Wertschätzung steigt

Natürlich nachhaltig: So funktioniert Foodsharing in Remscheid

Marc Kinzinger (v. l.), Jaqueline Stiehl und Elisabeth Erbe retten täglich ein bis zwei Tonnen Lebensmittel. Denn vieles ist noch genießbar, auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde. Zuletzt mussten sie auch Lebensmittel von der Tafel retten, weil sie die Waren nicht verteilen konnte.
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Marc Kinzinger (v. l.), Jaqueline Stiehl und Elisabeth Erbe retten täglich ein bis zwei Tonnen Lebensmittel. Denn vieles ist noch genießbar, auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde. Zuletzt mussten sie auch Lebensmittel von der Tafel retten, weil sie die Waren nicht verteilen konnte.

Botschafterin Elisabeth Erbe und ihr Team retten täglich Lebensmittel vor dem Müll.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. Tomaten, Äpfel, Lauch, Brötchen, Salat und Kartoffeln: Ein bis zwei Tonnen Lebensmittel holt das Team von Foodsharing Remscheid täglich bei Supermärkten, Tankstellen und kleineren Bäckereien ab. 650 Tonnen konnten so seit Beginn des Foodsharings im Jahr 2016 in Remscheid vor dem Müll gerettet werden.

Zunächst war es nur ein einzelner Betrieb, der sich an der Rettungsaktion beteiligte. In den vergangenen Jahren ist das Netzwerk stetig gewachsen, rund 50 Betriebe kann Elisabeth Erbe nun zu den Partnern zählen. Sie ist Foodsharing-Botschafterin für Nordrhein-Westfalen und zusammen mit Mirjam Starke Botschafterin für Remscheid. Von anfänglich fünf aktiven Teilnehmern ist mit den Betrieben auch das Foodsharing-Team auf 145 Ehrenamtler angewachsen. Sie holen jeden Tag Lebensmittel ab, die nicht mehr verkauft werden können. Bevor die Lebensmittel den Besitzer wechseln, sortieren die Retter auch noch das Gut.

Elisabeth Erbe gibt Tipps, wie sich weniger Lebensmittel verschwenden lassen:

1. Konserven sind meist sehr lange haltbar, Dosen und Gewürze teilweise jahrzehntelang.

2. Aus älterem Obst und Gemüse lassen sich Smoothies machen. Wer wirklich nachhaltig leben will, muss sich damit kreativ auseinandersetzen. Reste können in einer Suppe landen.

3. Wenn doch mal zu viel übrig bleibt, den Nachbarn fragen und die Lebensmittel abgeben oder in der Foodsharing-Gruppe posten.

4. Die Sinne einsetzen, um zu entscheiden, ob Lebensmittel noch gut sind.

Mal ist nur eine Mandarine im Netz schimmelig. Der Betreiber müsse dann das ganze Netz wegwerfen, erklärt Elisabeth Erbe. Mal sind die Bananen überreif und werden dann auch weggeworfen. „Wenn man bedenkt, wie weit der Weg der Bananen aus Kolumbien ist und dass dafür Regenwälder abgeholzt werden, ist das für mich als Botschafterin ein Gräuel“, sagt sie.

Betriebe reduzieren ihre Müllkosten

Sinnvoll retten und weiterverschenken ist stattdessen die Devise – an Freunde, Nachbarn und Institutionen wie die Caritas oder an die Bewohner der Augusta Hardt Horizonte. Auch eine Schule beteilige sich und gebe bereits gekochte, aber nicht verzehrte Mahlzeiten ab, die ausschließlich privat weiterverteilt werden.

„Foodsharing ist sehr zeitaufwendig, aber ein unglaublicher Gewinn“, sagt Elisabeth Erbe. Ein Gewinn für die Lebensmittel, die einen weiten Weg hinter sich haben, ein Gewinn für die Tiere, die nicht umsonst gestorben seien. Ein Gewinn für die Betriebe: „Manche Betriebe haben die Hälfte ihrer Müllkosten reduziert“, berichtet Erbe. Und ein Gewinn für die Menschen. „Wir werden überschüttet von Glücksgefühlen. Wir beschenken Menschen. Foodsharing macht glücklich“, sagt sie.

