Gebühren

Müll wird in Remscheid teurer, Abwasser günstiger

Abfall kosten mehr, Abwasser weniger und die Straßenreinigung bleibt unverändert: In dieser Woche werden voraussichtlich die neuen TBR-Gebühren beschlossen. Symbolbilder: Michael Schütz/ Renate Köppel/ Roland Keusch
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Die Straßenreinigung bleibt unverändert: In dieser Woche werden voraussichtlich die neuen TBR-Gebühren beschlossen.

In dieser Woche entscheidet die Politik über die neuen Gebühren der Technischen Betriebe.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Die Müllabfuhr in Remscheid wird teurer. Wenn der zuständige Betriebsausschuss am Dienstag und schließlich der Stadtrat am Donnerstag zustimmen, steigt der Preis für die Abfuhr einer grauen 120-Liter-Tonne zum Jahreswechsel um elf Euro auf 393 Euro pro Jahr. Eine braune Bio-Tonne gleicher Größe wird dann 108,50 Euro kosten, vier Euro mehr als heute.

Abfall kostet mehr, Abwasser weniger.

Weil gleichzeitig die Abwassergebühren leicht sinken sollen, um zwei Cent je Kubikmeter Schmutzwasser, und die Kosten für die Straßenreinigung konstant bleiben, steigt die Gesamtbelastung für eine vierköpfige Durchschnittsfamilie (200 Kubikmeter Wasserverbrauch jährlich, 60 Liter Abfallvolumen pro Woche, 15 Meter Frontlänge des Grundstücks) um 1,50 Euro pro Jahr, hat die Verwaltung in einer Mitteilungsvorlage berechnet. Dabei folgen die Müllgebühren einem inzwischen schon jahrelangen Trend nach oben: Seit 2015 ist die graue Tonne Jahr für Jahr teurer geworden, kumuliert um 64 Euro in sechs Jahren, mit der nun angedachten Steigerung wären es 75 Euro in sieben Jahren.

22.520 Tonnen Restmüll fallen jährlich in Remscheid an - Das passiert damit

„Da werden Äpfel mit Birnen verglichen.“

Claudia Schmidt (TBR) über Gebührenvergleiche zwischen verschiedenen Kommunen

Das trage den allgemeinen Kostensteigerungen Rechnung, erklärt Claudia Schmidt, Geschäftsbereichsleiterin bei den Technischen Betrieben (TBR). Dies betreffe unter anderem die Personalkosten. Zuletzt hatten sich die Tarifparteien im Dezember auf ein Plus über drei Prozent in zwei Stufe und eine Corona-Sonderzahlung für Kommunalbeschäftigte verständigt. Aber auch die verbrauchsabhängigen Kosten würden sich in diesem Bereich bemerkbar machen: „Sprit ist deutlich teurer geworden, der Preis für AdBlue zum Beispiel ist in den letzten zwei Wochen um annähernd 400 Prozent gestiegen.“ Das Gemisch aus demineralisiertem Wasser und Harnstoffen benötigen Dieselfahrzeuge, um die gültigen Abgas-Grenzwerte einzuhalten.

Anders sieht es beim Abwasser aus, wo die Gebühren sich seit Jahren auf einem vergleichbaren Niveau bewegen, nun sogar unter den Wert von 2015 sinken sollen. Grund dafür sei unter anderem, dass hier eher Investitions- als Verbrauchskosten zum Tragen kämen, erklärt die zuständige TBR-Geschäftsbereichsleiterin Atessa Sadrai. Steigt der Verbrauch, steigen die Gesamtkosten nicht in gleichem Maße mit – und der Preis je Verbrauchseinheit sinkt. „Ich kann mir zum Beispiel vorstellen, dass sich hier die AHA-Regeln mit dem ganzen Händewaschen auswirken“, sagt Sadrai.

Die Straßenreinigungsgebühren sollen nach aktuellen Planungen das zweite Jahr in Folge unverändert bleiben. Betrachtet man die Entwicklung der vergangenen Jahre, zeigt sich bei der Sommerreinigung eine Steigerung von 42 bis 84 Cent je Meter Grundstück, je nach Lage und Reinigungsaufwand, während der Winterdienst im gleichen Zeitraum um 87 Cent bis 1,02 Euro günstiger wurde.

Verglichen mit anderen NRW-Städten liegen die Entsorgungskosten in Remscheid übrigens meist im unteren, also günstigeren, Drittel, wie eine Erhebung des Bundes der Steuerzahler (BdSt) für das aktuelle Jahr zeigt. Der berechnet die Abfallkosten (eine graue und eine braune 120-Liter-Tonne, 14-tägige Leerung) für Remscheid mit 284 Euro pro Jahr. Ähnliches gibt es demnach in Mechernich schon für 146,39 Euro. Kostet in Münster aber auch 640 Euro. Den Landesdurchschnitt gibt der BdSt mit 359,01 Euro an. Und während der Kubikmeter Schmutzwasser in Remscheid aktuell mit 2,58 Euro zu Buche schlägt, zahlt man in Detmold 4,27 Euro dafür. Und in Erftstadt nur 1,62 Euro.

Von solchen Vergleichen halten Fachleute allerdings wenig. „Da werden Äpfel mit Birnen verglichen“, sagt auch TBR-Geschäftsbereichsleiterin Claudia Schmidt. Dafür seien die Voraussetzungen in den Kommunen einfach zu unterschiedlich. So braucht es im Bergischen beispielsweise aufgrund der Topographie ein vergleichsweise aufwendiges Kanalnetz, dessen Kosten auf die Gebühren umgelegt werden. Wenn überhaupt sei deswegen ein Vergleich mit den Nachbarstädten sinnvoll, so die Meinung vieler Experten. Und da zeigt sich: 2020 liegen die Schmutzwasserpreise in Remscheid unter denen von Solingen (2,94 Euro je Kubikmeter) und Wuppertal (2,95).

Im vergangenen Jahr gab es keine wesentlichen Erhöhungen, die Gebühren blieben in Remscheid konstant.

Hintergrund

Diese Entsorgungskosten sind unter anderem im Entwurf 2022 vorgesehen:

Graue Tonne: 393 Euro (120 Liter), 786 (240)

Braune Tone: 108,50 Euro (120 Liter), 217 (240)

Container: 1803 (770 Liter), 2577 (1,1 Kubikm.)

Abfallsack: 1,80 Euro

Schmutzwasser: 2,56 Euro je Kubikmeter

Regenwasser: 1,40 Euro je Kubikmeter

Kleinkläranlagen: 84,63 Euro je Kubikmeter

Straßenreinigung (Sommer): 2,11 Euro je Meter (innerörtlich), 3,74 (innerörtlich mit erhöhtem Aufwand), 1,82 (überörtlich)

Winterdienst: 0,71 Euro je Meter (Priorität I), 0,61 (Priorität II)

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