Geringe Reserven im Gesundheitssystem

Notkrankenhaus ist ab sofort einsatzbereit

Sascha Ploch ist bei der Remscheider Feuerwehr für den Zivil- und Katastrophenschutz zuständig. Foto: Roland Keusch
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Sascha Ploch ist bei der Remscheider Feuerwehr für den Zivil- und Katastrophenschutz zuständig.

Im Ernstfall fänden in der Sporthalle Neuenkamp 100 Patienten Platz. Dort sollen keine Corona-Infizierten behandelt werden.

Von Manuel Böhnke

Remscheid. Sascha Ploch hätte nichts dagegen, wenn sich herausstellt, dass die Arbeit der vergangenen Tage nicht nötig gewesen wäre. Doch die Zukunft voraussagen können weder der Brandamtmann noch die anderen Mitglieder des Corona-Krisenstabs. Deshalb haben sie entschieden, das Notkrankenhaus in der Sporthalle Neuenkamp vorsorglich wieder aufzubauen. Im Ernstfall wäre es ab sofort für maximal 100 Patienten einsatzbereit.

Anfang April wurde die Halle erstmals umfunktioniert. Das Ziel damals wie heute: die Behandlungskapazitäten in Remscheid aufrechtzuhalten, wenn sich das Corona-Infektionsgeschehen zuspitzt. Mitte Juli gab es zunächst Entwarnung. Das Notkrankenhaus wurde abgebaut, Patienten hatten dort nicht gelegen. Nun hat sich die Lage verändert. Der Krisenstab berichtet von „nur noch sehr geringen Kapazitäten“ des hiesigen Gesundheitssystems, „die keine zusätzlichen Infektionen bei einer ohnehin exponentiell steigenden Infektionsrate in Remscheid verkraften werden.“

Für Sascha Ploch, der bei der Remscheider Feuerwehr für den Zivil- und Katastrophenschutz zuständig ist, war das der Startschuss. Zunächst räumten Mitarbeiter des Sportamtes die Halle leer. Am Freitag richtete die Berufsfeuerwehr das provisorische Krankenhaus ein. „Am Montag markieren wir Laufwege und bringen Hinweisschilder an“, berichtet Ploch. Ein Sicherheitsdienst bewacht die Halle.

Patienten sollen möglichst kurz in der Sporthalle Neuenkamp bleiben

Einen Unterschied gibt es zum Frühjahr: Das Krankenhaus ist vollständig hergerichtet, inklusive medizinischer Technik wie Defibrillatoren, Beatmungsgeräten und chirurgischem Material. „Im Grunde haben wir hier die Ausstattung vom Rettungswagen“, erklärt Sascha Ploch.

Bei voller Belegung wären drei Ärzte und 15 Feuerwehrleute mit notfallmedizinischer Ausbildung im Einsatz. Ein Vorteil des Standorts: Weil alle Patienten in einem großen Raum liegen, ist verhältnismäßig wenig Personal zur Überwachung notwendig. „Diese offenen Strukturen sind für uns sehr hilfreich, gehen aber zu Lasten der Privatsphäre der Patienten“, räumt Ploch ein.

Die sollen aber ohnehin nur möglichst kurz in der Sporthalle bleiben. Die Idee: Krankenhauspflichtige Menschen – keine Covid-19-Infizierten – werden versorgt, wenn die klinischen Strukturen überlastet sind. Gibt es dort wieder freie Kapazitäten, erfolgt eine rasche Verlegung.

In den Krankenhäusern sieht Ploch momentan zwei Schwachstellen. Zum einen die physische Anzahl an Betten. Vor allem aber das Personal. Die Befürchtung: Durch Quarantäne und andere Ausfälle könnte es an Ärzten und Pflegern fehlen. „Freie Betten bringen nichts, wenn sich niemand um die Patienten kümmern kann.“

Ob das Notkrankenhaus diesmal tatsächlich gebraucht wird, vermag Sascha Ploch nicht zu sagen. „Ich hoffe auf gar keinen Fall.“ Es steht zunächst bis auf Weiteres zur Verfügung. Vom Infektionsgeschehen abhängig entscheidet der Krisenstab, wann Betten und medizinisches Gerät wieder eingelagert werden.

Der 40-Jährige wünscht sich, dass sich das Infektionsgeschehen alsbald beruhigt. Corona-Krisenstabsleiter Thomas Neuhaus betont: „Wenn wir uns alle ab sofort und dann über die kommenden vier Wochen stark zurücknehmen und einen starken Rückgang der Neuinfektionen hinbekommen, wird eine angemessene Normalität wieder möglich sein.“ Und in der Halle Neuenkamp perspektivisch wieder Sport getrieben.

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