„Musikladen“ nimmt Zuhörer auf Gute-Laune-Reise in die Vergangenheit mit

Bei Patti La Belles „Lady Marmalade“ ging die Post im Publikum richtig ab. Foto: Michael Schütz
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Bei Patti La Belles „Lady Marmalade“ ging die Post im Publikum richtig ab.

Stehende Ovationen für das Westfälische Landestheater im Teo Otto Theater – Zweistündiges, stimmgewaltiges Feuerwerk mit vielen 70er- und 80er-Hits

Von Monika Meurs

Als „musikalische Wundertüte“ wurde der „Musikladen“ angekündigt. Das blieb kein leeres Versprechen. Denn was das Westfälische Landestheater im Teo Otto Theater in einer zweistündigen Vorstellung als stimmgewaltiges Feuerwerk zündete, ließ den Funken bei den 170 Besuchern überspringen und führte zu verdienten Standing Ovations. Die Inszenierung war eine Hommage an die TV-Sendung „Musikladen“, von Radio Bremen produziert und 1972 erstmals als Nachfolger des legendären „Beat Club“ ausgestrahlt. Hier traten bis November 1984 Größen der Musikgeschichte live vor der Kamera auf.

Darunter innovative Bands und Stars wie The Police, Ike und Tina Turner, Mead Loaf, The Sweet, David Bowie, The Rolling Stones, T. Rex, Boney M., ABBA. Eine wilde Mischung wurde in einer Zeitreise durch die 70er- und 80er-Jahre geboten: Rock, Pop und Blues, Country, Metal, Jazz und Soul, Rock‘n‘Roll sowie Disco. Würze bekamen die Musik-Darbietungen im damaligen Fernsehformat durch kabarettistische Einlagen. Das Konzept hob sich ab von den Musiksendungen der älteren Generation und verlieh den Jüngeren im wahrsten Sinne des Wortes eine Stimme. In Anlehnung an das bekannte TV-Projekt nahmen die Akteure des Westfälischen Landestheaters mit den Musikern des Lippe-Saiten-Orchesters mit auf eine Reise durch die progressiven Jahrzehnte der Popmusik – optisch wie akustisch, manchmal entwaffnend selbstironisch. Schon beim zweiten Song „Lady Marmalade“ - fantastisch von den weiblichen Darstellerinnen in Szene gesetzt, bekleidet mit etwas stacheligen, wahrscheinlich unbequemen, aber hübsch anzusehenden Kostümen – wippten die Köpfe, die ersten Füße im Publikum mit, im Takt wurde „sitz-getanzt“. Das Publikum hatte Lust auf mehr.

Der unausgesprochene Wunsch blieb nicht ungehört. Hätten alle im Auditorium lange Haare gehabt, wäre die Zeitreise perfekt gewesen. Hätte es Stehplätze gegeben, wäre der ganze Saal in Bewegung gewesen. Sämtliche Köpfe gingen mit, vor allem bei der fantastischen Solo-Partie „Love Hurts“ von Nazareth, gepaart mit Gänsehaut bei ABBA, gefolgt von gebannter Faszination bei „Nutbush City Limits“.

Lacher kassierten die Kostüme, die die Darstellerinnen bei so manchem „Schlager der 70er“ in knappen Röckchen, heißen Fummeln, die Jungs in Schlaghosen und Glitzer-Hemden, zur Schau trugen; die minimalistisch eingesetzte Lichtorgel machte das Bild „von damals“ rund. Das waren Erinnerungen pur, das war Musik für die Augen, Optik fürs Gehör. Bei ruhigeren Liedern wurde ein Hauch von Romantik deutlich mit geschwenkten Handy-Taschenlampen aus dem Saal, sozusagen als stillschweigender Applaus. Dann wurde gerockt zu „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show. Eine Glanzleistung der acht Akteure und des Live-Orchesters, die den Zuschauer bis zum Ende mitnahm. Wermutstropfen war die Akustik, die dem ausdrucksvollen Sound der Akteure nicht immer das Wasser reichen konnte.

Aber wichtig ist, was bleibt. „Eine großartige Gute-Laune-Vorstellung“, befand Erika Giersbach (73): „Ich fühle mich total beschwingt. Heute trage ich einen Gehstock mit mir herum, früher hab ich mitgetanzt. Aber: Ich fühle mich jung. Ziel erreicht.“ „Eine solche Musik war für meine Eltern damals ein Schock, für uns aber Antrieb, Ausdruck unser selbst. So ist das bis heute“, sagte Brigitte Erbertz (72) schmunzelnd.

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