Im Gespräch

Geschichtsverein: Neuer BGV-Chef setzt auf Verjüngungskur

Jörg Holtschneider ist neuer Vorsitzender des BGV Remscheid. Er löst Alfons Ackermann ab, der die Geschicke zehn Jahre leitete. Foto: Roland Keusch
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Jörg Holtschneider ist neuer Vorsitzender des BGV Remscheid. Er löst Alfons Ackermann ab, der die Geschicke zehn Jahre leitete.

Jörg Holtschneider folgt auf Alfons Ackermann. Er hofft, über andere Themen den Nachwuchs zu interessieren.

Das Gespräch führte Melissa Wienzek

Herr Holtschneider, Sie sind neuer Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins Remscheid und folgen auf Alfons Ackermann. Was haben Sie mit dem BGV Remscheid vor?

Jörg Holtschneider: Das wissen wir noch nicht ganz genau, aktuell sind wir noch in der Planung. Im November haben wir Vorstandssitzung. Dann wollen wir zumindest für das erste Halbjahr 2022 ein Programm festzurren. Wir haben das Problem: Die Mitgliederzahlen gehen kontinuierlich zurück. Aktuell haben wir 284, meist fortgeschrittenen Alters – und da endet eine Mitgliedschaft oft leider auch biologisch. Diesen natürlichen Schwund konnten wir leider bisher kaum ausgleichen. Insofern ist noch nicht ganz klar, wie wir uns weiter aufstellen wollen. Touren, die Jahresfahrten, die immer gut angekommen sind, wollen wir gern fortführen. Es stellt sich uns auch die Frage des Themenspektrums. Ich würde gern das Thema Drittes Reich, mit dem ich mich während meines Studiums beschäftigt habe, mehr einbringen.

„Die eigentliche Geschichte ist nur noch Beiwerk.“

Jörg Holtschneider

Das heißt, Ihnen ist ein Stück weit die inhaltliche Erneuerung wichtig?

Holtschneider: Ja. Ich denke, damit kann man auch eher jüngere Leute ansprechen. Ich habe selbst Kinder. Sie lernen zwar in der Schule vieles über die NS-Zeit, aber wie nah das Thema auch in der eigenen Familie sein kann, ist vielen nicht so klar.

Wie könnte man die jüngeren Remscheiderinnen und Remscheider begeistern?

Holtschneider: Über die Themen. Es gibt ja zum Beispiel den Pferdestall. Da sind die Schüler der EMA involviert. Das ist eine schöne Sache – aber irgendjemand muss sich auch darum kümmern. Wir haben zwar 284 Mitglieder – aber das heißt ja nicht, dass sie sich alle aktiv beteiligen. Im Rahmen von Corona hatten wir auch das Gefühl, dass viele ihre Mitgliedschaften überdacht haben. Aktive Mitglieder des BGV Remscheid sind eigentlich der Vorstand – darunter bin ich fast der jüngste. Das ist ein großes Problem, um den Verein voranzubringen. Man braucht aktive Helfer.

Wie wichtig ist ein Geschichtsverein im Jahr 2021?

Holtschneider: Das ist eine gute Frage. Es ist schwierig. Geschichtsvermittlung, also die eigentliche Aufgabe des Vereins, die normale Information, kommt heute nicht mehr an. Man hat das Gefühl, dass die Leute dabei Fun brauchen – also Rätsel oder Touren oder Kaffee und Kuchen. Die eigentliche Geschichte ist eigentlich nur noch Beiwerk und rückt immer mehr in den Hintergrund.

Wie und wann wird das 100-Jährige des BGV gefeiert?

Holtschneider: Die geplante Jubiläumsfeier fällt wegen der Corona-Situation aus. Die Zahlen gehen ja aktuell wieder hoch, und das Publikum zählt zur Risikogruppe. Wir hoffen, 2022, wenn das Programm in irgendeiner Form wieder starten kann, das Jubiläum nachzufeiern.

Zurzeit finden keine Veranstaltungen statt. Dennoch läuft ein Projekt im Hintergrund: die Erweiterung des Tuchmacherwegs in Lennep. Hierzu gibt es ja auch Fördergeld in Höhe von 27 000 Euro. Wie ist der Stand?

Holtschneider: Ich recherchiere und schreibe Texte, gleichzeitig sprechen wir gemeinsam mit der Stadt Lenneper Hausbesitzer an. Die Rückmeldung war bislang gering. Es sind 30 Stellen, an denen Info-Tafeln geplant sind, jetzt haben wir fast die Hälfte. Letzte Woche war ich dazu auch bei Lennep Offensiv. Das Projekt läuft eigentlich schon seit zwei Jahren. Wegen Corona geriet es aber ins Stocken. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens errichten wir dabei 30 neue Info-Tafeln aus Emaille in Lennep und lassen die bestehenden 17 gleich mitaufarbeiten. Wir hoffen, die Tafeln 2022 einweihen zu können.

Zur Person

Der gebürtige Essener (60) hat in Freiburg Geschichte und Politik studiert, arbeitete in Freiburg, Wiesbaden und Köln – dort lernte er seine Frau kennen. Vor 26 Jahren zog Holtschneider nach Remscheid. Er ist freiberuflicher Historiker mit seiner Firma Via Temporis. Mit Beschilderungen fing es 2006 an. Es folgten ein Buch über Hasenclever sowie Firmenchroniken als Auftragsarbeiten. Beim BGV Remscheid ist der Vater zweier Kinder seit 1996. Nun ist er Vorsitzender.

www.bgv-remscheid.de

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