Neurofeedback-Methode

Nina Müller: „Ein Kind muss nicht perfekt sein“

Ergotherapeutin Nina Müller begleitet in ihrer Praxis am Hasten Kinder und Erwachsene. Die Hängematte, die Schaukel und die Kletterwand werden bei den Sitzungen mit Kindern oft genutzt. Foto: Roland Keusch
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Ergotherapeutin Nina Müller begleitet in ihrer Praxis am Hasten Kinder und Erwachsene. Die Hängematte, die Schaukel und die Kletterwand werden bei den Sitzungen mit Kindern oft genutzt.

Die Remscheiderin betreibt in Hasten eine Ergotherapiepraxis für Kinder und Erwachsene – Neu ist die Neurofeedback-Methode.

Von Melissa Wienzek

Diese Kletterwand ist so anders als sonst. Nur was ist es? Wer genau hinschaut, merkt, dass die bunten Steine keine Steine sind, sondern Buchstaben. Daneben gibt es eine riesige Kiste mit Kirschkernen, die Familien zum gemeinsamen Abtauchen einlädt. Und in der Hängematte würde wohl jeder gerne Platz nehmen: Hier, in der Arturstraße 2a, befindet sich nicht nur der Arbeitsplatz von Nina Müller (42), sondern in diesem liebevoll eingerichteten Raum dürfen Kinder mit Unterstützungsbedarf so sein, wie sie sind. Und die Ergotherapeutin begleitet sie auf ihrem Weg in ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben.

„Ich repariere keine Kinder, ich begleite sie.“

Nina Müller, Ergotherapeutin

Nina Müller, selbst Mutter eines Sohnes, ist seit 20 Jahren Ergotherapeutin. In ihrer Praxis am Hasten, die sie im Oktober 2019 eröffnet hat, verfolgt sie einen ganzheitlichen Ansatz. „Mir ist es ein Anliegen, jeden Menschen mit all seinen körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Aspekten und in seiner Einzigartigkeit zu betrachten und zu unterstützen.“ Zu ihren Patienten zählen Kinder und Familien, aber auch Erwachsene. Das Team umfasst derzeit zwei Personen, im Juli kommt eine weitere Kollegin hinzu, die sich auf psychische Belastungen und Erkrankungen spezialisiert hat, zum Beispiel Depressionen. Supervision ist Nina Müller sehr wichtig – Therapeuten reflektieren sich dabei selbst. Die Räume werden demnächst von 80 auf 182 Quadratmeter vergrößert, und der Garten einbezogen. Hier sollen Hochbeete für das gemeinsame Gärtnern entstehen.

Das Therapiespektrum ist groß. In der Pädiatrie kann Nina Müller beispielsweise bei ADHS, Autismus-Spektrum- Störung und Aggressionen über Entwicklungsverzögerungen, Einschlafschwierigkeiten, Hypersensivität und Verhaltensauffälligkeiten bis zu Dyskalkulie, Legasthenie und Konzentrationsschwierigkeiten helfen.

Bei den Erwachsenen kommt die Ergotherapie unter anderem im neurologischen Bereich wie bei Parkinson und Schlaganfall zum Einsatz, bei rheumatologischen Erkrankungen, bei Demenz, Altersdepression oder bei Erkrankungen der Wirbelsäule, der Gelenke und Extremitäten. „Jeder Mensch, jede Familie ist einzigartig und bringt ihre eigenen Themen mit. Daher gibt es anfangs immer ein ausführliches Anamnesegespräch, und jede Behandlung wird auf Wünsche und Ziele zugeschnitten.“

Besonders am Herzen liegen ihr Kinder und Familien, gibt die 42-Jährige zu. Sie möchte in ihrer Praxis am Hasten keine Kinder reparieren, sagt die Ergotherapeutin. „Ich möchte sie vielmehr mit all ihren Bedürfnissen und Wahrnehmungen begleiten und stärken. Ein Kind muss nicht perfekt sein.“ Viel zu oft würde bereits den Kleinsten einiges abverlangt, würden Grenzen überschritten. „Sie spüren zu lassen, dass sie toll sind, ist wichtiger als Leistung“, sagt Müller.

Bei den Therapiestunden kann konzentriert am Tisch gearbeitet werden – oder es geht spielerisch-bunt zu. Auf Wunsch unterstützt sogar Praxishund „Anton Knickohr“. „Mit der Schaukel spielen wir beispielsweise, dass wir Umweltschützer sind. Dann kann das Kind im Vierfüßlerstand auf der Schaukel aus dem Meer unter ihm Müll aufsammeln – in diesem Fall Wäscheklammern –, ohne umzufallen“, erzählt die Ergotherapeutin. Das schule nicht nur die Muskelkraft, sondern auch die Feinmotorik und die Konzentration – und mache nebenbei noch Spaß. Die Hängematte kommt oft zum Einsatz, wenn die Nacken- und Rückenmuskulatur trainiert werden soll.

Neu ist Neurofeedback. Laut Müller wird diese bislang nur im Sana-Klinikum angewandt. Es handelt sich dabei um eine Methode zur Behandlung von Störungen der Selbstregulation und der Impulskontrolle. Während einer Sitzung wird die Hirnaktivität gemessen und über einen Computer in Sekundenschnelle in Bilder umgewandelt. Durch diese visuelle Rückmeldung (Feedback) können unbewusst ablaufende neurophysiologische Prozesse wahrnehmbar gemacht werden. „Das Ziel ist, aufmerksam zu sein und sich selbst regulieren zu können“, erklärt die Therapeutin. Eingesetzt wird das Neurofeedback zum Beispiel bei ADS und ADHS, bei Migräne, Depressionen oder Schlafstörungen.

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