„On Fire“

Mit englischem Humor durchs Weihnachtsliedgut

Ließen den Schnee „risseln“: Sänger Nigel Casey und die Bergischen Symphoniker unter der Leitung von Miki Kekenj. Foto: Michael Schütz
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Ließen den Schnee „risseln“: Sänger Nigel Casey und die Bergischen Symphoniker unter der Leitung von Miki Kekenj.

Die Bergischen Symphoniker präsentieren „Swining Christmas“.

Von Peter Klohs

Die musikalische Reihe „On Fire“, bei Musikern und Gästen des Teo Otto Theaters äußerst beliebt, erlebte am Samstagabend mit der vierzehnten Ausgabe einen erneuten Höhepunkt. „Swinging Christmas“ stand auf dem Programm, eine Mixtur aus klassischen und amerikanischen Weihnachtsliedern, zu denen sich die Bergischen Symphoniker einige Gäste eingeladen hatten.

„On Fire“ zeigt immer wieder, zu was ein gutes klassisch geprägtes Orchester wie die Bergischen Symphoniker fähig ist. An diesem Abend untermalten die Streicher zuweilen auch leicht kitschig das musikalische Geschehen, während die Bläser im Orchester wie eine Big-Band agieren durften und durch wuchtige und satte Bläsersätze glänzten.

Nigel Casey, in England geborener und in der Musical-Szene gestählter Sänger, eröffnete den Abend mit „Winter Wonderland“, das durch den Einsatz eines Jazz-Trios mit dem Remscheider Pianisten Roman Babik den nötigen Swing erhielt. Bereits am Anfang der gut 90-minütigen Show fiel die Erstklassigkeit der Arrangements auf, die allesamt geschmackvoll, nie übertrieben, aber voller Fantasie daherkamen.

Casey gab den Conferencier mit englischem Humor („Ich mache eine Whisky-Diät. Bei der letzten habe ich drei Tage verloren.“), gestaltete den Song über das Rentier Rudolph nach dem von der Harfe solo gespieltem Entree gediegen swingend und versuchte sich an traditionell deutschem Weihnachtsliedgut. Dass der Schnee in seiner Version „risselt“ und nicht rieselte, führte im Publikum zu spontanem Lachen. Apropos Publikum: Im weiten Rund des großen Saales waren schon einige, auch größere Lücken auszumachen. Es werden aber immer noch gut 450 Besucher gewesen sein.

Miki Kekenj, erster Konzertmeister des Orchesters, leitete den großen Klangkörper ohne viele Hilfsmittel und sehr humorvoll. Auch die von ihm ausgesuchte Orchestermusik war voller lichter und positiver Energie, wie das bekannte „Sleigh Ride“ des amerikanischen Komponisten Leroy Anderson, dessen Stück „The Waltzing Cat“ ebenso im Programm stand.

Dass Velina Nenchev, normalerweise Violinistin im Orchester, über eine formidable Gesangsstimme verfügt, hat sich inzwischen herumgesprochen. Sie bewies es beim durchaus schwierigen „Santa Baby“, das durch die Version von Eartha Kitt zu einiger Berühmtheit gelangte und – einer der musikalischen Höhepunkte des Abends – bei „Have yourself a merry little christmas“, ausschließlich vom Jazztrio begleitet und als Ballade dargeboten.

Auch ein Höhepunkt: Die fetzige, stark an Dean Martin erinnernde Big-Band-Version des eigentlich schon todgedudelten „Last Christmas“. Doch, mit einer so großen Energie im Hintergrund funktioniert das gut. Miki Kekenj hatte Teile von Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“ fetzig arrangiert und leitete das Orchester fulminant durch fünf Minuten Jazzrock.

Natürlich durfte auch „Let it snow“ mit Nigel Casey nicht fehlen. Der Sänger erzählte diverse kleine Geschichten, die sich im Endeffekt als längere Witze erwiesen, deren Gehalt unterschiedlich amüsant war. Nach achtzig Minuten war der offizielle Teil beendet, und als Zugabe erhielt das Publikum eine beeindruckende Fassung von „White Christmas“, bei der die Männer im Orchester die Basslinie sangen und die Frauen die Harmonien. Auch hier war das Arrangement toll, nein: erstklassig.

Ob es allerdings nötig war, als zweite Zugabe noch einmal auf „Last Christmas“ zurückzugreifen, darf bezweifelt werden. Auch bei musikalischen Geschenken gilt oft: Weniger ist mehr.

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