Neues Konzept

Musikschule soll Flüchtlinge integrieren

Die Galerie vereint moderne und alte Baumaterialien. Künftig sollen die leer stehenden Räume zur Musikschule werden.
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Die Galerie vereint moderne und alte Baumaterialien. Künftig sollen die leer stehenden Räume zur Musikschule werden.

Das sorgt für Streit: Mit dem Umzug in die Galerie soll ein Begegnungszentrum entstehen.

Von Axel Richter

Soll die Musik- und Kunstschule am neuen Standort zum Begegnungszentrum mit Flüchtlingen werden? Oder doch lieber bleiben, was sie ist? Das ist die Frage, die sich für die Zukunft der Einrichtung stellt. Was im Stadtrat für die einen einer idealen Integrationsarbeit entspricht, ist für die anderen schon im Ansatz „unseriös“ und „stümperhaft“. Kommen soll das Begegnungszentrum mit Musikschule nun trotzdem.

Wie ist die Ausgangslage?

Die Musik- und Kunstschule hat ihr Domizil in der Bökervilla. Die Stadt will die Villa verkaufen, um Geld in die leere Haushaltskasse zu bekommen. Die Musik- und Kunstschule soll in die Räume der Galerie an der Scharffstraße einziehen. Die Galerie hatte die Stadt vor einem Jahr ebenfalls aus Spargründen und wegen geringer Besucherzahlen geschlossen.

Wie wollte die Stadt den Umzug finanzieren?

Der Umzug der Musik- und Kunstschule sollte durch den Verkauf der Bökervilla finanziert werden. Der Plan ist geplatzt. Die Gastronomen, die sich für die Villa interessiert hatten, sprangen wieder ab.

Und jetzt?

Jens Nettekoven vermisst ein Konzept für die Musikschule.

Der Remscheider Landtagsabgeordnete Sven Wolf (SPD) hat die Stadt auf ein Förderprogramm des Landes aufmerksam gemacht. Es gibt Geld zur Integration von Flüchtlingen. Aus diesem Programm hat die Stadt Remscheid 684 000 Euro für die Musik- und Kunstschule beantragt. Die müsste damit aber nicht nur in die Galerie umziehen, sondern sich auch anders ausrichten: als Begegnungszentrum zur Integration von Flüchtlingskindern.

Wie stehen die Ratsfraktionen dazu?

In der jüngsten Sitzung des Stadtrates wurde über den Plan für ein Begegnungszentrum heftig gestritten. „Sie entwickeln ein Wolkenkuckucksheim“, hielt der CDU-Kulturpolitiker Karl Heinz Humpert Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz vor. Die Galerie sei als Standort einer Musikschule ungeeignet. Zudem: „Wie soll denn Integration betrieben werden, wenn da zugleich musiziert wird?“, fragte er. Mast-Weisz (SPD) hielt dagegen: „Es ist doch nicht so, dass oben die Flöte gespielt wird und unten Sprachkurse stattfinden.“ Die Stadt habe jetzt „die einmalige Chance, Fördergelder zu bekommen, um damit die Kultur zu fördern“, hielt auch Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann (CDU) fest. Und der Kultur komme bei der Integration vor allem der Kinder eine wesentliche Rolle zu. „Wir stehen damit vor der riesigen Herausforderung“, erklärte Henkelmann.

Und die Musik- und Kunstschule? Wo sieht sie ihre Aufgabe?

Aus dem Kulturausschuss ergingen mehrere Einladungen an die vor einem halben Jahr eingestellte neue Leiterin Dorothee Mügge. Bislang kam es nicht zu einem Treffen. Im Ausschuss sah sich Klaus Küster (Linke) deshalb „verschaukelt“. Im Stadtrat mahnte David Schichel (Grüne) ein Konzept für die Musik- und Kunstschule an. Sie möge sich öffnen – sowohl den sozial schwächer gestellten Kindern als auch denen aus Flüchtlingsfamilien. Die Forderung sei nicht neu. Die Nutzerdaten zeigen: Die Musik- und Kunstschüler haben besser situierte Eltern.

Wie geht es jetzt weiter?

KRITIK AM OB

TRUTZBURG Nach der Entscheidung im Rat übt CDU-Fraktionschef Jens Nettekoven Kritik an OB Mast-Weisz. Die CDU sei über die Pläne der Verwaltung schlecht informiert worden. Das Rathaus sei unter Mast-Weisz zur „Trutzburg“ geworden. Nun werde die Musik- und Kunstschule ohne jedes Konzept in die frühere Galerie „gepackt". Wie in dem Gebäude dann auch noch Integrationsarbeit stattfinden soll, weiß kein Mensch.“

Mit 27 Ja-Stimmen, überwiegend aus SPD, Grünen und FDP, votierte der Rat für die Bewerbung um die Fördergelder des Landes. Fließen sie, rückt der Umzug näher. Ein Käufer für die Bökervilla ist noch nicht gefunden.

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