Bergisches Land

Nur geringe Clan-Kriminalität in Remscheid

Dietmar Kneib leitet seit 2019 die Direktion Kriminalität im bergischen Städtedreieck. Foto Kristin Dowe
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Dietmar Kneib leitet seit 2019 die Direktion Kriminalität im bergischen Städtedreieck.

Obwohl die Nachbarstadt eine Hochburg krimineller Familien ist.

Von Sven Schlickowey

Solingen. Das Problem mit sogenannter Clan-Kriminalität ist in Remscheid im Vergleich zu den Nachbarstädten eher gering. So schätzt Dietmar Kneib, Leiter der Direktion Kriminalität bei der Polizei Wuppertal, die aktuelle Situation ein. Zwar hätten in der jüngeren Vergangenheit Ermittlungen in diesem Bereich immer wieder auch ins Bergische geführt, doch davon sei vor allem Solingen betroffen. „In Remscheid ist das Thema deutlich weniger ausgeprägt.“

Die Gründe für diese Entwicklung seien nicht eindeutig, sagt Kneib. Vermutlich hätten sich die ersten Mitglieder der kriminellen Familien eher zufällig in Solingen angesiedelt, andere seien dann dorthin gefolgt. „Ich glaube nicht, dass das damals strategisch geplant war“, so der Kripo-Chef. Aber heute erweise sich Solingen auch wegen seiner guten Anbindung an Düsseldorf und Köln als guter Standort. „Geschichtlich betrachtet hat Remscheid vielleicht einfach Glück gehabt.“

2019 gab es im Städtedreieck 294 Straftaten mit Clan-Bezug

Als Clan bezeichnet die Polizei kriminelle Vereinigungen, deren Mitglieder auch eine familiäre oder ethnische Bindung untereinander haben. Diese Bindungen erschweren die Ermittlungsarbeit der Polizei deutlich. Der Begriff ist allerdings durchaus umstritten, weil er rassistisch verstanden werden kann.

Deswegen wirbt Dietmar Kneib dafür, nicht vorschnell zu urteilen: „Ich bin ein großer Freund davon, sich alles genau anzuschauen.“ Das gelte für Menschen, die die Nachnamen bekannter krimineller Familien tragen, ebenso wie für bestimmte Wirtschaftsbetriebe: „Da werden schnell Sisha-Bars und Barber-Shops genannt. Aber die gehören natürlich nicht alle dazu.“ So hätten Kontrollen in Remscheid gezeigt, dass es hier solche Verbindungen wohl nicht gibt.

Im Jahr 2019, die Zahlen für 2020 sind noch nicht veröffentlicht, wurden im Städtedreieck 294 Straftaten der Clan-Kriminalität zugeordnet, damit liegt das Polizeipräsidium Wuppertal auf Platz acht von 47 Kreispolizeibehörden in NRW. Davor liegen fast ausschließlich Behörden aus dem Ruhrgebiet, vorneweg Essen mit 852 Straftaten.

Das seien allerdings nur die Straftaten, die der Polizei durch Anzeigen oder eigene Ermittlung bekannt geworden seien, betont Dietmar Kneib. Die Dunkelziffer sei wohl hoch. „Wir vermuten zum Beispiel, dass die Clans inzwischen auch an Schleusungen beteiligt sind.“ So brächten die Familien vermutlich Flüchtlinge aus den kurdischen Gebieten an der türkisch-syrischen Grenze nach Deutschland. „Und die stehen dann entweder auf ihrer Gehaltsliste oder schulden ihnen sehr viel Geld.“

Um gegen solche Machenschaften vorzugehen, setzt Kneib auf initiative Ermittlungen, eine bessere Vernetzung von polizeilichen Maßnahmen und die Kooperation mit anderen Behörden wie dem Zoll. „Wir stehen auch mit der Stadt Remscheid in einem engen Austausch, insbesondere mit der Ordnungsdezernentin.“ Doch es brauche auch Prävention, sagt der Kripo-Chef: „Wenn wir die volle Härte des Gesetzes nutzen, gehört es auch dazu, denen die Hand zu reichen, die ein solches Leben nicht mehr wollen.“ In diesem Bereich beginne die Polizei gerade, Kontakte aufzubauen. „Aber das wird sicherlich schwierig.“

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