Automotiveland

Mobilitätswirtschaft positioniert sich klar

„Automotiveland NRW“ hat im Solinger Autokino seinen neuen Image-Trailer vorgestellt. Foto: Michael Schütz
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„Automotiveland NRW“ hat im Solinger Autokino seinen neuen Image-Trailer vorgestellt.

Automotiveland NRW für breite Förderung und gegen reine KaufprämieAutokino bietet passenden Rahmen für Imagefilm

Von Timo Lemmer

Wenn am Donnerstag der Verband der Automobilindustrie (VDA) zum Länderdialog zusammenkommt, wird das Bergische Land mit starker Stimme sprechen. Der Verein „Automotiveland NRW“ hat unter Federführung von Geschäftsführer Stephan A. Vogelskamp und Thomas Lämmer-Gamp von Bergisch Smart Mobility ein Positionspapier vorbereitet, um die Interessen der Region deutlich zu machen. „Es geht uns in dem Strategiepapier darum, im Branchendialog dafür einzutreten, eine intelligente Förderungsstruktur aufzusetzen“, erklären sie zum Inhalt.

Das Statement firmiert unter dem Titel „Re-Start“, denn: „Die Automobilindustrie befindet sich in einer verheerenden Situation.“ Das sei im von Zuliefer-Betrieben geprägten Bergischen Land ganz klar zu spüren. Die corona-bedingten Umsatzeinbußen bezifferte Vogelskamp dabei auf 20 bis 25 Prozent – im günstigsten Fall. „In Einzelfällen reden wir von 90 oder 95 Prozent.“ Dabei zeichne sich beim Blick auf präferierte Maßnahmen ab, dass sich die Bundesländer in zwei Gruppen aufteilen. Auf der einen Seite die, die hersteller-geprägt sind. Auf der anderen Seite die, die vor allem für Zulieferer stehen.

„Wir müssen klar darstellen, wie wir uns die Zukunft vorstellen.“
Monika Kocks, Vorstandsmitglied von „Automotiveland NRW“

„Automotiveland NRW“, das vor allem Zulieferer im Blick hat, aber auch mit Maschinenbauern, dem städtischen ÖPNV oder der Energiewirtschaft und Forschungseinrichtungen wie der Universität zusammenarbeitet, wolle die eigenen Interessen sichtbar machen. „Wir müssen klar darstellen, wie wir uns die Zukunft vorstellen“, findet Monika Kocks aus dem Vorstand. Das Anliegen sei, reine Kauf- oder Abwrackprämien, wie sie die Hersteller fordern, zu verhindern. Vogelskamp: „Die aktuelle Krise wird an der notwendigen Transformation der Mobilitätsbranche nichts ändern. Kurzfristige Impulse sind nicht ausreichend.“

Aus Thüringen und Sachsen gibt es positive Signale, sich hinter dem bergischen Papier zu versammeln. Darin fordern die Autoren, ein Dreieck im Blick zu haben: Beschäftigung zu sichern, Innovationseinbrüche zu vermeiden – und den Klimaschutz weiter voranzutreiben. Am „Green Deal“ der Europäischen Union werde sich nichts ändern, und zukünftige Förderprogramme immer stark daran ausgerichtet sein. Darauf müsse sich die Branche vorbereiten, meint Vogelskamp. Er fordert Förderung statt Kaufprämie, und nennt „hersteller-getragene“ Vorschläge des VDA „fantasielos“.

Intelligente Strukturen, wie sie Ulrich Jäger von den Wuppertaler Stadtwerken vorstellte, müssten weiterhin im Blick sein. Er benannte zwei Projekte, die mit der seit dem 21. April laufenden Förderung seitens des NRW-Wirtschaftsministeriums realisiert wurden: Wasserstoffbusse sowie Taxi-Busse, die Personen auf Anforderung intelligent befördern, ohne an Haltestellen gebunden zu sein.

Dass das Positionspapier mit Nachdruck in der Politik ankommt, dafür will der Vorstand nun sorgen. Von Landespolitiker Marcel Hafke (FDP) gab es dafür positive Signale: Mit Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sowie Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) sei das Papier bereits diskutiert worden. Es gehe darum, die technologische Basis im Bergischen Land zu nutzen und dauerhaft zu erhalten, indem gerade in der Krise in Forschung und Entwicklung investiert werde. Hafke macht gar Hoffnung, dass ein kommunaler Investitionsfonds aufgelegt werden soll. Es gehe um neue Mobilität und Digitalisierung: Für die Landesregierung sei klar, dass die Autobranche nicht monothematisch aus Autobauer-Sicht gesehen werden dürfe.

Kocks befand, die klar formulierten Ziele und guten Forderungen des Papiers, das Infrastruktur, Transformation und Klimaschutz gleichermaßen bedacht sehen will, seien ein optimaler Schritt. Die Wirksamkeit des erst einjährigen Zusammenschlusses bezifferte Vogelskamp so: „Es ist eine Pflanze, die noch Wasser braucht, die aber mehr Pflanzen um sicher herum versammelt.“

Automotiveland in Hochglanz

Was ursprünglich bei einem Festakt im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium Premiere feiern sollte, fand am Dienstagabend in Solingen womöglich einen sogar noch passenderen Rahmen. Der Verein Automotiveland NRW, der die bergische Mobilitätsbranche seit einem Jahr miteinander vernetzt und in die Zukunft führen will, zeigte seinen professionell aufgezogenen Imagefilm erstmals – und zwar im Autokino am Weyersberg. „Es wäre doch zu schade gewesen“, leitete Geschäftsführer Stephan A. Vogelskamp ein, „diesen Trailer nur ins Internet zu stellen.“ Der Verein hatte Partner und Mitglieder zu einer außergewöhnlichen Abendveranstaltung geladen.

Die Zuschauer waren in Dutzenden aktuellen Fahrzeugen angerollt, lauschten ihrem Radio und sahen den neuen Trailer. „Er zelebriert die Gemeinschaft, die wir inzwischen gebildet haben“, sagte Vogelskamp. Verschiedene bergische Protagonisten präsentieren darin ihren Blickwinkel auf die Mobilität der Zukunft. Der tiefgreifende Strukturwandel, das neue Denken: Der 150-sekündige Film untermauert die Vielfalt, die sich die bergische Mobilitätsbranche auf die Fahne schreibt. Es geht um E-Mobilität, automatisiertes Fahren, Künstliche Intelligenz. Unternehmer kommen ebenso zu Wort wie Vertreter von Forschungseinrichtungen. Der Bergischen Uni kommt schließlich in der Entwicklung einer Zukunftsstrategie der Automobilbranche in der Region eine Schlüsselrolle zu.

Stimmig abgerundet wurde der Besuch im Autokino mit dem Hollywood-Film „Le Mans 66“, der die Vergangenheit der Branche illustrierte – ging es doch um den Kampf zwischen Ferrari und Ford um die Vormachtstellung in der Szene der 1960er Jahre. tl

www.automotiveland.nrw

Hintergrund

Am Vorabend der Stellungnahme zum Positionspapier hatte Automotiveland NRW einen Image-Trailer vorgestellt. Vertreter der bergischen Großstädte untermauerten die Bedeutung der Branche: Die Beigeordnete Dagmar Becker vertrat Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD), für Wuppertal war Klaus Jürgen Reese (SPD), Vorsitzender des Bergischen Rats, dabei. Remscheids Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz (SPD) sprach dem Verein immense Bedeutung zu, an der Mobilität der Zukunft zu feilen.

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