Die große Nachhaltigkeitsserie

Natürlich nachhaltig: Stadtwerke setzen auf Elektrobusse

Ein Elektrobus tankt an einer Schnellladesäule in Oberhaus Strom. Bald wird das auch in Remscheid möglich sein. Foto: Roland Weihrauch/dpa
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Ein Elektrobus tankt an einer Schnellladesäule in Oberhaus Strom. Bald wird das auch in Remscheid möglich sein.

Am 27. Oktober soll der Testbetrieb auf drei Linien starten – Der Kauf erfolgt bis 2024.

Von Frank Michalczak und Katharina Birkenbeul

Am 27. Oktober beginnen bei den Stadtwerken die Vorboten einer neuen Zeit: Ein Elektrobus wird Passagiere auf den Linien 664, 669 und 240 transportieren. Es ist der Start einer Testphase mit einem Fahrzeug von Volvo. Danach folgt der Einsatz von unterschiedlichen Elektromodellen diverser Anbieter, mit denen das Unternehmen in den kommenden Monaten Erfahrungen im laufenden Betrieb sammeln will.

Ein rein emissionsfreier ÖPNV ist nicht nur realistisch, es ist der Plan der Zukunft.

Armin Freund, Leiter des Geschäftsbereiches Mobilität bei den Stadtwerken

Umfangreiche Informationen hatten dazu die Stadtwerke-Mitarbeiter Armin Freund und Christof Gorski in den zuständigen Ausschuss für Bauen und Umwelt mitgebracht, der am Dienstagabend unter der Leitung von Otto Mähler (SPD) tagte. Armin Freund blickte dabei auf eine Studie zurück, bei der Experten seit Herbst 2020 untersuchten, welcher alternative Antrieb künftig die 86 Diesel-Busse der Stadtwerke ersetzen soll.

Dabei schieden auf der Grundlage von Kriterien wie Wirtschaftlichkeit und ökologischem Nutzen Wasserstoff-Antrieb oder auch die Oberleitungsbusse nach Solinger Vorbild aus. Übrig blieb der Elektroantrieb, wobei es nun gilt, eine Infrastruktur für das „Stromtanken“ aufzubauen. „Das wäre zentral auf unserem Betriebsgebäude denkbar. Dann würden die Busse über Nacht aufgeladen, wofür allerdings schwerere Batterien nötig wären“, erläuterte er.

Natürlich nachhaltig

Die Alternative wären mehrere Ladestationen an den Endpunkten der Buslinien. Die Fahrzeuge würden in diesem Fall mehrfach am Tag Strom erhalten. Der Tankvorgang wäre schneller, die Batterie deutlich leichter. „Bei beiden Konzepten gibt es Vor- und Nachteile“, erklärt Christof Gorski, der bei den Stadtwerken für innovative Fahrzeugtechnik zuständig ist.

Diese lässt aber nach der Testphase noch etwas auf sich warten. Armin Freund, Leiter des Geschäftsbereiches Mobilität, rechnet damit, dass 2024 der erste Elektrobus regulär zum Einsatz kommt. „Ein rein emissionsfreier ÖPNV ist somit nicht nur realistisch, es ist der Plan der Zukunft“, so Armin Freund im RGA-Gespräch.

Allerdings gilt es nicht nur, die Infrastruktur für das Stromladen aufzubauen – auch Fördermittel müssten her. Ein gängiger Dieselbus koste rund 230 000 Euro. „Ein Batterie-Bus ist mehr als doppelt so teuer“, erklärte er. Auf 16 Jahre ist das Austauschprogramm angelegt, dann sollen die letzten Diesel-Modelle von den Remscheider Straßen verschwunden sein.

So viel CO2 sparen die Mild-Hybrid-Busse ein

Das kommt der Umwelt zugute. Bereits jetzt sparen die 20 Mild-Hybrid-Busse, die seit Dezember 2018 in Remscheid in Betrieb sind, jeweils 265 Kilogramm C02 auf einer Strecke von 100 Kilometern ein. Zudem sollen Ende November zwölf neue Hybrid-Busse geliefert werden, die im Jahr 2022 zusammen 1900 Tonnen CO2 einsparen werden. Bei den Mild-Hybrid-Bussen wird der Dieselmotor durch einen Elektromotor unterstützt. Beim Bremsen oder im Schubantrieb speichert der Elektromotor Strom und kann diese gespeicherte Energie beim Beschleunigen verwenden.

Um während des Umbaus des Friedrich-Ebert-Platzes einen reibungsfreien Öffentlichen Nahverkehr bieten zu können optimieren die Stadtwerke ihren Fahrplan. Auch das Klima soll damit geschützt werden.

So sieht es in anderen Städten aus

Solingen: In Solingen fahren einige Busse schon seit Ewigkeiten elektrisch. Die Oberleitungsbusse werden zudem seit 2011 komplett mit Ökostrom betrieben. Dazu kommen die BOBs (batteriebetriebene Oberleitungsbusse): Sie können ihre Batterie während der Fahrt an der Oberleitung aufladen und somit Strecken, für die sie von der Oberleitung abgekoppelt sind und normalerweise mit Diesel weiterfahren müssen, elektrisch zurücklegen.

Burscheid/Wermelskirchen: Die RVK (Rheinischen Verkehrstriebe Köln) fahren seit 2020 bereits mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen-Busse, die rein elektrisch fahren. 35 dieser Busse gibt es bereits, weitere 15 sollen Ende des Jahres kommen.

Serie

Die Serie „Natürlich nachhaltig“ erscheint in loser Folge. Darin beschäftigen sich federführend die drei Volontärinnen der Mediengruppe B. Boll, Valeria Schulte-Niermann, Alexandra Dulinski und Katharina Birkenbeul, mit dem Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den Bereichen Ernährung, Mobilität und Konsum.

Hier findet ihr eine Übersicht über die anderen Teile der großen Nachhaltigkeitsserie „Natürlich nachhaltig“: rga.de/nachhaltig

Standpunkt

Kommentar von Frank Michalczak

frank.michalczak@rga.de

Mit dem Einsatz von Elektrobussen läuten die Stadtwerke eine neue Ära ein. Die ökologische Wende beginnt zunächst einmal mit einem Testbetrieb, bei der Modelle unterschiedlicher Hersteller zum Einsatz kommen. Doch: Wer nun glaubt, die neue Technik würde quasi über Nacht den Diesel-Antrieb ersetzen, ist auf dem Holzweg. Frühestens 2024 wird der erste Batteriebus auf den Straßen Remscheids Fahrgäste von A nach B bringen, kündigt das Verkehrsunternehmen an. Bis dahin gilt es, Fördermittel zu beantragen und die Ladestationen aufzubauen – sei es an diversen Endpunkten von Linien oder auf dem Betriebsgeländer der Stadtwerke. Es ist eindeutig, dass die Umwelt von dem alternativen Antrieb profitiert, der hoffentlich per Öko-Strom betrieben wird. Ein wenig mehr Tempo wäre aber wünschenswert. Und: Muss es wirklich 16 Jahre dauern, bis alle herkömmlichen Busse aus dem Verkehr gezogen werden? Ein früheres Aus wäre möglicherweise nicht wirtschaftlich. Es wäre aber ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz.

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