Im Sommer boomt das Foodsharing

Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch
Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch
Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch
Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch
Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch
Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch
Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch
Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch
Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch
Im Sommer boomt das Foodsharing
Im Sommer boomt das Foodsharing © Roland Keusch

Zehn Tonnen Nudeln habe das Team einmal geschenkt bekommen. Mit Bussen und Anhängern wurden die Nudeln in Remscheid, Solingen, Wuppertal, Hückeswagen und Gummersbach verteilt.

Wie viel zu tun ist, variiere je nach Jahreszeit, berichtet Erbe. Manche Ehrenamtler fahren dabei bis zu fünf Mal in der Woche raus, andere zwei Mal im Monat – so, wie es jedem am besten passt. „Im Januar/Februar ist so gut wie kein Obst und Gemüse zu retten. Dann ist keine Erntezeit und es gibt keine Überproduktion,“ sagt die Botschafterin. Ab Juli boome das Foodsharing hingegen. „Manche von uns kochen das Obst ein und verschenken es an die Betriebe“, berichtet Elisabeth Erbe.

„Foodsharing macht glücklich.“

Elisabeth Erbe, Foodsharing Remscheid

Sie selbst habe durch das Foodsharing gelernt, mit dem zu kochen, was gerade da ist – auch wenn die Mahlzeit dann mal bunt zusammengewürfelt ist. „Bei manchen Menschen passiert tatsächlich ein Umdenken“, stellt sie fest. Abgelaufene Lebensmittel landen nicht sofort in der Tonne, übrig Gebliebenes wird vor dem Urlaub in der Facebook-Gruppe angeboten. „Die Lebensmittel werden mehr wertgeschätzt“, schätzt Erbe.

Unterstützt wird das Foodsharing-Team von der Stadt Remscheid. Die Stadt helfe, das Netzwerk zu erweitern, gebe selbst Lebensmittel weiter, die im Rathaus übrig bleiben, berichtet Erbe.

Remscheid ist die erste offizielle Foodsharing-Stadt

„Bei städtischen Veranstaltungen ist es Gang und Gäbe, übrig gebliebene Waren dem Foodsharing-Projekt zukommen zu lassen“, erklärt Stadtsprecherin Viola Juric auf Nachfrage. „Auch sonst unterstützen wir, wo wir können.“

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Über einen Punkt freut sich Elisabeth Erbe besonders: „Remscheid ist die erste offizielle Foodsharing-Stadt.“ Ihre Mit-Botschafterin Mirjam Starke wurde dafür vom Bundespräsidenten nach Berlin eingeladen. Erbe: „Wir sind eine tolle große Einheit, die zusammenhält und für Nachhaltigkeit in der Stadt sorgt.“

Zu diesen Zeiten werden Lebensmittel verschenkt

Jeden Dienstag verschenkt der Neue Lindenhof von 12 bis 12.30 Uhr Lebensmittel. Private „Fairteilungen“ sind zumeist über WhatsApp organisiert. Kontakt zu Foodsharing Remscheid über remscheid@foodsharing.network oder über Facebook: https://t1p.de/kjl5

Greenpeace informiert auf seiner Internetseite über die Haltbarkeit von Lebensmitteln nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums: https://t1p.de/85xf

Auch an verschiedenen Orten der Nachbarstädte Remscheids werden Lebensmittel gerettet. Zur Facebook-Seite Wuppertal: https://t1p.de/kavlp

In Wermelskirchen kümmert sich Svetlana Kapleta ums Foodsharing.

Foodsaving Solingen: Auch in Solingen werden Lebensmittel vor dem Müll gerettet. www.foodsaving-solingen.de

Was ist für Sie Nachhaltigkeit?

Elisabeth Erbe: „Nachhaltigkeit ist, wenn man bewusst mit den Ressourcen umgeht und sie nicht mehr verschwendet.“

Serie

Hier finden Sie alle Teile der großen Nachhaltigkeitsserie im RGA.

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