„Ohne das DOC verlieren wir den Anschluss“

Roland Kirchner tritt für die WiR als OB-Kandidat an. Foto: Roland Keusch
+
Roland Kirchner tritt für die WiR als OB-Kandidat an. Foto: Roland Keusch

Der RGA spricht mit den Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl: Roland Kirchner tritt für WiR an

Von Frank Michalczak

Herr Kirchner, Sie genießen mit Ihrer Familie Ihr Leben als Privatmann, wie Sie selbst sagen. Warum wollen Sie sich den Knochenjob als Oberbürgermeister antun?

Roland Kirchner: Weil ich Spaß daran habe. Ich verbinde mit der Wahl zum OB keinerlei wirtschaftlichen Interessen – für mich ändert sich nichts, ob ich es werde oder nicht. Ich habe den Luxus, das zu tun, woran ich Spaß habe. Und das ist zunächst einmal, meine Kandidatur mit Leben zu erfüllen.

Aber wo liegt denn für Sie genau dieser Spaß in der Kommunalpolitik?

Kirchner: Sie haben in der Kommunalpolitik den unmittelbaren Kontakt zu den Menschen. Man kennt die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, persönlich. Außerdem liegt zwischen der Entscheidung und der Umsetzung von Beschlüssen ein kurzer Weg. Dies ist auf Landes- und Bundesebene zumeist ganz anders.

Sie treten für die Wählergemeinschaft WiR an, die Sie 1999 mit aus der Taufe gehoben haben. Kam für Sie nie eine Parteimitgliedschaft infrage?

Kirchner: Nein, ich habe noch nie einer Partei angehört – obwohl ich schon seit meiner Schulzeit ein politischer Mensch war. Mich hat es schon immer interessiert, Verfahren und Entscheidungswege zu beobachten. Und daher hatte ich lange die Idee, politisch tätig zu werden.

Seit 1999 sind Sie bei der WiR engagiert – einer Wählergemeinschaft, die nach ihrem Selbstverständnis großen Wert auf Unabhängigkeit und Bürgernähe legt. Aber fehlen da nicht der rote Faden und ein Kompass, der Wählern Orientierung bietet, wofür die WiR steht?

Kirchner: Für uns kam es von Anfang an darauf an, dass wir uns ausschließlich für Remscheid engagieren – ohne dass uns da jemand reinredet. Es ist uns in der WiR wichtig, sachlich mit unterschiedlichen Ideen und Meinungen umzugehen. Das sorgt für Vielfalt und verhindert, dass man in seiner eigenen Suppe kocht. Ich würde die WiR als gut bürgerlich bezeichnen – mit vielen Individualisten. Ein Beispiel: Die Grünen müssen grün sein und entsprechende Politik betreiben. Wir müssen nicht, sondern wir dürfen grün sein, wenn wir es bei Sachfragen für richtig halten.

Kommen wir zu kommunalpolitischen Fragen. Sie zählen zu den Befürwortern des Designer Outlet Centers. Warum eigentlich?

Kirchner: Grundsätzlich halte ich diese Center für entbehrlich. Sie haben ihren Ursprung in Amerika, wo es ein ganz anderes Einzelhandelssystem gibt als bei uns. Wenn wir aber die Gelegenheit nicht nutzen, das DOC anzusiedeln, verlieren wir den Anschluss. Denn dann kommt es eben woanders hin – und eine andere Stadt, eine andere Region würde von den Impulsen profitieren. Uns kam es aber immer darauf an, dass das DOC für das Leben der Bürger so verträglich wie nur möglich sein muss. Darüber gab es in den letzten zehn Jahren immer wieder Meinungsverschiedenheiten mit anderen Befürwortern des Outlet Centers im Stadtrat.

Eigentlich sollte längst die Remscheider Innenstadt umgebaut werden. Wie beurteilen Sie es, dass in den letzten sechs Jahren so gut wie nichts geschehen ist?

Kirchner: Das liegt auch an einem grundsätzlichen Problem: Es werden Konzepte geschrieben, die zu Förderprogrammen von Land und Bund passen müssen, um an Geld zu gelangen. Viel sinnvoller wäre es, Städten wie Remscheid die Entscheidung zu überlassen, welche Projekte tatsächlich sinnvoll sind – und dafür Finanzmittel bereitzustellen. Ein Beispiel dafür ist der geplante Umbau des Friedrich-Ebert-Platzes, der aus diversen Fördertöpfen bezahlt wird, aber nicht unbedingt zu Remscheid passt und in der Bevölkerung auf keine große Gegenliebe stößt. Hier wurde Bürgerbeteiligung inszeniert. Politik und Verwaltung haben sich von einem Architektenwettbewerb abhängig gemacht. Und sie können nun froh sein, dass der Gewinner noch die eine oder andere Idee berücksichtigen wird.

