Verkehrsreport

Neue Ampeln werden nicht aufgestellt

Frust bei Linksabbiegern: Über die Ampelschaltung an der Ecke Lenneper-/Neuenkamper Straße rutschen nur drei Fahrzeuge pro Phase. Foto: Michael Sieber
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Frust bei Linksabbiegern: Über die Ampelschaltung an der Ecke Lenneper-/Neuenkamper Straße rutschen nur drei Fahrzeuge pro Phase.

Grüne Welle für Autofahrer existiert oft nur auf Papier. Allen können es TBR nicht Recht machen.

Von Jennifer Preuß

Viele Remscheider halten sie für einen Mythos: die grüne Welle. Und doch es gibt sie, wie an der Hastener Straße. Um Wartezeit und Schadstoffimmission zu verringern, werden an Hauptverkehrsstraßen Lichtsignalanlagen auf „Grün“ geschaltet. Geplant ist sie an der Freiheitstraße, zu reparieren sind die Ampeln an der Pfeilstraße.

Die grüne Welle ist kniffelig, räumt Udo Wilde, Leiter der Verkehrstechnik bei den Technischen Betrieben Remscheid (TBR), ein: „Grüne Wellen existieren oft nur auf dem Papier. Am besten funktionieren sie sonntags um 11 Uhr.“ Beschwerden gibt es vor allem an der Lenneper Straße. „Sobald Autos von der A 1 kommen, wird die grüne Welle unterbrochen“, erklärt Udo Wilde. „Es soll kein Rückstau in der Auffahrt entstehen.“

Den Linksabbieger aus der Lenneper Straße schaffen nur drei Fahrzeuge

Remscheids Ampeln sind so eingestellt, dass sie Bussen Vorrang geben. „Man muss abwägen“, sagt Wilde: Ein Autofahrer ärgert sich, während 100 Passagiere im Bus sich freuen, wenn sie schnell vorankommen. Kompliziert wird die Situation, wenn an einer Ampel die Linksabbieger auf Grün warten. Das ist an der Ecke Lennper-/Neuenkamper Straße so. RGA-Leser André Arntz fuchst, dass dort maximal drei Fahrzeuge die Grünphase packen.

Wilde gibt der Kritik Recht, sieht aber Veränderungen nur unter Inkaufnahme anderer Nachteile: „Der Linksabbieger aus der Lenneper Straße in die Neuenkamper Straße hat nur fünf Sekunden Grün. Wir haben das Problem, dass eine Erhöhung der Grünzeit nur auf Kosten z. B. des Linksabbiegers von der Lenneper Straße aus Richtung Autobahn in Richtung Zentralpunkt möglich wäre. Dieser Verkehrsstrom ist allerdings sehr stark. Schneiden wir ihm nur drei Sekunden Grün ab, ergeben sich Rückstaus über seinen eigenen Linksabbiegerstreifen hinaus. Dies hätte zur Folge, dass der Geradeausverkehr aus Richtung Autobahn in Fahrtrichtung Stadt behindert würde.“

Auch Fußgänger haben Probleme. Eine durchgehende Grünphase für Passanten an der zweiteiligen Fußgänger-Ampel, wie sie RGA-Leser Markus Feuersenger an der Lenneper Straße am Jägerwald fordert, ist meist nicht umsetzbar. Des Weiteren: Gibt es in einer Fahrtrichtung die grüne Welle, herrscht in der anderen die rote vor.

Halten Verkehrsteilnehmer kontinuierlich eine Geschwindigkeit bei, steigt ihre Chance, dass die nächste Ampel ebenfalls grün ist. Die grüne Welle kann den Verkehr beeinflussen. So könnten zu den Stoßzeiten Ampeln so getaktet sein, dass die Auspendler schneller unterwegs sind als Einpendler und umgekehrt. Ein Prozessor in der Ampel verarbeitet Daten und zeigt entsprechend grün, gelb, rot.

Die TBR versorgen die Ampeln mit einem Signalplan. Dieser gibt vor, in welchen Abständen welches Licht angezeigt wird. Er ist aber nicht starr und passt sich dem Verkehrsaufkommen an. An vielen Ampeln kommt die Physik ins Spiel. Drähte, die in der Fahrbahn verbaut sind, messen, wie viele Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. An anderen Lichtsignalanlagen kommen Kameras zum Einsatz. „Lichtsignalanlagen zu programmieren ist aufwändig. Man muss tüfteln“, so Wilde.

DER KREISVERKEHR

ALTERNATIVE Statt Ampel käme ein Kreisverkehr in Frage, wie an der Königstraße/Hüttenstraße, wo die Ampel abgebaut wurde. Kreisverkehre in Remscheid sind selten, zum Beispiel gibt es einen am Hohenhagen. Ein Kreisel braucht Platz und einen Radius. Den gibt die städtische Infrastruktur nicht immer her. An einer größeren Kreuzung, wie an der Freiheitsstraße, ist er - laut Verkehrsgutachten - unpraktikabel. „Ein Kreisverkehr würde dort den Fluss hemmen und einen Rückstau verursachen“, sagt Ordnungsamtsleiter Beckmann.

Neue Ampeln wird es in der Stadt so schnell nicht geben. Querungshilfen wie Zebrastreifen und Fußgängerinseln sind erste Wahl. „Eine Ampel ist teuer, zudem wartungs- und reparaturanfällig“, erklärt Ordnungsamtsleiter Jürgen Beckmann. „Und eine Ampel, die nicht richtig anzeigt, ist gefährlicher als keine.“ Daher ordnete auch die Verkehrsbesprechung bislang keine Ampeln an.

Nachts wird auch abgeschaltet. Von 20.30 bis 6 Uhr sind 40 Prozent der Remscheider Ampeln aus. Zwar gibt es Einspareffekte, andererseits müssen die TBR die Sicherheit beachten. Je mehr Ampeln abends ausgeschaltet sind, umso mehr erhöht sich das Tempo der Autofahrer. Beispiel: die Freiheitsstraße. Daher geht der Trend dahin, Ampeln auf LED-Technik umzurüsten. Der positive Nebeneffekt: Die Ampeln mit LED können einfacher über den PC gesteuert werden. Insgesamt werden 45 Lichtsignalanlagen über den Verkehrsrechner bedient.

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