwohner in Morsbach und Beckeraue zusammengeschweißt haben. „Da ist mittlerweile ein Gemeinschaftsgefühl entstanden“, sagt sie stolz.

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