Die Woche von Axel Richter

Ohne Sana gäbe es das Klinikum nicht

axel.richter@rga.de
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Die Sana Kliniken AG kündigt umfangreiche Entlassungen an. Remscheids Politiker kritisieren das scharf.

Und auch die Meinung derer, die alles immer schon früher und besser gewusst haben, lässt nicht lange auf sich warten: Was sollte nach dem Verkauf des einstmals städtischen Krankenhauses an einen Konzern auch anderes zu erwarten sein als Jobabbau mit dem Ziel der Gewinnmaximierung?

Bei aller berechtigten Kritik an der Entscheidung des Konzernvorstands im fernen Ismaning und der Privatisierungspolitik im Gesundheitssektor: Was die Kritiker leicht außer Acht lassen ist der Zustand, in dem sich die einstigen Krankenanstalten der Stadt Remscheid im Jahr ihres Verkaufs an die Sana Kliniken AG befanden.

Ende der 1990er Jahre schreibt das Unternehmen, seit 1993 eine GmbH, tiefrote Zahlen. 1999 meldet das Krankenhaus bei der Stadt Remscheid als alleiniger Gesellschafterin einen Kapitalbedarf von 15 Millionen Mark an, um zahlungsfähig zu bleiben. Von Investitionen in die medizinische Ausstattung kann zu diesem Zeitpunkt keine Rede mehr sein. Das gilt erst recht für das Gebäude, so dass, wer das Haus an der Burger Straße unvorbereitet betritt, sich leicht in die Kulisse eines Horrorstreifens von Stephen King versetzt sieht.

Die Stadt hat keine 15 Millionen Mark und sucht deshalb nach einem Käufer. Der damalige Oberbürgermeister Fred Schulz (CDU) sieht sich und seine Familie deshalb bald Anfeindungen ausgesetzt, die jedes Maß und überdies jeden Anstand vermissen lassen.

2000 übernimmt die Sana Kliniken AG das Krankenhaus, 1400 Mitarbeiter bekommen einen neuen Arbeitgeber und fürchten um ihren Job. Tatsächlich strukturiert der neue Herr im Haus um, lagert Mitarbeiter aus und schließt den 1970 errichteten Klinikstandort Lennep.

Sana investiert aber auch. In Medizintechnik, ins Gebäude, in sein Spitzenpersonal. Abteilungen wie die Geburtsstation genießen deshalb zu recht einen hervorragenden Ruf. Davon profitiert die Stadt. Eine Stadt, die selbst nie in der Lage gewesen wäre, das Krankenhaus für die Zukunft aufzustellen.

Auch das gehört zur Wahrheit, wenn heute über die vermeintlichen Fehler von damals diskutiert wird. Dass die geplanten Entlassungen auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie falsch und zynisch sind, die Kommunikation ein Desaster und Remscheid den Entscheidern in Ismaning egal, steht dabei außer Frage.

TOP: Späte Einsicht: Aldi will den Blauen Mond wieder aufbauen.

FLOP: Sinnfreie Gewalt: Unbekannte schänden Gräber in Hasten.

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