Vom Ost-Flüchtling zum erfolgreichen Geschäftsmann

Lothar Kimpel ist ein bekanntes Gesicht in Remscheid

Lothar Kimpel zur Besuch bei Andreas Kaul in der Volksbank an der Alleestraße. Mit dabei: Die kurze Lederhose aus Ostproduktion, die er trug, als er 1954 nach Remscheid kam.
+
Lothar Kimpel zur Besuch bei Michael Kaul in der Volksbank an der Alleestraße. Mit dabei: Die kurze Lederhose aus Ostproduktion, die er trug, als er 1954 nach Remscheid kam.

Das bewegte Leben des Lothar Kimpel.

Von Sven Schlickowey

Remscheid. Lothar Kimpel war Ost-Flüchtling und erfolgreicher Geschäftsmann, er lebte genauso in Spanien wie in Stralsund. Doch die Konstante in einem bewegten Leben von mehr als 80 Jahren ist und bleibt Remscheid. Und die hiesige Volksbank.

Seit er 15 Jahre alt war, ist die Werkzeugstadt Dreh- und Angelpunkt für den heute 82-Jährigen, hier lebte er lange Zeit und nun wieder, hier baute er sein Geschäft auf. „Ich kann bis heute kaum durch Lennep gehen, weil mich so viele Leute kennen“, berichtet Lothar Kimpel. In der ehemaligen Kreisstadt, zuletzt in der Hackenberger Straße, betrieb der gelernte Metzger sein Lebensmittelgeschäft, natürlich mit eigener Fleischerei. „Die beste Metzgerei, die es damals in Remscheid gab“, ist er überzeugt. „Die Leute haben davor Schlange gestanden.“

Wenn Kimpel von seinen geschäftlichen Aktivitäten berichtet, spielt auch immer die Volksbank eine Rolle, die Umzug, Expansion und Erweiterungen finanzierte, teilweise zu heute kaum noch vorstellbaren Zinsen von 18 Prozent. Seit 65 Jahren ist er dort Kunde, inzwischen schon lange auch Mitglied der Genossenschaft. Angefangen habe die Geschäftsbeziehung mit einem Sparkonto, erzählt er. Und einer selbstgebauten Spardose.

Als junger Metzger-Lehrling habe er darin sein Trinkgeld gesammelt, erinnert er sich. Damals lieferten die Fleischer noch aus, die oftmals gut betuchte Kundschaft ließ immer mal wieder eine Mark springen. Als die Dose fast voll war, habe seine Mutter ihm geraten, das Geld zur Bank zu bringen, sagt Kimpel. Eigentlich zur Deutschen Bank, dort waren seine Eltern Kunden. Doch aus der Filiale seien ihm Männer in dunklen Anzügen entgegengekommen: „Das passte nicht zu mir.“

Also landete der junge Lothar Kimpel in einer Baracke in der Nähe des Rathauses, in dem damals die Volksbank untergebracht war. „60, vielleicht 70 Mark“ seien in der Dose gewesen, sagt er: „Das war damals viel Geld.“ Und der Start einer Geschäftsbeziehung, die bis heute hält. Allerdings musste die Kassiererin erst ein Werkzeug besorgen, um die selbstgebastelte Spardose zu öffnen.

Geboren wurde Lothar Kimpel während des Zweiten Weltkriegs in der Nähe von Magdeburg, wo sein Vater eine Fabrik leitete. Nach dem Krieg blieb die Familie in der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR. Vater Paul führte ein Werk, in dem Dieselmaschinen produziert wurden, die Kimpels gehörten zu den Privilegierten im Arbeiter- und Bauernstaat. Trotzdem ging die Familie Mitte der 1950er-Jahre in den Westen, nach Remscheid, der Heimatstadt des Vaters. Lothar Kimpels älterer Bruder war bereits ins Bergische gezogen, um zu studieren. Er besorgte vom Onkel, einem Polizisten, eine Bescheinigung, dass der Großvater verstorben sei, damit durfte der Rest der Familie ausreisen. „Das stimmte natürlich nicht“, gibt Lothar Kimpel heute gerne zu. „Mein Opa ist 92 geworden.“ Vor der Abreise habe die Mutter noch die Balkonkästen neu bepflanzt, berichtet Kimpel: „Damit das nicht auffällt, dass wir nicht mehr wiederkommen.“

In Remscheid fand der Vater, in der DDR Chef von 12 000 Arbeitern, einen Job in einer kleinen Firma an der Burger Straße. Sohn Lothar beendete seine in der DDR angefangene Lehre, machte später noch den Meister. Er schwamm und spielte Wasserball, gründete eine Familie und ein Unternehmen. Mit 60 Jahren ging er den Ruhestand, lebte erst einige Jahre an der spanischen Costa Blanca in der Nähe von Alicante, später in Stralsund an der Ostseeküste. Doch schlussendlich verschlug es ihn zurück nach Remscheid.

Lothar Kimpel hat viel aus seinem bisherigen Leben zu erzählen. Vor einigen Jahren berichtete er dem RGA bereits von seinen Erinnerungen an den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953, den er in Magdeburg miterlebt hatte. In einem Gespräch mit der Magdeburger Volksstimme noch ein paar Jahre früher erinnerte er sich an die dortige Bombennacht vom 10. September 1944, als das Nachbarhaus der Kimpels völlig zerstört wurde.

Nun hat er sich an die Volksbank gewandt, um die gemeinsame Zeit Revue passieren zu lassen. Er berichtet von Kassierern, mit denen er zusammen gearbeitet hat - und die Michael Kaul, heute Filialleiter an der Allee, noch aus seiner Ausbildung kennt. Von Beratungen im Wohnzimmer und Bankgeschäften per Fax. Eine Zeit, die Lothar Kimpel zu vermissen scheint.

Denn mit SB-Automaten und Online-Banking kann er offenbar nicht viel anfangen. „Das will ich nicht“, sagt er deutlich. Deswegen habe seine Lebensgefährtin inzwischen die Bankgeschäfte übernommen. „Wenn ich Geld brauche, sage ich das. Und sie regelt dann alles.“

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Weihnachtsmarkt: Lüttringhausen rückt eng zusammen
Die Gans ist wieder da - Ermittler haben heiße Spur
Die Gans ist wieder da - Ermittler haben heiße Spur
Die Gans ist wieder da - Ermittler haben heiße Spur
Unternehmen werben im Allee-Center um Nachwuchs
Unternehmen werben im Allee-Center um Nachwuchs
Unternehmen werben im Allee-Center um Nachwuchs
EWR schicken 17.000 neue Bescheide
EWR schicken 17.000 neue Bescheide
EWR schicken 17.000 neue Bescheide

Kommentare