Sicherheit

Taser für Polizei: Remscheid in der Vorreiterrolle

Die Farbe des Tasers soll abschreckend wirken. Seit einigen Tagen sind die Geräte auch in Remscheid im Einsatz.
+
Die Farbe des Tasers soll abschreckend wirken. Seit einigen Tagen sind die Geräte auch in Remscheid im Einsatz.
  • VonSven Schlickowey
    schließen

Elektroschocker: Neue Ausrüstung für Beamtinnen und Beamten im Streifendienst - und was die Polizei sich davon erhofft.

Remscheid. Polizistinnen und Polizisten, die in Remscheid im Streifendienst unterwegs sind, führen seit einigen Tagen neue Elektroschocker mit sich. Nach einer Testphase in fünf Großstädten hat das Landesinnenministerium entschieden, 18 weitere Kreispolizeibehörden mit sogenannten Distanzelektroimpulsgeräten (DEIG), im Volksmund meist Taser genannt, auszustatten, darunter auch das Polizeipräsidium Wuppertal. Hier kommen die Geräte zuerst in Remscheid zum Einsatz.

Das habe „logistische und personelle Hintergründe“, erklärt Pressesprecher Stefan Weitkämper: „Die Ausstattung der Kollegen in Wuppertal und Solingen erfolgt zeitnah, sobald die notwendigen Schulungsmaßnahmen abgeschlossen sind.“

Wie viele der nicht-tödlichen Waffen in Remscheid eingesetzt werden, wolle man „aus taktischen Gründen“ nicht sagen, so Weitkämper. Nur so viel: „Die Wache in Remscheid ist mit einer ausreichenden Zahl an Geräten ausgestattet.“ Dass die Taser hier bereits zum Einsatz gekommen sind, ist bislang nicht bekannt.

Gelbe Elektroschocker: Schon der Anblick soll Gewalt verhindern

Die NRW-Polizei setzt auf das Modell Taser 7 des US-amerikanischen Herstellers Axon, der auch schon die 2019 eingeführten Bodycams liefert. Teile des Gehäuses sind knallgelb - und das mit Absicht, wie Polizeisprecher Weitkämper sagt: „Das Einsatzmittel soll eine deeskalierende Wirkung entfalten und die Gewalt gegenüber Polizistinnen und Polizisten minimieren.“ Dazu sei – neben der Androhung des Einsatzes – die „bloße Sichtbarkeit“ geeignet. „Die leuchtend gelbe Farbe der DEIG unterstreicht diese Wirkweise zusätzlich.“

Testphase: Bei 150 Einsätzen blieb es 120 Mal bei der Androhung

Auf eine abschreckende Wirkung der Taser verweist auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). In der Testphase habe es rund 150 Einsätze des Elektroschockers gegeben, heißt es aus seinem Ministerium, in mehr als 120 habe die Androhung bereits genügt, nur 31 Mal sei das Gerät wirklich abgefeuert worden.

Unumstritten ist das neue Einsatzmittel aber nicht. Die NRW-Grünen, seit einigen Monaten Junior-Partner in der Düsseldorfer Koalition, hatten Anfang 2021 noch gefordert, das Taser-Pilotprojekt einzustellen.

Die Forderung der damaligen schwarz-gelben Landesregierung nach mehr Elektroschockern für die Polizei folge „weniger sachlichen Argumenten, sondern einer ideologiegetriebenen und rein an der Aufrüstung mit Einsatzmitteln ausgerichteten Innenpolitik“, heißt es in einem Beschluss des Landesparteirats.

Kritik: „Gegen alle Empfehlungen der Wissenschaft“

Auch der Polizeiwissenschaftler Martin Thüne vom Fachbereich Polizei der Thüringer Fachhochschule für öffentliche Verwaltung nannte das Vorgehen des NRW-Innenministers „Kriminalpolitik gegen nahezu alle Empfehlungen der (Polizei-)Wissenschaft“.

Kritik: So sind die Erfahrungen in England

Kritiker verweisen unter anderem auf eine Studie aus England, wonach dort die Zahl der Taser-Einsätze stetig steigt. Und die Polizisten in fast einem Drittel der Fälle die Gelegenheit verpassen, die Situation anders zu entschärfen, bevor der Elektroschocker abgefeuert wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Kreutzer: „Manager ist kein Messias“
Remscheids erstes Kinderhaus wird 30
Remscheids erstes Kinderhaus wird 30
Remscheids erstes Kinderhaus wird 30
Medizinisches Versorgungszentrum feiert ersten Geburtstag
Medizinisches Versorgungszentrum feiert ersten Geburtstag
Medizinisches Versorgungszentrum feiert ersten Geburtstag
Säugling nach Unfall vorsorglich im Krankenhaus
Säugling nach Unfall vorsorglich im Krankenhaus
Säugling nach Unfall vorsorglich im Krankenhaus

Kommentare