Auch andere Projekte wurden noch nicht umgesetzt – die Terrassen auf der Alten Bismarckstraße zum Beispiel, wo die Außengastronomie erweitert werden soll, oder auch das Lichtkonzept auf der Alleestraße.

Kirchner: Da muss man unterscheiden. Das Lichtkonzept ist ein typisches Beispiel für ein Projekt, das am Reißbrett entstanden ist. Fehlendes Licht auf der Alleestraße ist nun wirklich nicht das größte Problem, das Remscheid hat. Bei den Plänen für die Alte Bismarckstraße werden hingegen Ideen von Bürgern aufgegriffen, die dort leben, arbeiten und verankert sind. Das ist nicht am grünen Tisch entworfen worden, sondern hat seinen Ursprung in bürgerschaftlichem Engagement. Dass dies noch nicht umgesetzt wurde, liegt sicherlich auch daran, dass Corona dazwischen gekommen ist.

Es wurde in den letzten Jahren viel über den Niedergang der Alleestraße diskutiert. Was würden Sie denn dagegen unternehmen?

Kirchner: Das ist ein sehr dickes Brett, das wir bohren müssen. Vor 15 Jahren brachte ein Fachmann die Idee auf, die Allee für den Verkehr zu öffnen – nicht etwa um die Erreichbarkeit der Geschäfte zu verbessern, sondern um den Fußgängern Raum zu nehmen und somit, mehr Frequenz vorzutäuschen. Das wurde nur halbherzig getestet. Nun ist dafür der Zug abgefahren. Aus meiner Sicht müssen wir in andere Richtungen als Einzelhandel denken. Es ist aber sinnvoll, Freiräume zu erhalten, Frequenzbringer wie Behörden oder Schulen in die Leerstände zu planen und mehr Aufenthaltsqualität zu schaffen, damit sich die Menschen dort wohlfühlen.

Nach dem Personalabbau in der Stadtverwaltung müssen die Bürger mit Serviceverlust leben – etwa im Ämterhaus oder bei der Bearbeitung von Bauanträgen. Was wollen Sie denn dagegen unternehmen?

Kirchner: Uns fehlt kompetentes Personal – damit meine ich nicht die Qualität, sondern die Quantität der Mitarbeiter. 2012 wurde beschlossen, 280 Arbeitsstellen abzubauen. Dabei wurde aber nicht darüber gesprochen, welche Aufgaben zukünftig erfüllt werden müssen. Stattdessen fielen Stellen einfach weg, wenn Mitarbeiter den Ruhestand erreicht hatten oder zu einem anderen Arbeitgeber wechselten. Das war vor allem dann bitter, nachdem sie bei der Verwaltung eine gute Ausbildung erhalten hatten und dann dem Rathaus den Rücken kehrten. Auch das hat zu den Engpässen im Ämterhaus und der Bauverwaltung geführt. Es wurde nicht wirklich Personalplanung betrieben. Sie muss vorausschauender sein.

Sie wären als OB Chef von über 1500 Mitarbeitern. Kritiker könnten Ihnen vorwerfen, dass Ihnen dafür die Erfahrung fehle. Was entgegnen Sie ihnen?

Kirchner: Oberbürgermeister ist ein Beruf, den man nicht erlernen kann. Ich habe aber bewiesen, dass ich Menschen zusammenführen und dass ich Teams bilden kann, die Erfolge erzielen. Und nur im Team sind Erfolge möglich. Ich bin dankbar, noch nie gescheitert zu sein – das gilt für meine früheren beruflichen Tätigkeiten, für meine Selbstständigkeit und auch für meinen Einsatz im Lenneper Verkehrs- und Förderverein, in dem ich als Schatzmeister für die Finanzen zuständig bin. Mir geht es darum, Menschen für Ziele zu begeistern. Ein langer Atem ist dafür die Voraussetzung. Und ich bin ein Ausdauersportler und kein Sprinter.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Mann beschädigt 16 Autos im Remscheider Süden
Corona: Es gelten neue Corona-Regeln - Über 5000 Erst-Impfungen in einer Woche
Corona: Es gelten neue Corona-Regeln - Über 5000 Erst-Impfungen in einer Woche
Corona: Es gelten neue Corona-Regeln - Über 5000 Erst-Impfungen in einer Woche
Berufskolleg: Das Richtfest steht bevor
Berufskolleg: Das Richtfest steht bevor
Berufskolleg: Das Richtfest steht bevor
Handwerker in Remscheid sind jetzt schon am Anschlag
Handwerker in Remscheid sind jetzt schon am Anschlag
Handwerker in Remscheid sind jetzt schon am Anschlag

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare