Interview

Ralf Wieber: „Es muss jetzt langsam etwas passieren“

Ralf Wieber ist Geschäftsführer der Immobilien- und Standortgemeinschaft Alleestraße. Foto: Roland Keusch
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Ralf Wieber ist Geschäftsführer der Immobilien- und Standortgemeinschaft Alleestraße.

Ralf Wieber, Geschäftsführer der ISG, zur Zukunft der Alleestraße.

Das Gespräch führte Sven Schlickowey 

Herr Wieber, 2021 soll auf der Alleestraße allerhand passieren, hat die Verwaltung angekündigt. Kommt da bei Ihnen eher Vorfreude oder Skepsis auf, wenn Sie das hören?

Ralf Wieber: Vorfreude kommt schon auf. Der Oberbürgermeister hat das Thema ja auch priorisiert, zum ersten Mal, muss man sagen. Das gibt mir ein bisschen Hoffnung, dass nun endlich etwas passiert. Ansätze gab es ja schon, jetzt geht es um die Umsetzung. Und da bin ich mal gespannt.

Die erste Umsetzung könnte ja sein, dass bald neue Sitzbänke auf der Allee aufgestellt werden. Freuen Sie sich darauf?

Wieber: Ich denke mal, das sind kleine Tupfer, die auf der Alleestraße passieren. Und das ist auch in Ordnung so. Aber das macht den Kohl nicht so ganz richtig fett.

Die Besonderheit bei den Bänken war sicherlich die Auswahl, die sehr gut angenommen wurde. Viele Remscheider haben Probe gesessen und mit abgestimmt. Könnte das als Vorbild für weitere Schritte dienen?

Wieber: Das war natürlich auch etwas Haptisches. Man konnte sich draufsetzen, man konnte sich hinlegen. Die anderen Dinge sind allerdings sehr abstrakt, ich denke da nur an das Lichtkonzept. Es hat schon viele Bürgerbeteiligungen gegeben. Und die Reaktion von vielen Bürgern ist ja gewesen: Es gab genug Workshops, jetzt fangt endlich mal an!

Ein Vorschlag, der bei diesen Workshops stets gut ankam, war die Dreiteilung der Allee. Dabei würde sich der Handel auf dem oberen Drittel konzentrieren, Dienstleistung, Gastronomie und Wohnen würden sich auf den Rest verteilen. Ist das für Sie der richtige Weg?

Wieber: Ich denke mal, dass es gar keine andere Möglichkeit gibt. Die Alleestraße in ihrer Gänze ist einfach zu lang nur für Handel. Den klassischen Einzelhandel, wie ich ihn noch kenne, wird es nicht mehr geben, erst recht nach Corona. Was für mich wichtig ist, ist der untere Bereich, da geht ja jetzt die Volkshochschule hin. Das ist für mich echte Quartiersentwicklung. Mit einer Anbindung an den Markt, sprich: MyViertel, kann man so Leben und Lernen in diesem Bereich etablieren. Jetzt könnte man noch den ehemaligen Sinn-Leffers nutzen, um dort eine Bibliothek anzusiedeln.

„Ich denke mal, dass es gar keine andere Möglichkeit gibt.“

Ralf Wieber über die geplante Dreiteilung der Alleestraße

Aber das alte Sinn-Gebäude ist ja nicht der einzige Leerstand auf der unteren Allee.

Wieber: Auch das alte Rohr-Gebäude kommt infrage. Da könnte man zum Beispiel was zusammen mit der Gründerschmiede machen. Am Thema „Urbane Produktion“ bin ich schon seit drei Jahren zusammen mit Ralf Engel vom Einzelhandelsverband dran. Viel Hoffnung setze ich in das Programm des Landes für den Mietzuschuss, da kann die Stadt Ladenlokale anmieten und günstiger weitervermieten. Dazu haben ich bereits mit der Gründerschmiede gesprochen, ob man damit nicht junge Unternehmer auf die Alleestraße locken kann.

Eine weitere Idee ist es, das leerstehende Kino abzureißen, um eine neue Passage zum Busbahnhof zu schaffen.

Wieber: Das ist sicherlich ein Ansatz. Die Engelspassage ist ja auch noch da, die wird aber sicher ein Problem darstellen, weil da zu viele verschiedene Eigentümer dranhängen. Sicherlich ist die Idee mit dem Kino, die ja nicht neu ist, eine Super-Idee, um eine Verbindung zum Ebert-Platz zu bekommen, auch was die Erreichbarkeit mit dem ÖPNV betrifft. Das fände ich schon klasse.

Das bringt uns aber an den Punkt, an dem die Stadt Immobilien an der Alleestraße und im Umfeld erwerben muss. Sie hat bereits angekündigt, das tun zu wollen.

Wieber: Natürlich, das ist ja fremdes Eigentum, wie auch die Pavillons. So wie die der Gewag gehören, gehören die Häuser anderen Immobilienbesitzern, und da muss man eben einen Weg finden, um das sauber hinzubekommen. Enteignungen gehen überhaupt nicht, das kann nur in Verbindung mit allen Beteiligten gehen.

Wenn Sie sich eine Maßnahme für die Alleestraße wünschen könnten, die sofort umgesetzt würde, was wäre das?

Wieber: Ich würde auf der mittleren Alleestraße die Leerstände links und rechts mit Gastronomie füllen und im unteren Bereich die Quartiersentwicklung fortsetzen, um wieder für mehr Leben zu sorgen. Wichtig ist für mich aber auch, dass der Bürger außer Bänken jetzt mal was sieht. Es muss etwas in dieser Grundstruktur, die mit dieser Dreiteilung gelegt wurde, passieren. Und zwar sichtbar. Ich glaube, dass die Zeit langsam vorbei ist, dass dieses Herumschwadronieren aufhört, es muss jetzt langsam etwas passieren. Egal, was.

Zur Person

Ralf Wieber gilt bei vielen als „Mister Innenstadt“, er ist Geschäftsführer der Immobilien- und Standortgemeinschaft Alleestraße und Vorsitzender des Vereins Marketing Innenstadt. Wieber betreibt eine Tanzschule in der City, sitzt für die CDU im Stadtrat und in verschiedenen anderen politischen Gremien. Er ist verheiratet und Vater von zwei Söhnen.

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