Nach dem Hochwasser

Schutz des Morsbachtals: Betonbecken an der Hägener Mühle sollen vor Flut schützen

So würde das Becken aus einer Betonmatte an der Hägener Mühle von oben aussehen.
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So würde das Becken aus einer Betonmatte an der Hägener Mühle von oben aussehen.
  • Axel Richter
    VonAxel Richter
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Die Technischen Betriebe planen den Bau neuer Regenrückhaltebecken. Dafür muss ein Biotop verlegt werden.

Remscheid. Schön ist anders. Das weiß Atessa Sadrai. „Das ist auch nichts, was wir gerne so machen“, sagt die Leiterin des Bereichs Stadtentwässerung bei den Technischen Betrieben Remscheid. Doch mit Blick auf den Schutz des Morsbachtals vor dem nächsten Hochwasser bleibe der Stadt gar nichts anderes übrig als jene Betonwanne, die die Ingenieure an der Hägener Mühle errichten wollen. Mit einem zweiten Regenrückhaltebecken, das weiter oben an der Oelmühle geplant ist, sollen die neuen Retentionsräume im Extremfall bis zu 11 000 Kubikmeter Wasser aufhalten. Das ist der Inhalt von annähernd 55 000 Badewannen.

Das Bauprojekt wird mindestens zwei Jahre brauchen und mehrere Millionen Euro kosten. Vorgestellt wurde es jetzt den Mitgliedern der Naturschutzgruppen und Verbände, die im städtischen Naturschutzbeirat beratende Stimme haben. Auf Begeisterung stieß der Eingriff in die Natur unterhalb der Haddenbacher Straße auch dort nicht. Doch gibt es dafür mehr als einen guten Grund.

Nicht nur geht es um den Hochwasserschutz. „Wir haben es auch mit vier nicht genehmigten Einleitungen zu tun“, sagt Atessa Sadrei. Konkret: Das komplette Regenwasser, das über dem Hohenhagen einschließlich der Bundesstraße 229 niedergeht, fließt in den Müggenbach. Ungesäubert und in viel zu großen Mengen. Das ist nicht erlaubt, weshalb die Stadt Remscheid seit 20 Jahren nach Alternativen sucht.

Dieses Becken stammt aus der Zeit um 1900. Es soll künftig zur Klärung des Wassers dienen.

Morsbach: Neue Anlage soll Zufluss regulieren und Wasser reinigen

Die neue Anlage sollen nun beides leisten, nämlich den Zufluss des Oberflächenwassers regulieren, das in den Müggenbach und von dort in den Morsbach fließt, und es zuvor reinigen. Zwischen den beiden Rückhaltebecken ist dazu ein Klärbecken geplant. Es soll ein altes Bestandsbecken ersetzen, das um 1900 errichtet wurde.

Dazu muss nur ein neuer Damm errichtet werden. Für das 6800 Kubikmeter fassende Becken an der Hägener Mühle gilt das nicht. Dort setzen die Planer stattdessen auf eine Betonmatte, mit der die zuvor ausgehobene Bodenvertiefung ausgekleidet werden muss.

Mit naturnaher Bauweise hat das nichts zu tun. Im Diepmannsbachtal war den Technischen Betrieben das gelungen, auch im Klausener Bachtal. Am Müggenbach steht dem buchstäblich das Grundwasser im Weg. Es liegt so nah an der Oberfläche, dass das halbe Becken bereits unter Wasser stünde, bevor das erste Regenwasser hineinfließen würde. Die Betonmatte soll es davon abhalten und eine Drainage dafür sorgen, dass das Grundwasser abfließt.

Schutz des Morsbachtal: Pläne sind noch nicht genehmigt

Derzeit befinden sich die Baupläne der Technischen Betriebe in der Genehmigungsphase. „Wir hoffen, dass wir Mitte nächsten Jahres mit den Bauarbeiten beginnen können“, sagt Atessa Sadrei.

Biotop: Röhricht soll umgesiedelt werden - Müggenbach ist nicht zu retten

Und was passiert mit dem Biotop?, hieß die Nachfrage im Naturschutzbeirat. Tatsächlich wächst der seltene Röhricht mitten in der neuen Betonwanne an der Hägener Mühle. Die Technischen Betriebe haben am Klausener Bach einen Ersatzstandort gefunden. Auf 1200 Quadratmetern soll neuer Röhricht angesiedelt werden.

Der Müggenbach gilt dagegen als nicht zu retten. Schon vor Jahrzehnten wurde er auf weiten Strecken unter die Erde gezwungen. Das Tal unterhalb der Haddenbacher Straße dient deshalb künftige dem Hochwasserschutz. Wobei auch das aller Baumaßnahmen zum Trotz klar ist: „Für eine Flut wie 2021 an der Ahr reicht auch das nicht aus“, sagt Atessa Sadrei: „Dagegen kann man nichts machen.“

Müggenbach

Der Müggenbach entspringt bei den Stadtwerken und tritt erst an der Oelmühle an die Oberfläche. Der größte Teil seines Weges bis zur Mündung in den Morsbach ist verrohrt. Unter anderem durchfließt er unterirdisch zahlreiche Firmen rund um den Hauptbahnhof. Darunter den Obi.

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