Die große Nachhaltigkeitsserie

Wie können Kommunen Abfälle vermeiden?

Ali Günesgör sammelt bei den TBR den Hausmüll ein. Foto: Michael Schütz
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Ali Günesgör sammelt bei den TBR den Hausmüll ein.
  • VonValeria Schulte-Niermann
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Aufklärung, Forschung und Gesetze helfen bei der Müllreduzierung.

Remscheid. Müll verbraucht Ressourcen, schadet der Umwelt und somit auch dem Menschen. 22.520 Tonnen Restmüll fallen jährlich in Remscheid an. Wie können Städte und Kommunen diese Verschwendung reduzieren – besser noch, vermeiden?

Besser als Deutschland mache es laut Henning Wilts vom Wuppertal Institut die Niederlande. „Die sind im Vergleich zu uns ein sehr rohstoffarmes Land und versuchen, wo immer es geht, Dinge möglichst gut zu recyceln”, sagt er. Andere Positivbeispiele sind Flandern mit vielen Second-Hand-Kaufhäusern und England mit „Selbstverpflichtungen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen, die schon Milliarden an Euro eingespart haben”, erklärt Wilts.

Mehrwegangebote in Drogerien, Unverpackt-Läden oder Lieferdienste mit wiederverwendbaren Verpackungen.

Henning Wilts, Wuppertal Institut, über verpackungsarme Praktiken

In Deutschland ist momentan Kiel auf einem guten Weg. Die Stadt möchte die erste Zero Waste City Deutschlands werden und bis 2035 ihren Abfall halbieren. Düsseldorf möchte sich ab 2023 auf den Weg zur Zero-Waste-Stadt machen.

So will Remscheid Abfälle vermeiden

In Remscheid klärt die TBR bisher in Schulen auf, wenn es angefragt wird. Oder eine Organisation wird gefördert, die das übernimmt. Hier sollen sie lernen, dass Deckel von Bechern, Flaschen und Plastikschalen komplett getrennt weggeworfen werden sollen und nichts ineinander gesteckt werden darf. Die Stadt unterstützt auch die Bergische Tausch- und Verschenkbörse sowie das Reparaturcafé. Sie nimmt aber auch an einem Erfahrungsaustausch mit anderen Städten des Vereins zur Förderung der Abfallwirtschaft Rhein-Ruhr-Wupper teil.

Was könnte Remscheid besser machen?

Henning Wilts sieht besonders bei der Gestaltung von Industrieparks einen Weg. Hier könnten Kommunen stärker darauf achten, „dass da Unternehmen hinkommen, wo der eine den Abfall des anderen bei sich in der Produktion nutzen kann.”

natürlich nachhaltig

Die Wirtschaft könne außerdem noch mehr verbessern. In dem Projekt PuR möchte das Wuppertal Institut herausfinden, welche verpackungsarmen Praktiken es geben kann. „Dazu gehören unter anderem Mehrwegangebote für Hygieneartikel in Drogerien, Unverpackt-Läden, die auch die Transportverpackungen deutlich reduzieren wollen oder Lieferdienste für Essen, die auch mit besonders einfachen Rückgabeangeboten für wiederverwendbare Verpackungslösungen arbeiten”, zählt Wilts auf. Diese Lösungen sparen Geld, Zeit und erhöhen die Kundenbindung. Jedoch sei es für viele Firmen einfacher, jemanden zu bezahlen, der sich um ihre Verpackungsabfälle kümmert, wie die Entsorgungsbetriebe.

Durch das Verpackungsgesetz wurden einige Einwegkunststoffprodukte verboten

Aber: „Abfälle zu vermeiden, spart Geld”, schreibt Svenja Schulze im Abfallvermeidungsprogramm des Bundes von 2020. Die Bundesregierung könne den Rahmen setzen, dass weniger Abfälle entstehen. So trat am 3. Juli 2021 eine Änderung des Verpackungsgesetzes in Kraft. Einige Einwegkunststoffprodukte wie Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen, Wattestäbchen, Luftballonstäbe und Getränkebecher inklusive Deckel sowie Lebensmittelbehälter aus expandiertem Polystyrol dürfen nun nicht mehr in Verkehr gebracht werden.

Außerdem müssen folgende Einwegkunststoffprodukten eine Kennzeichnung tragen, die über den Kunststoffgehalt des Produkts und die unsachgemäße Entsorgung in der Umwelt aufklärt: Binden, Tampons, Feuchttücher und Tabakprodukte mit Filter. Michael Sauer von den TBR begrüßt das Gesetz, glaubt aber nicht, dass die verbotenen Produkte in einer relevanten Größenordnung stehen.

Verbraucherzentrale kritisiert Änderung des Verpackungsgesetzes

Auch die Verbraucherzentrale sieht einige Kritikpunkte: Die nun verbotenen Produkte wurden gewählt, da sie an den europäischen Stränden am häufigsten zu finden sind. Damit ist die Auswahl unvollständig. Außerdem sei die Übergangszeit für den Verkauf der Produkte nicht begrenzt und der Mehrwegansatz werde nicht gefördert. Einige Alternativprodukte seien ökologisch nicht besser als die Plastikprodukte.

Im Verpackungsgesetz wurde aber noch mehr festgelegt: Ab 2022 soll die Pfandpflicht auf Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff und Dosen ausgeweitet werden. Tetrapaks bleiben weiterhin pfandfrei. Ab 2023 müssen sogenannte Letztvertreiber, also Restaurants oder Imbisse, Lebensmittel und Getränke auch in Mehrwegverpackungen anbieten. Diese dürfen nicht teurer sein als Einwegverpackungen. Ab 2025 müssen PET-Flaschen zu mindestens 25 Prozent aus Kunststoffrezyklat bestehen, also aus recyceltem Plastik. Ab 2030 müssen Einwegkunststoffgetränkeflaschen zu mindestens 30 Prozent aus diesem Rezyklat bestehen.

Woche der Abfallvermeidung

Vom 20. bis 28. November findet die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt. Unter dem Motto „Wir gemeinsam für weniger Abfall – unsere Gemeinschaft für mehr Nachhaltigkeit!” können Bildungseinrichtungen, Vereine und andere Gemeinschaften ihren Beitrag zur Müllvermeidung leisten.
wochederabfallvermeidung.de

Vielen Remscheidern ist Mülltrennung und -vermeidung wichtig. Das zeigt eine kleine Straßenumfrage.

Alle Folgen der Serie „Natürlich nachhaltig“ finden Sie hier.

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