Führung

Nach vier Jahren Pause: Kinobunker öffnet wieder

Zum Start nahm eine kleine Gruppe an der Bunker-Führung teil.
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Zum Start nahm eine kleine Gruppe an der Bunker-Führung teil.

Es gab die erste Führung nach vier Jahren Zwangspause an der Humboldtstraße.

Von Peter Klohs

Remscheid. Nach vier Jahren Zwangspause öffnete der Kinobunker an der Humboldtstraße in Honsberg am Samstag wieder seine Tore für eine Führung durch das denkmalgeschützte Gebäude. Nach der großen Deckenrenovierung hatte die Pandemie den Betrieb lange nicht mehr zugelassen.

„Wir haben jedoch die zwei Corona-Jahre dafür genutzt, die Ausstellung im Bunker deutlich ansprechender zu gestalten“, verrät Markus Bertram vom gemeinnützigen Museumsverein Kinobunker Remscheid e.V., der sich seit 13 Jahren um das Gebäude kümmert. „Und das ist uns mit Hilfe von Spezialfirmen und einigen tatkräftigen Mitgliedern in rund 1500 Arbeitsstunden auch gelungen.“

Das Gebäude, in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts geplant, wurde in den Jahren 1941/42 gebaut und nie fertiggestellt. Im 2. Weltkrieg diente der hässliche Betonklotz, der in der Planung wie ein Wohnhaus aussah, als Luftschutzbunker. In späteren Jahren wurde er als Kino, Varieté, Schule und Boxarena genutzt. Im Eingangsbereich wartet Kinoambiente aus den 50er-Jahren auf die Besucher, die an diesem Nachmittag mit knapp einem Dutzend eher eine kleine Gruppe darstellen. Zahlreiche Plakate hängen an den Wänden: „Vom Winde verweht“, „Hausboot“, „Rio Bravo“.

Auf der Empore im ersten Obergeschoss wartet eine reichhaltig ausgestattete Ausstellung über den Luftkrieg im 1. und 2. Weltkrieg auf die Besucher. Auch sie wurde modernisiert und mit indirekter LED-Beleuchtung versehen. Durch die Verwendung von Schaufensterpuppen werden verschiedene Szenen nachgestellt. Große Schautafeln klären auf, es hängt altes Werkzeug an den Wänden, ein Feuerwehrmann mit der Uniform jener Zeit ist zu sehen. Von oben kann man in den 400 Quadratmeter großen Kinosaal schauen.

Rudi Schuricke wünscht zum Schluss „Auf Wiedersehen“

Markus Bertram erläutert und erklärt, berichtet von der Zeit der Zeppeline, erzählt von der Remscheider Industrie in Kriegstagen und weist auf die instandgesetzte Toilettenanlage aus Kriegszeiten hin. Dolche und Säbel sind dutzendweise zu sehen, eine Pflichtfibel für die Flakartillerie liegt neben einer Aufklärungsschrift „Vom Pimpf zum Flieger“. Modellflugzeuge baumeln von der Decke, eine Rot-Kreuz-Station jener Zeit ist aufgebaut worden.

Man geht weiter in die Tiefe, im Luftschutzkeller wird es kalt, Bertram erzählt von Gasjäckchen und Gasmasken für Pferde, zeigt die aufgebaute Lüftungsanlage und den tristen und niederziehenden Heizungskeller, der nie in Gebrauch war, weil Heizmaterial fehlte.

Das Bunkerkino öffnete im April 1946 und erfreute sich großen Zuspruchs. „Aber damals waren die Dünkel zwischen den Bewohnern unterschiedlicher Stadtteile noch größer als heute“, erzählt Bertram. „Es konnte sein, dass Gäste vom Kremenholl nach der Vorstellung nicht unverletzt wieder nach Hause kamen.“

Aus der Nachkriegszeit ist eine originale Küche mit Zinkbadewanne aufgebaut worden, daneben Tonbandgeräte und Grammophone. Zum Schluss wünscht Rudi Schuricke: „Auf Wiedersehen.“

Führungen

Die nächsten Führungen durch den Kinobunker (Humboldtstraße 9) findet am 16. Juli, 6. August und am 3. September statt, jeweils um 14.30 Uhr. Pro Person kostet eine Führung 10 Euro. Voranmeldung ist erforderlich unter Tel. (02 02) 2 83 86 97 oder per E-Mail: info@kinobunker.de

Lesen Sie auch zu diesem Thema: So sieht es in Remscheids Bunkern aus

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