Erste Platte

Mit Omas Grammophon fing alles an

Helmut Spies mit „Camembert Electrique“ von Gong und „Psychonaut“ von Brainticket, die zu den ersten LPs zählten, die er sich gekauft hat. Foto: Uwe Rapp
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Helmut Spies mit „Camembert Electrique“ von Gong und „Psychonaut“ von Brainticket, die zu den ersten LPs zählten, die er sich gekauft hat.

Helmut Spies reiste für einen Live-Auftritt seiner favorisierten Band Magma auch mal nach Paris.

Von Uwe Rapp

Heute bin ich mit Helmut Spies (64), Diplom-Sozialpädagoge im Ruhestand, verabredet. 38 Jahre war der Remscheider in der Versöhnungskirche am Centralpunkt, für die Jugendarbeit verantwortlich. Allgemein bekannt ist das bei vielen Remscheidern als „Tempel“. In den 38 Jahren ist Helmut sicherlich für viele Projekte in der Versöhnungskirche verantwortlich gewesen. In Zusammenarbeit mit Pfarrer Spengler und vielen Freiwilligen hat er in den 38 Jahren dem „Tempel“ seinen Stempel aufgedrückt.

„Die 38 Jahre waren für mich eine schöne Zeit mit Höhen und Tiefen, die mir aber immer sehr viel Spaß gemacht haben. Fast vier Generationen Jugendlicher habe ich heranwachsen sehen“, erzählt Helmut Spies. Legendär sind vor allem die Disco-Veranstaltungen in den 80er Jahren. „Für 99 Pfennig Eintritt gab es eine Jugend-Disco, die von Anfang an immer gut besucht war und mit dem Einsatz der drei Organisatoren Lutz Heller, Burkhard Elf und Andreas Happel ein Erfolg waren“, sagt Helmut.

Mitschnitte auf Tonband gehörten damals dazu

Musik war in seinem Leben ein wichtiger Bestandteil. Seine Oma war dafür verantwortlich. „Bei meinen Eltern liefen im Radio fast immer nur Schlager, aber meine Oma hatte ein Grammophon mit einer kleinen Sammlung von Schellackplatten, und ich durfte mir die immer auf dem Grammophon anhören. Salon- und Kaffeehausmusik der 30er und 40er Jahre haben mich fasziniert. Ich finde, dass Max Raabe, von dem ich einige CDs besitze, es wunderbar in die heutige Zeit überliefert hat“, erzählt er.

„Mein Einstieg in die Rockmusik war der Kauf meiner ersten LP von Arthur Brown ¸The Crazy World of Arthur Brown‘, die ich auf meinem neuen Dual-Plattenspieler auflegte. Außerdem habe ich, wie viele in der Zeit, mit Mikrofon und einem Tonbandgerät vieles aus dem Radio aufgenommen. Mit Freunden tauschte man Platten und ging zusammen auf Konzerte“, berichtet Helmut Spies. Progressive Rock, Psychedelic Rock und Krautrock waren seine Favoriten. Schallplatten von Bands wie Gong „Camembert Electrique“, Caterpilla „Same“, Brainticket „Psychonaut“ oder Magma ¸Üdü Wüdü‘ fanden den Weg in seine Sammlung.

„Meine favorisierte Band waren Magma. Eine französische Progressive Rock Band, die eine eigene Kunstsprache entwickelt und obskure Live-Auftritte hatte. Mit Freunden haben wir versucht, sie möglichst oft live zu sehen. Da wurde auch mal ein Trip nach Paris draus. Da habe ich sie zuletzt 2000 gesehen. Das war unglaublich gut. Natürlich durfte das Festival auf Burg Herzberg nicht fehlen, das seit 1969 ein Muss für jeden Krautrock- und Psychedelic-Rock-Fan ist“, sagt Helmut Spies. Auch Besuche in Rock-Discos wie dem Big Pub in Remscheid gehörten damals dazu.

Eine Band gab es auch. „Wir trafen uns immer in Solingen, dort hatte jemand eine Fabrikhalle gekauft. Es war keine richtige Band. Jeder nahm sich ein Instrument, und es wurde nach Lust und Laune gejammt. Wir nannten uns Hicory Hornteufel. Das war schon eine wilde Zeit“, meint Helmut Spies.

„Nach meinem Studium habe ich eigentlich kaum noch Schallplatten gekauft und bin auf CDs umgestiegen, die klangen für mich persönlich besser und meine alten Schallplatten haben durch häufiges Nassabspielen sehr gelitten. Ich habe auch sehr viele verschenkt und habe noch etwa 150 im Regal stehen. Ab und zu lege ich mir eine Magma-Scheibe auf und schwelge in Erinnerungen“, erzählt Spies.

Im CD-Spieler läuft eine CD der samischen Sängerin Mari Boine, ein Tipp von Helmut Spies.

Gastautor

Wer in Remscheid seine erste Schallplatte erstanden hat, der hat das mit großer Wahrscheinlichkeit bei Uwe Rapp getan. Der 65-Jährige verkaufte einst Musik im legendären Plattenladen Zack Zack.

Heute legt er als Kult-DJ auf Partys und dienstags um 20 Uhr auf mvradio.de auf. Für unsere RGA-Serie „Meine erste Platte“ haben wir Uwe Rapp als Gastautor gewonnen. Er unterhält sich mit Remscheidern über ihre erste Platte.

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