Mein Blick auf die Woche

Nehmt endlich den Fuß von der Bremse

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Remscheids Firmenchefs wünschen sich mehr Tempo im Land. Nur so lasse sich die Krise überstehen. Doch von einem Geschwindigkeitsrausch ist die Stadt Remscheid weit entfernt, findet RGA-Lokalchef Axel Richter. Dazu müssten Teile der Verwaltung zunächst einmal den Fuß von der Bremse nehmen.

Wo bis zu ihrer vollständigen Zerstörung durch den Großbrand vom August 2012 die Grundschule Eisernstein stand, tut sich etwas. Endlich. Zehn Jahre brauchte die Stadt Remscheid, um die 10 000 Quadratmeter große Brachfläche zu Bauland zu erklären. Für viele Familien kommt das zu spät.

Denn, so mussten die Politiker jetzt feststellen: Zwar ist die Fläche mehrfach überzeichnet. Doch für die zwei Mehrfamilien- und 17 Einfamilienhäuser, die dort entstehen sollen, gibt es mit 84 Bewerbungen weit weniger Interessenten als erwartet. Die steigenden Bauzinsen und die explodierenden Kosten, die maßgeblich auf Putins Krieg gegen die Ukraine beruhen, haben viele Remscheider den Traum vom eigenen Zuhause zerplatzen lassen.

Schöne Grüße nach Moskau sendet auch die Gewag. Denn der städtischen Wohnungsgesellschaft geht es nicht anders als den privaten Häuslebauern. Gerade lässt sie an der Zeppelinstraße in Lennep alte Wohnhäuser abreißen. Doch die Baulücken bleiben vorläufig bestehen.

Die fertigen Neubaupläne der Architekten für das Quartier nördlich der Ringstraße wanderten in die Schublade. „Wir müssen auf Sicht fahren“, erklärte Gewag-Chef Oliver Gabrian gegenüber dem RGA. Mit anderen Worten: Auch der investitionsfreudige, größte Vermieter Remscheids hält sein Geld in der Krise beisammen.

Langfristig bleibt der Bedarf nach Wohnraum in Remscheid jedoch hoch. Dabei fehlen der Stadt vor allem die Optionen für junge Menschen. Denn auch die Knusthöhe ist als Neubaugebiet gescheitert. Das Land NRW möchte die Fläche, die sich dort in seinem Eigentum befindet, nicht hergeben, sondern verfolgt eigene Pläne dafür.

Welche das sind, will der Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes nicht sagen. Allerdings ist die Behörde unter anderem damit beauftragt, einen neuen Standort für die Polizei zu finden. Nachdem die wechselnden Landesregierungen das historische Inspektionsgebäude am Quimperplatz haben vergammeln lassen, soll neu gebaut werden.

Dass sich die Knusthöhe für eine Polizeiinspektion nicht anbietet, liegt auf der Hand. Die Polizei gehört in die Mitte einer Stadt, das weiß man auch im Wuppertaler Präsidium. Für Remscheider Familien ist die Knusthöhe dank des Vetos aus Düsseldorf dennoch verloren. Und nicht nur sie.

Nach langem Hin und Her verabschiedete sich in dieser Woche auch ein verhinderter Bauherr von der Richardstraße in Hasten. Grund dafür sind ebenfalls steigende Kosten und der daraus folgende Einbruch am Immobilienmarkt. Einerseits. Andererseits hielt sich die Begeisterung für sein Projekt im Rathaus in engen Grenzen. Tatsächlich war der Mann erstmals 2017 mit seinen Plänen für an die Stadt herangetragen. Mit anderen Worten: Die Wohnhäuser, die er dort plante, könnten längst stehen.

Damit wir die Krisen überstehen, die wir gerade erleben, forderte Henner Pasch, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer, in dieser Woche mehr Tempo von den Behörden. In Remscheid müsste mancher dazu freilich erst einmal den Fuß von der Bremse nehmen.

TOP Licht an: Hastener lassen die Menschen nicht im Dunkeln stehen.

FLOP Säckeweise: Plastikmüll fliegt auch weiterhin über die Allee.

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