Sieben Gegenstimmen

Öffnung der Allee findet Mehrheit

Hier ist nicht mehr viel los: Autoverkehr soll die untere Alleestraße beleben – und das möglichst bald. Dafür sprach sich nun die Bezirksvertretung Alt-Remscheid aus. Foto: Roland Keusch
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Hier ist nicht mehr viel los: Autoverkehr soll die untere Alleestraße beleben – und das möglichst bald. Dafür sprach sich nun die Bezirksvertretung Alt-Remscheid aus.
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Bezirksvertretung beriet über Zukunft der Fußgängerzone. Hier sollen künftig Autos fahren.

Von Frank Michalczak

Mit knapper Mehrheit stimmte die Bezirksvertretung Alt-Remscheid für einen CDU-Antrag, die untere Alleestraße möglichst schnell für den Verkehr zu öffnen. Neun Ortspolitiker, darunter auch Alexander Ernst von der Wählergemeinschaft WiR, votierten dafür. Bezirksbürgermeister Otto Mähler (SPD), der die Sitzung leitete, zählte sieben Gegenstimmen und eine Enthaltung.

Gegenwind gab es von seiner Fraktion, die ihre Zustimmung von einem Arbeitspapier der Stadtverwaltung abhängig macht. Dieses soll im März vorliegen und aufzeigen, unter welchen Bedingungen die Öffnung der Fußgängerzone erfolgen kann. Nach aktuellen Überlegungen soll der Verkehr aus Richtung Markt zur Mandtstraße am ehemaligen Modehaus Vogel führen und über sie abfließen. Das bedeutet auch das Aus für den unteren Pavillon auf der Allee, der momentan leersteht.

Standpunkt von Frank Michalczak

Rosemarie Stippekohl (CDU) ermutigte im Hinblick auf den Niedergang der unteren Alleestraße die Bezirksvertretung, den „Interessen und Wünschen der Händler“ zu entsprechen. Die Öffnung der Fußgängerzone könne dazu beitragen, dass in den leerstehenden Geschäftsräumen Wohnungen entstehen oder „kleiner Einzelhandel“ einzieht. „Machen wir uns nichts vor, die Zeiten, dass sich dort ein großer Ankermieter ansiedelt, sind vorbei“, spielte sie unter anderem auf das ehemalige Warenhaus Kaufhof an.

Widerspruch legte Beatrice Schlieper (Bündnis 90/Die Grünen) ein. „Autos sind störend. Wir können uns bei der Öffnung der Alleestraße von Super-Konzepten für Wohnen oder für die Kultur verabschieden. Außerdem ist dies die einzige Straße, auf der Kinder unbeschadet laufen können.“ Sie erinnerte an die Entscheidung vor drei Jahren, keinen Radfahrverkehr auf der Fußgängerzone zuzulassen. Dieser Beschluss war auch von der CDU mitgetragen worden. „Und jetzt wollen Sie Pkw zulassen“, zeigte sie Unverständnis. Rosemarie Stippekohl verwies auf die Straßenverkehrsordnung. „Wenn die untere Alleestraße geöffnet wird, dann gilt das natürlich auch für die Radfahrer.“

Thema ist in der Ortspolitik ein Dauerbrenner

Zu den Kritikern dieser Maßnahme zählte in der Bezirksvertretung Fritz Beinersdorf (Linke). Er erinnerte süffisant daran, dass dieses Thema ein Dauerbrenner sei. Der Stadtrat habe 2011 einen Grundsatzbeschluss gefasst, die Alleestraße zu öffnen – Voraussetzung müsse sein, dass dies kostenneutral geschehe. „Und nun, knapp acht Jahre später, will uns die Verwaltung schon ein Arbeitspapier vorlegen.“ Auch dieses könne an der Ablehnung seiner Fraktion nichts ändern. „Autoverkehr bringt uns keinen Händler zurück. Autos tragen nicht dazu bei, dass sich Außengastronomie ansiedelt. Sie bringen keine Aufenthaltsqualität“, kommentierte Beinersdorf.

TESTPHASE

ANTRAG Nach Vorstellung der CDU soll die Öffnung der Alleestraße zunächst in einer Testphase von zwei Jahren erfolgen. Das Fachbüro Stadt und Handel mit Sitz in Dortmund soll untersuchen, welche Effekte diese Maßnahme nach sich zieht. Die Experten sind mit der fachlichen Begleitung der Modernisierungsschritte beim Umbau der Innenstadt betraut und haben ihr Büro im Haus Markt 13. Das Revitalisierungsprogramm umfasst über 30 Einzelmaßnahmen, für die es Fördermittel des Landes gibt. Beatrice Schlieper (Grüne) wies darauf hin, dass die Öffnung der Alleestraße in diesem Konzept bislang nicht aufgenommen wurde.

Ralf Wieber (CDU) führte Ruhrgebietsstädte als Beispiele an. Gelsenkirchen oder auch Oberhausen hätten Teile ihrer Fußgängerzonen für den Verkehr geöffnet. „Und sie sammeln positive Erfahrungen damit. Es geht hier um die Erreichbarkeit der Geschäfte.“ Sein Parteifreund Bernd Quinting mahnte, die Ortspolitiker müssten die Zeichen der Zeit erkennen. „Es nutzt nichts, nur die Vergangenheit zu sehen. Wir müssen Entscheidungen, die früher richtig waren, revidieren, weil die Zeit weitergegangen ist“, erklärte er.

Die Entscheidung für den CDU-Antrag in der Bezirksvertretung hat nur empfehlenden Charakter. Das letzte Wort spricht der Stadtrat bei seiner Sitzung am 28. März. Dann dürfte auch das Arbeitspapier vorliegen, das OB Burkhard Mast-Weisz angekündigt hat. Bezirksbürgermeister Otto Mähler wünscht sich jedenfalls, „dass wir die Entscheidung in großem Einvernehmen treffen“, wie er bei der Sitzung anmerkte. 

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