Aktion

Mottowoche erreicht die ganze Schule

Die Abiturienten des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums haben Plakate gestaltet, die zum Nachdenken anregen sollen. Die Schülerinnen Emily Sander (2. v. l, vorne) und Sofia Thalmann (3. v. r.) haben selbst noch einiges gelernt. Foto: Michael Schütz
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Die Abiturienten des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums haben Plakate gestaltet, die zum Nachdenken anregen sollen. Die Schülerinnen Emily Sander (2. v. l, vorne) und Sofia Thalmann (3. v. r.) haben selbst noch einiges gelernt.

Abiturjahrgang des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums macht auf gesellschaftliche Themen aufmerksam.

Von Alexandra Dulinski

Remscheid. In der letzten Woche vor den Osterferien feiern die Abiturjahrgänge ihre Mottowoche. Normalerweise. In der Corona-Pandemie wurde den Schülerinnen und Schülern allerdings verboten, ihren baldigen Abschluss mit bunten Kostümen und Abistreichen einzuläuten.

Die Schüler des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums haben sich deshalb eine Alternative einfallen lassen. An jedem Tag der Woche haben sie mit Plakaten und Kreideaktionen auf ein gesellschaftliches Thema aufmerksam gemacht und Handouts erstellt, die die Lehrer für ihren Unterricht nutzen konnten.

„Auch wir haben in der Woche noch vieles gelernt.“

Sofia Thalmann, Abiturientin

Per Whatsapp haben die Schüler geplant, überlegt, welche Themen wichtig sind, und sich dabei an den Ereignissen des vergangenen Jahres orientiert.

So stand der Montag ganz im Zeichen der Black-Lives-Matter-Bewegung, Rassismus und Diskriminierung. Der Tod des Afroamerikaners George Floyd hatte im vergangenen Jahr weltweit für Proteste gesorgt. In den Vordergrund gestellt haben die Schüler den Alltagsrassismus wie die Islamophobie, erklärt die 18-jährige Sofia Thalmann, die die Aktion zusammen mit Svenja Jentzen initiiert hat. Die Faust, die zum Symbol der Black-Lives-Matter-Bewegung geworden ist, ziert als Kreidezeichnung den Schulhof, ebenso Floyds Hilferuf „I can’t breathe“.

Am Dienstag machten die Abiturienten auf das Thema Feminismus aufmerksam. „Men of quality do not fear equality“ steht auf einem der Plakate geschrieben, das seit Dienstag in der Schule hängt. Themen wie der Gender Pay Gap, Vergewaltigungsraten und sexuelle Belästigung standen im Fokus. „Uns war es wichtig, Mädchen darauf aufmerksam zu machen, sich wehren zu dürfen, und Jungs, dass es okay ist, ihre Freunde darauf anzusprechen, wenn sie sich falsch verhalten“, sagt Schülerin Emily Sander (18).

Auf die Vielfalt der sexuellen Orientierung machten die Abiturienten am Mittwoch aufmerksam: LGBTQ – die Bewegung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender-Personen und der queeren Bevölkerungsgruppe. „Für viele ist das ein Tabu“, erklärt Emily Sander. Viele Lehrer hätten zudem die Unterschiede der Gesinnungen nicht gekannt. Es fehle einiges an Aufklärung, sagt die Schülerin.

„Einige Mitschüler haben sich geoutet, kamen mit der LGBTQ-Flagge in die Schule. Sie haben sich zum ersten Mal wohlgefühlt, weil offen und ehrlich über das Thema gesprochen wurde“, berichtet Sofia Thalmann.

Am Donnerstag standen dann der Klimawandel und der Tierschutz im Vordergrund. „Wir haben Wert darauf gelegt, zu zeigen, was man selbst tun kann“, sagt Sofia Thalmann „Auch wir haben in der Woche noch vieles gelernt.

Das jeweilige Motto und der entsprechende Dresscode – rote Farben für den Feminismus-Tag, weiß mit bunten Accessoires für LGBTQ oder schwarz für Black Lives Matter – haben die Abiturienten am Abend zuvor über Instagram bekanntgegeben und die jüngeren Schüler dazu aufgerufen, sich mit Plakaten zu beteiligen. „Das wurde schnell zu einer Aktion der ganzen Schule“, sagt Thalmann. Schulleiter Stephan Döring zeigt sich angetan von den Ideen des Abschlussjahrgangs. „Das ist so geworden, wie man es sich von einer Abschlussklasse wünschen würde“, sagt er. Die Schüler hätten dabei auf kreative Weise das Mottowochen-Verbot umgangen.

Hintergrund

Die Abiturprüfungen starten in diesem Jahr am Freitag, 23. April. In den zwei Wochen nach den Osterferien bis zum Start werden die Schülerinnen und Schüler noch in ihren Abiturfächern unterrichtet.

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