Die große Nachhaltigkeitsserie

22 520 Tonnen Restmüll fallen jährlich in Remscheid an - Das passiert damit

Fast 30 000 Tonnen fallen jedes Jahr in Remscheid an Haus- und Papiermüll an. Foto: Michael Schütz
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Fast 30 000 Tonnen fallen jedes Jahr in Remscheid an Haus- und Papiermüll an.
  • VonValeria Schulte-Niermann
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In 2020 wurde weniger Restmüll und Papiermüll weggeworfen. Nachhaltig ist das noch lange nicht. Aber wie steht es um den Müll in Remscheid?

Remscheid. Müll umgibt uns täglich und beinahe überall. In Remscheid fielen im vergangenen Jahr 22.520 Tonnen Restmüll und 7100 Tonnen Papiermüll an. Im Vergleich zu 2019 wurden 600 Tonnen weniger Rest- und 200 Tonnen weniger Papiermüll produziert. „Das liegt aber im Bereich der üblichen Schwankungen“, sagt Michael Sauer, Geschäftsbereichsleiter bei den Technischen Betrieben Remscheid.

Die Deutschen verursachen somit 40 Millionen Tonnen Hausmüll (also Bioabfälle, Sperrmüll, Papier, Kunststoffverpackungen) pro Jahr, wie Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft des Wuppertal Instituts, mitteilt. In der Studie CovPack habe er während der Pandemie einen deutlichen Anstieg an Verpackungsabfall festgestellt.

Im Abfallvermeidungsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) schreibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze, dass weltweit die Abfälle privater Haushalte um 700 Millionen Tonnen im Jahr 2014 auf 2,7 Milliarden Tonnen 2019 gestiegen seien. Im gleichen Zeitraum hat der Ressourcenverbrauch um 17 Prozent zugenommen.

Viele Produkte werden aus neuen statt recycelten Stoffen gefertigt

Ein großes Problem der Kunststoffverpackungen: Für eine kurze Lebensdauer werden Ressourcen verbraucht. Besonders Plastikmüll verliert beim Recycling an Qualität und kann nicht wieder in gleichem Maße wiederverwendet werden. Das nennt sich Downcycling. Papier kann zwar um die 15 Mal recycelt werden, jedoch werden die Fasern bei jedem Recyclingverfahren immer kürzer und es müsse neues Material beigemischt werden, erklärt Wilts. „Metall und Glas wird mit viel Energieaufwand eingeschmolzen und sind kaum von neuen Stoffen unterscheidbar.“

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In Remscheid wird laut dem Abfallwirtschaftsbericht von 2019 der Hausmüll im Müllheizkraftwerk in Wuppertal (AWG) verbrannt. Die dabei frei werdende Energie werde bei der Strom- und Wärmeversorgung eingesetzt. Die zurückbleibende Schlacke werde für den Deponiebau verwendet.

„Wir sind sehr gut darin, Abfälle zuverlässig zu entsorgen”, sagt Henning Wilts. So habe Deutschland die besten Recyclingquoten auf der Welt. Jedoch liege der Anteil recycelter Materialien in Deutschland nur bei circa 15 Prozent. Damit die Industrie recycelte Materialien annimmt, sei diese Quote viel zu niedrig. „Der allergrößte Teil wird noch immer aus neuen Rohstoffen hergestellt, die in der Regel viel mehr CO2-Emissionen verursachen”, stellt Wilts fest.

Mikroplastik schwimmt auch in der Wupper

Wenn Müll in die Natur gelangt, ist das nicht nur unschön anzusehen, sondern auch für die Umwelt schädlich. Tiere halten Müll für Futter, fressen es und verhungern. Wenn Batterien auslaufen, können sie Millionen Liter Grundwasser verseuchen, sagt Wilts. Auch wenn Kunststoffabfälle über die Flüsse ins Meer gelangen, ist das schlimm.

Laut einer Studie des Griechischen Zentrums für Meeresforschung landen jährlich rund 17.600 Tonnen Plastik im Mittelmeer. Tiere verwechseln es mit Nahrung und verenden. „Dort verbleiben sie teilweise über 100 Jahre und zerfallen langsam zu Mikroplastik”, erklärt Henning Wilts. Diese Teilchen, die kleiner als einen Millimeter sind, schwimmen auch in der Wupper. Die Uni Bayreuth hat 0,594 Partikel pro Kubikmeter gezählt – vor allem Folienrese und Fragmente aus Polyethylen (PE). Das sind weniger als in der Emscher-Rhein- und Ruhr-Rhein-Mündung, aber mehr als in der Sieg und in der Lippe.

TIPP: So kann jeder Mikroplastik vermeiden:

- Bei Seifen, Shampoo, Peelings, Putzmittel etc. auf Naturkosmetik achten oder selber machen

- Alte Baumwoll-T-Shirts statt Mikrofasertüchern zum Putzen verwenden

- Kleidung nicht zu häufig waschen, sondern lüften

- Lieber Kleidung aus Baumwolle, statt aus Biskose, Polyester oder Polyakryl kaufen

- Kleidung mit Kunststoffanteil in einem speziellen Beutel von Guppyfriend waschen

- Keinen Weichspüler beim Waschen verwenden

- Zigarettenstummel im Restmüll entsorgen

- Wasser aus der Glasflasche oder der Leitung statt aus Plastikflaschen trinken

- Bei Bastelglitzer auf biologisch abbaubare Produkte achten

Welche Auswirkungen das auf die Gesundheit hat, ist noch unklar, sagt die Verbraucherzentrale. Das Plastik könne aber selber schädliche Chemikalien enthalten und Schadstoffe an sich binden. Tiere, die das Mikroplastik aufnehmen, können Entzündungen entwickeln. Der höchste Eintrag an Mikroplastik in die Umwelt wird übrigens durch Reifenabrieb verursacht.

TBR beseitigt illegalen Müll innerhalb eines Tages

Michael Sauer von den TBR habe festgestellt, dass an Containern oft auch andere Abfälle entsorgt werden. „Da wo Müll liegt, wird oft noch mehr dazu gelegt.“ Wer beim illegalen Müllablegen erwischt wird, müsse bis zu 50 000 Euro Strafe zahlen. „Wer schon mal 1000 Euro zahlen musste, überlegt sich zweimal, ob er nicht die fünf Euro beim Wertstoffhof zahlt“, sagt Michael Sauer. Die Müllkippen können Bürger als Mängel in der App der Stadt oder der TBR melden. „Wir versuchen, das innerhalb eines Arbeitstages zu beseitigen“, erklärt Sauer. Drei bis zehn Meldungen gehen täglich bei den Betrieben ein.

Generell leere der TBR öffentliche Papierkörbe drei Mal täglich und prüfe die Befüllstände der Papierkörbe. Wenn einer immer voll ist, werde ein zweiter aufgestellt.

Dennoch müssen immer wieder Freiwillige losziehen, um Müll einzusammeln. Wie bei den 14. Bergischen Müllsammeltagen.

So können Kommunen Abfälle vermeiden.

Alle Folgen zur Serie „Natürlich nachhaltig“ finden Sie hier.

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