Mein Leben als Papa

Noch haben wir keine olympischen Ringe unter den Augen

Bronze, Silber und Gold wird von Hannes und Michel gewollt. Siegerehrungen finden im Wohnzimmer statt. Foto: gf
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Bronze, Silber und Gold wird von Hannes und Michel gewollt. Siegerehrungen finden im Wohnzimmer statt.

RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Das Feuer ist entfacht – in Peking und bei Hannes. Euphorisch begrüßt er mich, als ich abends nach Hause komme, und bringt mich auf den neuesten Stand: „Papa, wir haben Gold und Silber im Rodeln geholt!“ Den olympischen Geist hat Hannes längst verinnerlicht: Dabei sein ist alles! Zumindest würde er gerne stundenlang am Fernseher dabei sein. „Du hast mal gesagt, Sport zu gucken, zählt nicht als echtes fernsehen“, beruft er sich auf eine von mir tatsächlich geäußerte Regel, die ich einst vermutlich nur aufgestellt habe, damit ich am Wochenende auch mal ein Werder-Spiel in voller Länge verfolgen kann. Olympische Ringe hat er aber noch nicht unter seinen Augen, denn stundenlang lassen wir ihn nachmittags natürlich nicht vor dem Fernseher hocken. Die Zusammenfassungen schaue ich mir abends allerdings gerne zusammen mit ihm an.

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Schon die Eröffnungsfeier hat Hannes in seinen Bann gezogen. Nach der feierlichen Zeremonie mit 1500 einlaufenden Sportlern aus 92 Ländern, die Michel bereits nach drei winkenden Sportnationen total langweilig fand, bastelte er sich erst mal eine Fahne mit den fünf olympischen Ringen drauf. Von seinem Vorhaben „Ich halte für alle Länder“ ist er inzwischen aber doch abgekommen. Wenn er jetzt von „Wir“ spricht, meint er die deutschen Athleten. Und kann sich fürchterlich aufregen, wenn die beim Biathlon nicht alle fünf Scheiben treffen und beim Skispringen disqualifiziert werden. Auch ganz neue Sportarten entdeckt Hannes für sich – und mich. Erstaunlich, wie gespannt wir die Entscheidung im Ski Freestyle auf der Buckelpiste verfolgen. Und bei der spektakulären Trickshow beim Snowboarden ist auch der kleine Bruder plötzlich wieder dabei.

Am meisten mag es Michel aber, wenn die Siegerehrung in unser Wohnzimmer verlegt wird und er sich eine Gold-, Silber- oder Bronzemedaille aus Plastik um den Hals hängen darf. Dazu spiele ich auf meinem Handy drei Nationalhymnen nach Wahl ab, wir gucken ergriffen nach vorn, jubeln und winken den imaginären Fans zu. Schon komisch, dass die beiden Jungs von Fahnen und Nationalhymnen genauso fasziniert sind wie ich früher. Was hab ich die Siegerehrungen auf meinem C 64-Spiel „Wintergames“ früher geliebt . . .

Das Merkwürdige an diesen Olympischen Spielen in China ist, dass ich sie eigentlich doof finden will. Weil sie in einem Land stattfinden, in dem Menschenrechte missachtet werden. Ganz abgesehen davon, dass die Wettbewerbe an Orten ausgetragen werden, die nicht gemacht sind für Wintersport. Nicht anders verhält es sich mit der Fußball-WM in Katar im kommenden Winter, auf die ich mich eigentlich auch nicht freuen möchte. Manchmal stelle ich mir die Frage: Wenn der Sport und seine Begleitumstände vor 35 Jahren schon genau wie heute gewesen wären, wäre ich dann auch so ein großer Sportfan geworden? Ich kann es nicht beantworten. Und trotzdem finde ich es wichtig, meine Begeisterung für den Sport an die Jungs weiterzugeben. Weil der Sport überall immer mal wieder das Wichtigste überhaupt sein kann. Jeder sportliche Wettkampf kann in besonderen Momenten das Zentrum der Welt sein. Während ich diese Zeilen schreibe, kommt Hannes in mein Zimmer gerannt und sagt mir, dass wir schon wieder Gold geholt haben.

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