Vorschlag

Nahverkehr: Hardt plädiert für 365-Euro-Pflichtticket

Bald kann das Neun-Euro-Ticket genutzt werden. Doch bereits jetzt fallen bei der Stadtwerke zahlreiche Busse aus.
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Das Neun-Euro-Ticket kann noch bis zum 31. August genutzt werden.
  • VonBjörn Boch
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Der CDU-Bundestagsabgeordnete schlägt eine staatliche Abgabe für den ÖPNV vor. Das sind seine Argumente dafür.

Von Björn Boch

Remscheid. In dieser Woche läuft das 9-Euro-Ticket aus, eine zeitnahe Verlängerung wird es nicht geben. Doch wie geht es in Zukunft weiter? Jürgen Hardt (CDU), Bundestagsabgeordneter für Solingen, Remscheid und Wuppertal, plädiert für ein 365-Euro-Ticket. Bundesweit gültig, verpflichtend für alle. „Ich bin seit vielen Jahren, auch als Diplom-Volkswirt, der Überzeugung, dass der Nutzen von Öffentlichem Personennahverkehr nicht nur bei denen liegt, die den Bus oder den Zug nutzen. Sondern auch bei denen, die mit dem Auto unterwegs sind“, sagte Hardt. „Genau umgekehrt argumentieren wir ja auch beim steuerfinanzierten Autobahnbau.“

Ausnahmen und Abstufungen solle es geben für Kinder, Senioren und finanziell schlechter gestellte Menschen. Für internationale Geschäftsreisende oder Touristen seien Angebote für Wochen- oder Monatstickets denkbar. Selbst wenn es im Schnitt nur 20 Euro pro Bürger seien, käme einiges an Geld zusammen, das für den Ausbau der Infrastruktur im Nahverkehr verwendet werden könnte.

Die Ampel-Regierung in Berlin hatte für Juni, Juli und August die Nutzung des Nahverkehrs für 9 Euro bundesweit pro Monat beschlossen, um die Menschen zu entlasten. Kostenpunkt: rund 2,5 Milliarden Euro. Die Autofahrer erhielten einen Tankrabatt, der mit mehr als 3 Milliarden Euro Steuermitteln finanziert wurde.

„Selbst wenn jemand nur das Auto nutzt, kostet ihn das Ticket zwar trotzdem 365 Euro. Sein Nutzen, wenn er mit dem Auto in die Stadt fährt, ist aber deutlich höher als ein Euro am Tag“, ist Hardt überzeugt. Die Straßen seien weniger stark befahren und es gebe mehr Parkplätze, wenn mehr Menschen Bus und Bahn nutzten.

Er könne sich außerdem nicht vorstellen, dass Menschen bei diesem „Ticket für alle“ den ÖPNV dann überhaupt nicht nutzten. So könnte der gewünschte Effekt erzielt werden, dass Menschen häufiger auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Auch Radfahrer würden ein solches Ticket bei schlechtem Wetter und im Winter sicher oft nutzen.

Monatskarten sind derzeit deutlich teurer

Das Ticket könnte als staatliche Abgabe definiert werden. „Genauso, wie wir alle für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zahlen, wäre das auch für den ÖPNV denkbar“, sagte Hardt unserer Redaktion.

Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) kostet das Ticket 1000 in der Preisstufe A 1 im Abo aktuell 63,95 Euro und damit mehr als doppelt so viel wie ein Ticket, das mit einem Euro pro Tag zu Buche schlagen würde. Der Verkehrsclub Deutschland hatte jüngst ein freiwilliges „Länder-Plus-Ticket“ zur Diskussion gestellt, gültig in jeweils einer von acht Zonen, in die Deutschland unterteilt ist, sowie ein Deutschland-Ticket Regionalverkehr, das alle Regionen umfasst. Für das Länder-Plus-Ticket schlug der VCD einen Preis von 75 Euro im Monat (900 Euro im Jahr) vor.

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