Diskussion

Müngstener Brücke: Radverkehr bleibt Thema

Referent Prof. Dr. Horst A. Wessel informierte über Perspektiven für die Müngstener Brücke.
+
Referent Prof. Dr. Horst A. Wessel informierte über Perspektiven für die Müngstener Brücke.

Arbeitsgemeinschaft 60plus der SPD informierte bei Jubiläumsveranstaltung über die Ideen für das Bauwerk.

Von Peter Klohs

Bergisches Land. Am vergangenen Freitag jährte sich die Einweihung der Müngstener Brücke zum 125. Mal. Der verkehrstechnische Wert des Bauwerks wurde im Laufe der Zeit nie bezweifelt. Im Gegenteil: Es ist zum Aushängeschild des Bergischen Landes geworden. Um dies gebührend zu würdigen, fand am Sonntagmorgen im Namen des Remscheider SPD-Arbeitskreises 60plus eine Informationsveranstaltung im Haus Müngsten, unmittelbar unter der Brücke, statt. Die Vergangenheit des Bauwerks wurde eingehend dargestellt, die mögliche Zukunft der Brücke jedoch nicht vergessen. Der stellvertretende Vorsitzende der AG 60plus, Gerd Münnekehoff, wies in seiner Begrüßung vor 90 interessierten Besuchern darauf hin, dass man „über die erweiterte Nutzung der Müngstener Brücke“ nachdenken müsse.

Einige Ehrengäste waren ebenfalls vor Ort und ließen in kurzen Redebeiträgen ihren Bezug zur Brücke deutlich werden. Der Bundesvorsitzende der AG 60plus, Lothar Binding, erklärte, er sei aus Heidelberg mit der Bahn angereist. „Beinahe pünktlich“, führte er lächelnd aus, „aber die S 7 hatte etwas dagegen.“ Der Bundestagsabgeordnete Ingo Schäfer (SPD) stellte die Frage, was nötig sei, die vorhandenen Trassen miteinander zu verbinden. Remscheids OB, Burkhard Mast-Weisz, gab bekannt, dass er die Idee, die Brücke mit dem Fahrrad befahren zu können, um so das Tal der Wupper zu queren, ausdrücklich unterstütze.

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Udo Schiefner, bekannte, die Brücke nach wie vor zu bewundern. „Ich komme vom Niederrhein“, sagte er. „Da gibt es Vergleichbares nicht.“

In einem Vortrag stellte Prof. Dr. Horst A. Wessel die Bedeutung der Müngstener Brücke vor allem für die Remscheider Industrie dar. Er zeigte eine Original-Schraube, die in der Brücke verbaut war, ein 20 Zentimeter langes Bauteil. Auch einen Niet hatte er mitgebracht. Fast 940 000 dieser Niete halten die Brücke zusammen. Der Bau der Müngstener Brücke sei viele Jahre lang als unmöglich angesehen worden. Er sprach von einer Mobilitätswende, die die Müngstener Brücke eingeleitet habe. „Und“, ergänzte er, „die damaligen Baukosten wurden mit fünf Millionen Reichsmark angegeben. Man ist darunter geblieben. Heutzutage wäre das ein Wunder.“

Beim Bau der Brücke seien insgesamt zehn Arbeiter ums Leben gekommen, eine Zahl, die relativ gering sei, wenn man bedenke, dass es Unfallverhütungsvorschriften und dergleichen damals noch nicht ansatzweise gab. Prof. Dr. Wessel, Industriehistoriker und Weltkulturerbe-Gutachter, ging auch auf die mögliche Zukunft der Brücke und besonders auf den angedachten Fahrradweg direkt unterhalb der Gleise ein. „Warum soll man diesen Weg für Fahrräder und Fußgänger nicht nutzen?“ fragte er. „Die jetzt noch fehlende Sicherheit kann man einfach mit Netzen herstellen. Ich habe viele Leute gesprochen, die in Remscheid wohnen und in Solingen arbeiten – oder umgekehrt - und sofort auf das Fahrrad umschwenken würden, wenn es eine solch tolle Verbindung zwischen Remscheid und Solingen gäbe.“

Abschließend stellte Klaus Walder vom Verein Bergischer Brückenschlag e.V. eine visionäre Fahrradrunde durch die drei bergischen Großstädte vor. Die Wuppertaler Nordbahntrasse wurde dabei ebenso bedacht wie die Solinger Korkenzieher- und die Remscheider Balkantrasse. Walder wies auch auf die möglichen Probleme durch geplante Großbaustellen hin. Das Projekt „Museumszug“ kann auf der Internetseite des Vereins genau angesehen werden.

Bauwerk

Die Müngstener Brücke wurde von 1894 bis 1897 erbaut und am 15. Juli 1897 eingeweiht. Sie ist über 400 Meter lang, beinahe 110 Meter hoch und wiegt rund 5000 Tonnen.

Seit einigen Jahren gibt es Bemühungen, die Brücke als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. „Das wird auch gelingen“, sagt Experte Prof. Dr. Horst A. Wessel dazu. „Wenn auch im zweiten oder dritten Anlauf.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Erich Merken ist schon seit 50 Jahren beim Weihnachtstreff dabei
Erich Merken ist schon seit 50 Jahren beim Weihnachtstreff dabei
Erich Merken ist schon seit 50 Jahren beim Weihnachtstreff dabei
Strompreisbremse, Gaspreisbremse, Dezemberhilfe:  Antworten auf die wichtigsten Fragen
Strompreisbremse, Gaspreisbremse, Dezemberhilfe: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Strompreisbremse, Gaspreisbremse, Dezemberhilfe: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Der lange Weg zurück zum Führerschein
Der lange Weg zurück zum Führerschein
Der lange Weg zurück zum Führerschein
Politiker leisten sich einen kleinlichen Heizstreit
Politiker leisten sich einen kleinlichen Heizstreit
Politiker leisten sich einen kleinlichen Heizstreit

Kommentare