Mein Leben als Papa

Mit Vater auf Tour: Weil der Junge mal an die frische Luft muss

Im Rückspiegel: Auf Muttis E-Bike hat auch Vati Probleme. Foto: gf
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Im Rückspiegel: Auf Muttis E-Bike hat auch Vati Probleme.
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RGA-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt diesmal von einem Tag mit seinem Papa (74) – ohne Hannes (6) und Michel (3).

„Wieso willst du mit Opa Fahrrad fahren?“, fragten mich Hannes und Michel erstaunt, als sei das eine so abwegige Idee. „Ich unternehme doch auch viel mit euch. Da darf ich doch auch mal was mit meinem Papa machen, oder?“, stellte ich eine rhetorische Gegenfrage, die Hannes und Michel überzeugte. Tatsächlich war die gemeinsame Fahrradtour ein Geburtstagsgeschenk meines Vaters. Inklusive Gutschein für ein Mittagessen im Brauhaus. Und dem Vermerk: „Der Junge muss an die frische Luft“.

Mit diesem Geschenk wollte mein Vater – so zumindest meine Vermutung – mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Er wollte seinen aus der Form geratenen Sohn mal wieder vom Schreibtisch wegholen und Zeit mit ihm verbringen. Er wollte sich von mir nicht mehr süffisant fragen lassen müssen, warum er nach einer E-Bike-Tour überhaupt noch duschen geht. Und er wollte endlich mal wieder mit jemanden fahren, ohne in den Rückspiegel gucken und warten zu müssen (Sorry, Mutti!).

„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in der RGA-Geschäftsstelle, im Buchhandel und im Internet. bergisch-bestes.de

Nach einer kurzen Einweisung sitze ich an meinem freien Montag also mit langer Unterbuxe auf dem E-Bike meiner Mutter und strample gegen den Herbstwind an. Das heißt, ich strample fast gar nicht. Unterstützungsstufe „Tour“ gibt mir das Gefühl, federleicht zu sein. „So fühlt man sich also als Rentner“, rufe ich zu meinem Vater rüber und bereue diesen Spruch wenig später an der ersten echten Steigung. Mein 74-jähriger Vater fliegt davon, mich lässt Unterstützungsstufe „Turbo“ im Stich. An den nächsten Bergen dasselbe. Mein Vater muss auf mich warten. „Warum schwitzt du so?“, fragt er mich triumphierend und mitleidig zugleich. „Da stimmt was nicht“, keuche ich.

Wir tauschen die E-Bikes. Mit mehr Watt unter dem Hintern bezwinge ich die nächste Steigung mühelos und bringe es bergrunter auf 54 km/h. Von meinem Vater ist nichts zu sehen. „Da stimmt was nicht“, weiß auch er jetzt. „Die letzten beiden Gänge spinnen.“ Nachgefragt bei Mutti: „Die letzten Gänge hab ich doch noch nie benutzt“, sagt sie am Handy – und meinem Vater wird einiges klar. Tauschen will er die Räder jetzt auch nicht mehr. „Das zieh ich jetzt durch“, sagt er.

Während ich im Rückspiegel verfolge, wie er sich müht, kann ich die herrliche Landschaft genießen. So wie früher, als ich bei meinem Vater vorne im Körbchen saß. Ich schicke Hannes und Michel Videos von lustigen Ziegen auf der Wiese und freue mich aufs Mittagessen. Wir haben die Steigungen hinter uns gelassen und können auf der Trasse jetzt rollen lassen. Plötzlich ist der Weg abgesperrt: „Baumfällarbeiten: Lebensgefahr“. Mein Vater entscheidet, trotzdem weiter zu fahren und bequatscht wenig später die Baumpfleger. Na gut, heute bin ich nur der Sohn. Papa bestimmt und regelt das.

Das Steak im Brauhaus schmeckt hervorragend, wir führen karge Vater-Sohn-Gespräche und enden wie immer mit dem Loriot-Satz: „Schön, dass wir mal ganz offen über alles gesprochen haben.“ Die Tour wird bei Wind und Regen fortgesetzt. „Fies“, denke ich. „Tut gut, was Gesünderes gibt es nicht“, sagt mein Vater. Nach 50 Kilometern sind wir wieder zu Hause. Mein Akku ist fast leer, ich bin es auch. Und ja, ich muss dringend duschen.

„99,9“, sagt mir mein Vater am nächsten Tag – und meint damit sein Gewicht. Ich verschweige ihm meins. Und sage ihm auch nicht, dass ich im Gegensatz zu ihm Muskelkater habe. Ich hoffe wirklich, dass ich mit 74 auch noch so fit bin und mit Hannes und Michel solch eine Tour stemmen kann. Gerne auch auf einem E-Bike.

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