Streit um den „Intzeforst“ hält an

Neue Löcher zeigen: Brücken sind marode

Die Steinbrücke wurde 1896 errichtet, die Metallbrücke daneben ist jüngeren Datums. Marode sind beide Bauwerke. Foto: Roland Keusch
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Die Steinbrücke wurde 1896 errichtet, die Metallbrücke daneben ist jüngeren Datums. Marode sind beide Bauwerke.

Eine neue Verbindung soll die Intzebrücke und die Metallbrücke für Fußgänger ersetzen.

Von Axel Richter

Remscheid. 1896 schlugen Remscheider Ingenieure am heutigen Intzeplatz eine Brücke über die Bahngleise. Ihre Tragfähigkeit bemaßen sie auf 30 Tonnen. Dass 125 Jahre später 40 Tonnen schwere Lkw und Gelenkbusse darüber fahren, die sich im Gegenverkehr begegnen, ahnten sie nicht. Immerhin hält die Intzebrücke den Belastungen bis heute stand. Fragt sich‘s nur, wie lange noch.

Am Donnerstagmorgen tat sich ein Loch auf. Zwar nicht in der Brücke aus Stein, sondern in der deutlich jüngeren Metallbrücke für Fußgänger daneben. Die ersten besorgten Eltern sahen sich gleichwohl dazu veranlasst, andere vor der Gefahr für ihre Kinder zu warnen. Und auch Burkhard Fey, Straßenplaner bei der Stadt Remscheid, sieht nach der neuerlichen Lochbildung seine grundsätzliche Haltung zu den maroden Brückenbauwerken bestätigt.

„Das Chaos möchte ich mir nicht vorstellen.“

Burkhard Fey, Straßenplaner

Fey plant den so genannten Durchstich. Er will als Ersatz für die beiden Brücken eine direkte Verbindung zur Lenneper Straße schaffen. Dazu soll die Intzestraße parallel zu den Bahngleisen verlängert werden. Doch da haben die Umweltschützer etwas dagegen. Schließlich müssen für Feys Durchstich nicht nur zwei Häuser weichen. Sondern auch mehrere Bäume.

Es gibt Anwohner der Intzestraße, die nennen sie nur Sträucher oder wilde Gärten mit Gerümpel dazwischen. Hubert Benzheim vom Bund für Umwelt und Naturschutz hat die Bäume dagegen zum „Intzeforst“ erhoben und kämpft für ihren Erhalt. Mit Stephan Jasper fordert er im Naturschutzbeirat statt des Durchstichs einen Brückenneubau an gleicher Stelle.

Für ihren Alternativvorschlag kassierten die beiden Umweltschützer dort jedoch erneut eine Absage. „Wir werden diesen Vorschlag nicht verfolgen, weil er für die Stadt zu teuer ist und uns wegen der Neuplanung unglaublich viele Jahre zurückwerfen würde“, sagt Burkhard Fey.

Aus gleichem Grund weist auch Bezirksbürgermeister Stefan Grote (SPD) den Vorschlag zurück. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann die Brücke schlapp mache, erklärte er im September im Gespräch mit dem RGA.

Bevor sie zur Verkehrsgefährdung würden, stünde freilich die Sperrung der maroden Bauwerke an. Eine Unterbrechung der wichtigen Verbindung von und nach Wermelskirchen wäre indes verheerend, sagt Durchstich-Planer Burkhard Fey: „Das Chaos möchte ich mir nicht vorstellen.“ Und dann sind da die Kosten. Eine neue Brücke würde nach Berechnungen der Technischen Betriebe Remscheid groß, sehr groß ausfallen. Anders als heute müssten Busse und Lkw sich künftig auf ihr begegnen können. 9,9 Millionen Euro soll eine solche Brücke kosten, mindestens. Die Baukosten für den Durchstich beziffert die Stadt dagegen auf 3,7 Millionen Euro, wobei die Stadt auf Fördermittel von 65 Prozent der Summe hoffen kann. Dann wären noch 1,3 Millionen Euro selbst zu finanzieren.

In einer ihrer nächsten Sitzungen wird der Durchstich erneut die Politiker in der zuständigen Bezirksvertretung Süd beschäftigen. Die Planer drücken aufs Tempo. Denn die Intzebrücke befindet sich am Ende ihrer prognostizierten Lebensdauer. Die von den Umweltverbänden vielfach geforderte Verkehrswende durch eine Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs würde sie in jedem Fall nicht überleben. Denn die erfordert künftig mehr, statt weniger Busse, die über sie hinwegrollen.

Nadelöhr

Die Intzebrücke gilt als Nadelöhr. Größeren Fahrzeugen ist es unmöglich, den Knoten problemlos zu durchfahren. Die Fahrer sind darauf angewiesen, dass andere sie passieren lassen. Regelmäßig kommt es zu Staus, in denen auch die Busse der Stadtwerke stehen.

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