Zu Fuß oder mit dem Rad über die Brücke

Müngstener Brücke: Bürger kritisieren den geplanten Skywalk

Ulla Hösterey (links) und Blanka Dost aus Schaberg wehren sich gegen den Skywalk und Massentourismus im Naturschutzgebiet. Foto: Christian Beier
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Ulla Hösterey (links) und Blanka Dost aus Schaberg wehren sich gegen den Skywalk und Massentourismus im Naturschutzgebiet.
  • Philipp Müller
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In Schaberg fürchten die Anlieger durch Massentourismus an der Müngstener Brücke um den Naturschutz.

Remscheid. Mitglieder aus 16 Familien in der Hofschaft Schaberg haben sich gegen die Pläne für einen Skywalk in der Müngstener Brücke zusammengeschlossen. Die Anwohner des Solinger Bereichs, in dem die Brücke in Solingen endet, fürchten, dass das Projekt vor allem auf dem Rücken des Naturschutzes umgesetzt wird. Beiderseits der Brücke liegen Naturschutzgebiete. Tausende Besucher würden vor allem an den Wochenenden zur Brücke strömen. Zuwegungen und Parkplätze müssten eventuell genau in diesen Naturschutzgebieten errichtet werden.

Diese Befürchtungen gibt es auch auf Remscheider Seite. Dort formulieren die Bewohner der Siedlung Küppelstein erste Kritik und fragen, wo denn alle parken sollen, die dann zu Fuß oder mit dem Rad den Skywalk nutzen werden.

Die Idee des Skywalks geht auf das Remscheider SPD-Mitglied Gerd Münnekehoff zurück. Inzwischen gibt es sogar den Verein „Bergischer Brückenschlag“, der das Projekt vorantreiben will. Ergebnisoffen geht derweil die Stadt Remscheid das Projekt an. Im März wurde eine Machbarkeitsstudie beschlossen, die bisher aber noch nicht in Auftrag gegeben worden ist.

Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz: Skywalk bietet als touristische Attraktion eine Riesenchance für die Städte

Der Remscheider Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) sieht in der Radwege-Verbindung zwischen Remscheid und Solingen eine „Riesenchance“ für eine touristische Attraktion. Doch Widerstand formiert sich bereits. Im Naturschutzbeirat Remscheid wurde die Frage aufgeworfen, wie das aus Sicht des Naturschutzes zu bewerten ist. Auf Remscheider Gebiet enden Brücke und der Skywalk in einem FFH-Gebiet, einem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet.

Auf der Ebene, von der aus Wartungsarbeiten gemacht werden, soll der Skywalk später einmal verlaufen. Archivfoto: Sven Schlickowey

Auch auf Solinger Seite liegt die Brücke mitten im Naturschutzgebiet. In der Hofschaft Schaberg will der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Solingen zunächst eine Ortsbesichtigung durchführen. Der Grund ist dabei nicht nur der Skywalk selbst. Das Solinger Rathaus möchte auf einem Teil des Bauhofs für die Brückensanierung einen Park&Ride-Parkplatz für Bahnkunden errichten. Da setzt dann auch die Kritik der Schaberger ein. Sie fürchten, dass am Ende der gesamte Bauhof zur Parkfläche wird, anstatt den Bauplatz wieder zu renaturieren, wie es der Ursprungsplan ist.

„Die Zufahrtsstraße lässt übrigens keinerlei Begegnungsverkehr zu“, sagt Ulla Hösterey von der Bürgerinitiative . Der Verkehr in der Hofschaft sei bereits an den Wochenenden ein großes Problem, berichtet Bärbel Gester. Regelmäßig würde sogar ihre Garageneinfahrt blockiert.

Wenn man den Skywalk aus Sicht der Autofahrer denkt, endet das im Chaos.

Gerd Münnekehoff zur Planung

Gerd Münnekehoff nimmt die Kritik aus Schaberg sehr ernst. „Wenn man den Skywalk aus Sicht der Autofahrer denkt, endet das im Chaos“, sagt er. Deshalb fordert er die Städte Remscheid und Solingen im Rahmen der Machbarkeitsstudie auf, das anders zu planen. Der Skywalk mache nur Sinn, wenn er als Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) gedacht werde. Parkplätze gebe es an den Bahnhöfen – außer am Schaberg. Der soll nach der Idee des Initiators der Hauptanlaufpunkt für Touristen sein, die per Schiene zur Brücke und zum Schaberg gebracht werden und von dort wieder abreisen. Beim Naturverbrauch mahnt er an, nur die Wege zu nutzen, die es bereits gibt. „Auch auf Remscheider Seite gibt es Zuwegungen zur Brücke, die nur entsprechend geplant werden müssten.“

Daher will er das Gespräch mit den Anliegern beidseitig der Brücke suchen. Dann wird er auch auf Blanka Dost aus Schaberg treffen. Sie ist gegen das gesamte Projekt und sagt für die Bürgerinitiative: „Kein Massentourismus im Naturschutzgebiet.“| Standpunkt

Skywalk

Für die Umsetzung eines Fuß- und Radwegs soll nach Angaben der Ideengeber die Wartungsebene in der Brücke genutzt werden. Dort muss allerdings noch die Sicherheit der Nutzer gewährleistet werden. Ob das mit Netzen oder Zäunen geschehen kann, ist nicht geklärt. Die Optik der Brücke, die Weltkulturerbe werden will, soll sich nicht ändern.

Standpunkt: Gute Ideen sind gesucht

Kommentar von Philipp Müller

philipp.mueller@ solinger-tageblatt.de

Am Wochenende erleben die Bürger in Schaberg, dass die Touristen am liebsten mit dem Auto bis in die Bögen der Müngstener Brücke fahren möchten. Da ist ihre Sorge groß, dass das mit dem Skywalk noch schlimmer wird. Wahrscheinlich liegen sie damit genau richtig. Muss man deshalb auf das Projekt verzichten? Initiator Gerd Münnekehoff verweist darauf, dass man das ganze Projekt aus der Sicht des Personennahverkehrs und eben nicht aus dem Blick der Autofahrer verstehen und denken müsse. Hat er unrecht? Sicher nicht, aber das bedarf dann eben auch des Umdenkens. Und vor allem muss – kommt der Skywalk – der Autoverkehr dann frühzeitig umgelenkt werden. Der Druck der Touristenströme wird spätestens auch dann wachsen, sollte die Brücke 2025 tatsächlich als Weltkulturerbe geadelt werden. Beidseitig der Wupper, über die sich das 107 Meter hohe Bauwerk spannt, muss das heute bereits klug angegangen werden. Im kommenden Jahr wird das Bauwerk 125 Jahre alt. Zeit, 125 gute Ideen für den Tourismus und den Naturschutz zu entwickeln.

Die Müngstener Brücke möchte Weltkulturerbe werden.

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