MÜNGSTENER BRÜCKE Züge fahren ohne Fahrgäste

Ein "Konzept zur Zukunft der Müngstener Brücke" präsentierte die Detusche Bahn Ende Januar im Haus Müngsten.© Archiv-
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Ein "Konzept zur Zukunft der Müngstener Brücke" präsentierte die Detusche Bahn Ende Januar im Haus Müngsten.<br><i>© Archiv-

In einem Punkt hält die Deutsche Bahn (DB) zumindest Wort: Ab Montag fahren wieder Personenzüge über die Müngstener Brücke. Weil die Züge aber schwerer sind als beim Eisenbahnbundesamt beantragt, müssen die Fahrgäste vorher aussteigen. Während die Züge leer über die Brücke fahren, sollen die Kunden weiter mit Bussen zwischen Güldenwerth und Solingen-Mitte pendeln.

Die Nachricht kam gestern gegen 17 Uhr: "Durch eine fehlerhafte Gewichtsangabe im Antrag der Deutschen Bahn reicht der Bescheid des Eisenbahnbundesamtes (EBA) nicht aus, um mit der Baureihe VT 628.4 mit Reisenden über die Brücke zu fahren. Die Züge müssen als Leerfahrt verkehren", so die Mitteilung der DB.

Bis eine neue Berechnung ausgearbeitet und vom EBA genehmigt ist, muss der "Müngstener" leer über die Brücke fahren. Zwischen Solingen-Mitte und Remscheid-Güldenwerth verkehren weiter Ersatzbusse, Fahrgäste erreichen dann jeweils erst die nachfolgende Bahn.

Der RGA hatte am Donnerstag Recherchen veröffentlicht, die auf das zu hohe Gewicht des 628.4 hinwiesen. Bahnsprecher Udo Kampschulte bezeichnete diese Vorwürfe zunächst als "kompletten Unsinn". Gestern früh dann schickte unsere Zeitung den Beweis in Form eines bahninternen Dokuments an Bahn und EBA. Daraufhin sagte Kampschulte am Mittag, man werde die "Verwirrung" aufklären.

Gestern Abend dann die Wende: "Sie können uns glauben, wir gehen in Sack und Asche. Ich hätte die Vorwürfe nie so heftig dementiert, wenn ich für möglich gehalten hätte, dass unser eigener Antrag falsch ist."

Schuld ist wohl die bahninterne Verwechslung von Gesamtgewicht und Eigengewicht. Das Eigengewicht eines einsatzbereiten 628.4 mit zwei Dritteln Vorräten liegt nur bei 69,9 Tonnen. Allerdings sind darin Passagiere nicht eingerechnet. Dafür ist das Gesamtgewicht maßgeblich. Das beträgt 81 Tonnen.

Da das EBA ausdrücklich Begegnungsverkehr genehmigt hatte, versuchte die Bahn, lediglich diese Erlaubnis wieder zu streichen. "Die Belastung für die Brücke ist aber eine ganz andere", sagt EBA-Sprecher Moritz Huckebrink. Bei den beiden Fahrwegen handelt es sich um getrennte Konstruktionen. Klar ist, dass die Bahn die Berechnungen zur Standsicherheit überarbeiten muss.

Es ist völlig offen, wann der Müngstener wieder mit Passagieren über die Brücke fahren kann. Allein vom vorigen Eingang aller Unterlagen der Bahn beim EBA bis zur Genehmigung vergingen drei Wochen.

Über die neuerliche Panne unterrichtete ein Bahn-Vertreter gestern telefonisch auch Oberbürgermeisterin Beate Wilding. Die meldete sich sogleich beim RGA und zeigte sich fassungslos.

Nach eigenen Angaben fragte sie den DB-Mann am Telefon, ob es sich um einen Aprilscherz handele. Dies habe der aber verneint. Dass so etwas passieren kann, so kommentierte die Oberbürgermeisterin gegenüber dem RGA, "darf doch wohl nicht wahr sein". Wilding befürchtet jetzt, dass die Bahn-Kunden weitere fünf bis sechs Wochen mit Verzögerungen rechnen müssen.

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